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"Wir müssen ein neues Image aufbauen"

Gunnar Hoffmann will Oberbürgermeister werden. Im Interview erklärt er, was er anders machen will als Marco Müller.

Von Stefan Lehmann
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Gunnar Hoffmann im Schlosspark Jahnishausen. Der 51-Jährige tritt als parteiloser Kandidat an und möchte neuer Oberbürgermeister in Riesa werden.
Gunnar Hoffmann im Schlosspark Jahnishausen. Der 51-Jährige tritt als parteiloser Kandidat an und möchte neuer Oberbürgermeister in Riesa werden. © Sebastian Schultz

Herr Hoffmann, Sie haben als Treffpunkt für unser Gespräch den Schlosspark in Jahnishausen vorgeschlagen. Warum?

Wir reden sehr viel über Innenstadt, was wichtig und gut ist. Aber wir haben auch sehr viele Ortsteile, die nicht nur sehr schön sind, sondern in denen es auch viele Menschen und Vereine gibt, die sich für deren Erhalt engagieren.

Was würden Sie hier denn anders machen?

Ich bin der Meinung, dass man sich als Stadt hier mehr engagieren könnte. Es ist jetzt nicht so, dass ich alle Lösungen direkt habe, vor Ideen strotze und sage: Das ist es jetzt! Es geht auch nicht immer um Geld. Es wäre wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, und dann Ideen zu entwickeln und etwas Machbares umsetzen.

Ich hätte gedacht, dass Sie den Park ausgewählt haben, weil hier so viel Grün wächst ...

Ich freue mich natürlich, dass es das hier gibt. (lacht)

..., denn das Thema liegt Ihnen offenbar ja sehr am Herzen?

Riesa ist eine Stadt mit sehr, sehr wenig Grün, auch wenn die Verwaltung das anders darstellt. Wir haben nicht den typischen Grüngürtel, den andere Städte haben. Es stimmt mich nachdenklich, wenn alte Bäume für eine Kiss-and-Ride-Zone weichen müssen.

Man könnte Ihnen jetzt entgegenhalten, dass wir einen schönen Stadtpark haben.

Den haben wir, ohne Zweifel. Verglichen mit anderen Städten ist das aber trotzdem zu wenig. Es wohnen auch nicht alle Menschen in Laufnähe zum Stadtpark. Sobald man ins Auto steigen muss, um ins Grüne zu kommen, ist irgendwas verkehrt. Abgesehen davon, könnte unser Stadtpark trotzdem noch attraktiver sein.

Sie wollen als Oberbürgermeister 10.000 Bäume in zehn Jahren pflanzen lassen.

Das klingt viel - ist es aber nicht. Wir haben die Flächen 2020 kategorisiert. Ich bin der festen Überzeugung, dass noch mehr geht - man muss es nur wollen.

Ein weiteres Ziel aus Ihrem Wahlprogramm: Riesa soll wachsen - auf 40.000 Einwohner im Jahr 2040. Wie wollen Sie das denn schaffen?

Da gibt es sicher großes Schmunzeln. Die Bevölkerungsprognose sagt ja derzeit, dass wir 2030 nur noch 24.000 Einwohner haben. Aber nur, wenn alle Rahmenbedingungen gleich bleiben. Eben diese müssen wir ändern. Dazu gehört es, die Stadt familienfreundlicher zu machen. Junge Riesaer zwischen 18 und 30 gehen in die Großstädte, aber die jungen Familien ziehen ins Umland, nach Röderau, Hirschstein und so weiter. Die verlieren wir, weil wir Dinge nicht richtig machen.

Zum Wahlkampfauftakt pflanzte Gunnar Hoffmann gemeinsam mit dem amtierenden Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) einen Baum. Aufforsten will Hoffmann auch, wenn er gewählt werden sollte. Sein Ziel: 10.000 neue Bäume.
Zum Wahlkampfauftakt pflanzte Gunnar Hoffmann gemeinsam mit dem amtierenden Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) einen Baum. Aufforsten will Hoffmann auch, wenn er gewählt werden sollte. Sein Ziel: 10.000 neue Bäume. © Sebastian Schultz

Aber welche?

Wir haben zu wenig Bauland, wir haben zu wenig hochwertigen, großen Wohnraum. Es will halt nicht jeder nach Weida ziehen. Wir tun zu wenig in Richtung Stadtentwicklung für junge Familien. Dazu gehört auch Barrierefreiheit. Die ist für alle gut, selbst für das Kind mit dem Roller. Auch Grün in der Innenstadt und ein Spielplatz im Stadtpark gehören dazu - was übrigens geht, auch im Hochwassergebiet. Es geht ja auch mit einem Erdhügel mit Kletterstegen aus Holz, Heckenlabyrinthen, Kletterbäumen ...

Bekommen wir damit allein den Trend umgekehrt?

Der erste Punkt wäre, die Familien zu halten, die da sind. Der nächste, junge Familien für Riesa zu begeistern. Dazu brauchen wir Projekte, die Riesa zu einer coolen, hippen Stadt machen, wie die Entwicklung des Grube-Stadions oder der Umbau des Muskator-Areals zum Mekka der Adrenalinhungrigen. Wo sich Menschen wohlfühlen, fühlt sich auch die Wirtschaft wohl. Wir haben gute Bedingungen: den Hafen, die ICE-Anbindung, die Bundesstraßen, den Verkehrslandeplatz. Infrastrukturell sind das Vorteile gegenüber vergleichbaren Städten - und trotzdem geht bei denen mehr los. Da entwickelt sich Kreativwirtschaft, da sind Start-Ups. Die haben irgendwann die Weichen richtig gestellt. Aber dieser Zug ist an Riesa komplett vorbeigefahren.

Was könnten Sie denn als Oberbürgermeister in der Hinsicht machen?

Man muss sich als weltoffen für Unternehmen und Menschen darstellen. Bei solchen Debatten wie zur Regenbogenflagge kann sich ein Oberbürgermeister durchaus äußern. Es ist eine Chance für Klein- und Mittelstädte, dass die Mieten in den Großstädten exorbitant teuer werden. Für Start-Ups ist es wurscht, wo sie sitzen - solange die Internetverbindung stimmt. Das wäre noch ein wunder Punkt in Riesa. Die Hüblermühle auf dem Muskatorgelände wäre für Ateliers geeignet. Wir müssen das nur publik machen, und die Künstler rennen uns die Bude ein! Aber es muss jemand vorangehen und sagen: Wir haben das, kommt zu uns! Das ist eine Aufgabe für einen Oberbürgermeister.