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Kreis Meißen: Unfaire Wahlkampf-Attacken

Zerschlitzte Planen, übersprühte Plakate: Offenbar hält es nicht jeder aus, Botschaften des politischen Gegners zu ertragen.

Zerschlitzt: die AfD-Werbeplante auf einem privaten Grundstück an der B 6 bei Riesa.
Zerschlitzt: die AfD-Werbeplante auf einem privaten Grundstück an der B 6 bei Riesa. © AfD Riesa

Landkreis Meißen. In großen Fetzen hängt sie herab, die bunt bedruckte Plane am Rand der B 6 in Seerhausen: Am Abzweig nach Riesa warb das mannshohe Werbebanner noch für AfD-Bundestagskandidatin Barbara Lenk. Mehrere Planen wurden in kleine Teile geschnitten. Man habe den Vorfall angezeigt, auch einen Hausfriedensbruch, heißt es von der AfD: Die Wahlwerbung stand auf einer privaten Wiese.

"Unsere Partei ist dies quasi schon gewohnt", stellt die Kandidatin selber fest. Sie habe auch in Radebeul oder Coswig Vandalismus wahrgenommen. Plakate würden beschmiert, zerstört oder ganz einfach abgerissen. Die AfD-Politikerin verweist allerdings auch darauf, dass es dieses Mal auch Plakate und Banner der anderen Parteien betreffe.

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Ein Fall vom Montagmorgen in Großenhain.
Ein Fall vom Montagmorgen in Großenhain. © Grüne-Kreisverband Meißen

Die Grünen etwa haben erst am Montagmorgen ein großflächig beschmiertes Plakat an der Radeburger Straße in Großenhain dokumentiert. "Im Kreis Meißen haben wir etwa 20 bis 25 Prozent zerstörte oder beschädigte Plakate", sagt Volker Herold vom Grünen Laden in Meißen. Das sei bei dieser Wahl schlimmer als bei früheren Wahlen. "Wir haben den Eindruck, dass in manchen Orten gezielt, systematisch und mit einem gewissen Aufwand Plakate zerstört oder entwendet wurden."

Zum Glück halte sich der finanzielle Schaden bei den Straßenplakaten in Grenzen: Weil die einen geringen Stückpreis haben, schätze man für sie bislang einen Schaden von 150 Euro. "Höher ist der Schaden bei den mobilen Großplakaten, die umgeworfen, abgerissen oder beschmiert werden", sagt Volker Herold. Dort allerdings müsse die von der Partei beauftragte Firma die Schäden beheben. Noch habe man eine Plakatreserve und ersetze punktuell Plakate dort, wo besonders große Lücken entstanden sind.

Rund 20 Prozent Einbuße durch Vandalismus an Plakaten schätzt man auch bei der SPD im Kreis Meißen. Das sei unverändert im Vergleich zu früheren Wahlen. Pro A1-Doppelplakat kalkuliere man einen Wert von zehn Euro - da sind allerdings auch Fotoerstellung, Herstellung, Druck und Anbringung inbegriffen. Mittlerweile seien die Reserven an Plakaten knapp, sagt SPD Regionalgeschäftsführer Klaus Hirschnitz.

Während die Kreis-CDU am Montag eine Anfrage unbeantwortet ließ, geht man bei der Partei Die Linke im Kreis Meißen mittlerweile von einer vierstelligen Schadenssumme aus, sagt Kreisgeschäftsführer Daniel Borowitzki. Dabei seien neben den Herstellungskosten für die Plakate auch die Mietkosten für Transporter und die Aufwandsentschädigungszahlungen für Plakatierer berücksichtigt.

Vorfälle gäbe es häufiger im ländlichen Raum, aber auch in Teilen Coswigs, Radebeuls, Riesas und in Meißen-Triebischtal. In zwei Gemeinden seien Linke-Helfer angesprochen worden, dass sie sich den Aufwand der Plakatierung sparen könnten: Man würde die Plakate ohnehin wieder abnehmen. "An den Folgetagen fiel unseren Mitgliedern auf, dass ganze Straßenzüge wieder entplakatisiert wurden", sagt Borowitzki.

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Ganz so schlimm ist es bei der FDP nicht. Zwischen zehn und 20 Prozent der Plakate seien betroffen, schätzt Kreisvorsitzender Maximilian Schikore-Pätz. "Da sind wir schon Schlimmeres gewohnt." Eine Anzeige bei der Polizei spare man sich - die Verfahren würden ohnehin eingestellt, das lohne den Aufwand nicht. Die Linke zeige solche Fälle grundsätzlich an, die SPD dann, wenn Täter auf frischer Tat geschnappt werden. Die Grünen zeigen Vandalismus an, weil er sich in diesem Wahlkampf häufe. Und auch die AfD hält es so. Von der Polizeidirektion heißt es, dass Straftaten angezeigt werden sollten, um verfolgt oder zumindest ausgewertet werden zu können. Zahlen konnte man am Montag noch nicht vorlegen.

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