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Er will vom Paradies ins Bürgermeisteramt

Enrico Barth ist Geschäftsführer der Aqua Paradies Mehltheuer GmbH. Er strebt jetzt nach höheren Zielen in der Nachbargemeinde.

Enrico Barth bewirbt sich um das Bürgermeisteramt in Stauchitz. Der 48-Jährige tritt für die AfD an.
Enrico Barth bewirbt sich um das Bürgermeisteramt in Stauchitz. Der 48-Jährige tritt für die AfD an. ©  Foto: Sebastian Schultz

Stauchitz. Am 20. September wird in Stauchitz ein neuer Bürgermeister gewählt. Die SZ stellt die sieben Kandidaten vor, die sich um die Nachfolge von Amtsinhaber Frank Seifert (parteilos) bewerben. Einer davon ist Enrico Barth. Er wurde in Riesa geboren, ist in Jahnishausen groß geworden und wohnt jetzt in Prausitz. Er ist ledig und hat zwei Kinder.

 Der 48-Jährige hat einst Hotelfachmann gelernt und arbeitete im Hotel „Bellevue“ in Dresden. Danach machte er sich selbstständig, ist seit 1992 Geschäftsführer der Aqua Paradies Mehltheuer GmbH. Enrico Barth gehört seit 2017 der Partei Alternative für Deutschland (AfD) an, für die er auch für das Bürgermeisteramt kandidiert.r

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Herr Barth, welches sind Ihre Beweggründe, für das Bürgermeisteramt in Stauchitz zu kandidieren?

Seit langem habe ich den Eindruck, dass in Stauchitz nur noch verwaltet, aber nicht mehr gestaltet wird. Ich möchte das ändern, für die Bürger den ländlichen Raum gestalten.

Das hätten sie aber schon vor vier Jahren machen können, als in Hirschstein ein Bürgermeister gesucht wurde?

Auch da hatte ich Ambitionen, wollte aber erst einmal kommunalpolitische Erfahrungen sammeln.

Und die haben Sie jetzt?

Ja. Seit 2019 bin ich nicht nur Gemeinderat in Hirschstein, sondern auch Kreisrat, gehöre in dieser Funktion drei Ausschüssen an. Zudem bin ich Mitglied des Vorstandes der AfD-Kreistagsfraktion.

Spielt bei der Kandidatur auch das gute Abschneiden der AfD bei den letzten Wahlen in Stauchitz eine Rolle?

Ja, sicher. Immerhin haben wir bei der letzten Landtagswahl 37,5 Prozent der Stimmen in Stauchitz geholt, waren stärkste Kraft. Bei der Gemeinderatswahl holten wir 29 Prozent. Bei solchen Ergebnissen sollte die Partei auch einen Bürgermeisterkandidaten stellen.

Bürgermeisterwahlen sind vor allem Personenwahlen. Sind Sie genügend bekannt in Stauchitz?

Ich denke, durch meine Firma bin ich sehr bekannt, ich habe viele Stauchitzer Kunden. Und ich habe mich auf mehreren Wahlveranstaltungen vorgestellt.

Welche vordringlichen Aufgaben müssen Ihrer Meinung nach in der Gemeinde gelöst werden?

Da gibt es zwei Ebenen. Zum einen muss Ordnung in der Verwaltung selbst geschaffen werden. Ich war bei Ratssitzungen als Gast dabei. Diese müssen viel straffer geführt und gut vorbereitet werden. Der Bürgermeister muss deutlich machen, dass er das Sagen hat und das auch durchsetzen. Die andere Ebene ist, für die Bürger den ländlichen Raum zu stärken. Die Orte dürfen nicht vom öffentlichen Personennahverkehr abgehängt werden. Mein Ziel ist es, den dörflichen Charakter wieder herzustellen mit Kneipen, dem Friseur im Ort, Jugendtreffpunkten. Vor allem in der Jugendarbeit muss etwas Grundlegendes passieren.

Welche Ziele würden sie als Erstes verwirklichen wollen, wenn Sie gewählt würden?

Der Ausbau des Schulzentrums Ragewitz ist dringend notwendig. Zudem bin ich ein entschiedener Gegner von Windkraftanlagen, werde dafür kämpfen, dass in Stauchitz nicht noch mehr entstehen. Es müssen vorhandene und neue Gewerbegebiete ausgewiesen, Firmen angesiedelt werden, um mehr Steuereinnahmen zu generieren.

Glauben Sie, dass in absehbarer Zeit die B 169 weitergebaut wird und damit die Orte entlastet werden?

Der Weiterbau ist Sache des Landes und des Bundes. Als Gemeinde, als Bürgermeister kann ich da nur unterstützend wirken. Ich werde aber über unsere Landtagsfraktion Druck machen, dass die Ortsteile endlich entlastet werden.

Was halten Sie davon, in Stauchitz eine neue Kindereinrichtung zu bauen und im Gegenzug die beiden jetzigen in Staucha und Stauchitz zu schließen?

Wir müssen zunächst mit allen sprechen, vor allem mit den Eltern, und dann entscheiden. Ich denke, ein Neubau ist durchaus realistisch unter Ausnutzung der Fördermittel von Bund und Land, wenn es 90 Prozent Förderung gibt.

Hat die kleine Gemeinde Stauchitz langfristig eine Überlebenschance oder streben Sie eine Fusion an? Wenn ja, mit wem?

Ich bin grundsätzlich ein Fusionsgegner. Das Land verliert dadurch seinen Charakter, wird unüberschaubar und unregierbar. Die Frage einer Fusion stellt sich für mich nicht.

Wie wollen Sie die zwei Lager in der Gemeindeverwaltung einen?

Es geht nur gemeinsam, mit zwei Lagern kann man keine Gemeinde führen. Wenn das manche nicht mitmachen wollen, muss es personelle Konsequenzen geben, da muss der Bürgermeister auch Durchsetzungsvermögen zeigen, was ich mir durchaus zumute.

Wie kann es gelingen, junge Leute in die Gemeinde zu bringen?

Es müssen von der Gemeinde günstige Baugrundstücke angeboten werden. Mir schwebt ein „Begrüßungsgeld“ von 100 Euro je neugeborenem Kind vor, Zuzügler sollten pro Person 50 Euro Prämie erhalten.

Wegen 50 Euro zieht doch niemand aufs Land, wegen 100 Euro schafft sich keiner ein Kind an?

Natürlich nicht, es sind symbolische Gesten, die zeigen sollen, ihr seid willkommen, wir wollen euch haben.

Welche Chancen rechnen sie sich bei der Bürgermeisterwahl aus?

Bei sieben Kandidatinnen und Kandidaten wird es einen zweiten Wahlgang geben. Ich gehe davon aus, dass ich diesen dann gewinnen werde.

Das Gespräch führte Jürgen Müller.

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