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Riesa: Was die OB-Wahlplakate verraten

Die bevorstehende OB-Wahl ist sichtbar im Riesaer Stadtbild angekommen. Wie wirkt das auf die potenziellen Wähler?

Zwei Kandidaten, zwei Plakate: Marco Müller (CDU) will Riesaer OB bleiben, Gunnar Hoffmann (parteilos) möchte ihn ablösen. Gewählt wird am 4. Juli.
Zwei Kandidaten, zwei Plakate: Marco Müller (CDU) will Riesaer OB bleiben, Gunnar Hoffmann (parteilos) möchte ihn ablösen. Gewählt wird am 4. Juli. © Eric Weser

Riesa. In Riesa wird der Oberbürgermeister gewählt. Das ist nun, gut drei Wochen vor der Wahl, nicht mehr zu übersehen. Bis in die kleinsten Ortsteile und in die Nebenstraßen hinein haben die Kandidaten ihre Plakate aufgehängt.

Die Köpfe dürften sich die Riesaer mittlerweile gemerkt haben: Sind es mit Marco Müller (CDU) und seinem parteilosen Herausforderer Gunnar Hoffmann doch nur zwei Kandidaten, die am 4. Juli um Stimmen buhlen.

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Amtsinhaber Marco Müller hat seine Plakate von einer Riesaer Agentur gestalten lassen. Dazu kommen auch noch einige große Aufsteller – und Werbematerialien, wie ein umgebauter Pkw-Anhänger. Den hatte er Anfang der Woche bereits wieder abholen und neu bekleben lassen müssen. Schon kurz nach der Aufstellung hatte jemand den Werbehänger beschädigt: Unbekannte hatten Müller groß eine schwarze Mund-Nasen-Maske auf das Gesicht gesprüht. „Das ärgert nicht nur den Handwerker, der dies in aufwendiger Arbeit umgesetzt hat, sondern auch mich, weil ich meine Wahlwerbung selbst finanzieren muss“, sagt Marco Müller.

Gerade erst aufgestellt, schon beschädigt: ein Wahlkampf-Anhänger von Marco Müller, der eine zweite Amtszeit als Riesaer OB anstrebt.
Gerade erst aufgestellt, schon beschädigt: ein Wahlkampf-Anhänger von Marco Müller, der eine zweite Amtszeit als Riesaer OB anstrebt. © Marco Müller

Der CDU-Stadtverband habe ihn beim Plakatieren unterstützt, das Geld für den Wahlkampf stamme aber komplett aus der eigenen Tasche. „Nun muss ja nicht jeder Riesaer hinter mir stehen, aber man sollte auch mir einen fairen Wahlkampf ermöglichen“, sagt Müller.

Herausforderer Gunnar Hoffmann muss als Parteiloser ebenfalls seinen Wahlkampf selbst bezahlen. Beide Kandidaten geben gegenüber sächsische.de an, jeweils mehrere Tausend Euro zu investieren. Im Gespräch sind Summen um die 10.000 Euro - oder sogar noch etwas mehr. Weil er aufs Budget schauen müsse, habe er seine Plakate komplett selbst gestaltet, sagt Gunnar Hoffmann. „Das gilt auch für meine Internetseite“, sagt der Unternehmer. Ihm würde es ohnehin nicht leichtfallen, in der Region Firmen zu finden, die für ihn im Zusammenhang mit dem Wahlkampf Aufträge übernehmen. „Die Gestaltung der Werbematerialien ist bei Marco Müller schon professioneller“, sagt Hoffmann. „Sein Layout gefällt mir.“ Trotzdem sei Hoffmanns Wahlkampf gut angelaufen.

Nachdem darüber berichtet wurde, dass der Herausforderer laut geltender Regelung weniger Plakate aufhängen dürfe, seien viele Riesaer auf ihn zugekommen. „Ich wurde immer wieder nach Plakaten gefragt, die sich jemand an den Zaun hängen wollte.“ Auf Privatgrundstücken gilt die Plakat-Obergrenze nämlich nicht.

Mit Beschädigungen hat der Herausforderer noch nicht zu tun. „Ich hätte kein Problem mit ‚Verzierungen‘“, sagt der Herausforderer. „Aber bitte erst nach der Wahl!“ Drei Tage dürften die Plakate nach dem Wahlsonntag hängen bleiben. Hoffmann könnte sich gar einen Wettbewerb um die originellste Verzierung vorstellen.

Ulrike Lerchl ist Diplom-Designerin und Geschäftsführerin der Dresdner Kommunikationsagentur Oberüber Karger. Für sächsische.de bewertet sie die Erscheinung der Riesaer Wahlplakate.
Ulrike Lerchl ist Diplom-Designerin und Geschäftsführerin der Dresdner Kommunikationsagentur Oberüber Karger. Für sächsische.de bewertet sie die Erscheinung der Riesaer Wahlplakate. © DDV Mediengruppe

Aber wie wirken die Wahlplakate eigentlich auf den Betrachter? Die SZ hat dazu eine Marketing-Expertin befragt: Ulrike Lerchl, Geschäftsführerin der Dresdner Agentur Oberüber Karger. Die Agentur gehört zur DDV-Mediengruppe, in der auch die Sächsische Zeitung erscheint.

Marco Müller ist seit 2014 OB von Riesa. Damals erreichte das CDU-Mitglied 57,1 Prozent der Stimmen. Seine Herausforderin, Uta Knebel von der Linken, kam auf 42,9 Prozent.
Marco Müller ist seit 2014 OB von Riesa. Damals erreichte das CDU-Mitglied 57,1 Prozent der Stimmen. Seine Herausforderin, Uta Knebel von der Linken, kam auf 42,9 Prozent. © Eric Weser

Die Botschaft: Am 4. Juli Marco Müller. Was? Man kann zwar davon ausgehen, dass alle Riesaer wissen, dass am 4. Juli Bürgermeisterwahl ist und Müller im Amt bestätigt werden möchte, besser wäre es aber, das klarer zu kommunizieren. „Unser Riesa. Mein Antrieb.“ Ist seine Form des „Läuft mit mir ja ganz gut, weiter so.“ Nicht unbedingt risikofreudig, aber genau das soll die Botschaft ja auch sein.

Das Foto: Sympathisches Lächeln, gut und leger gekleidet. Kommt bürgernah rüber. Schöner wäre, wenn man den Hintergrund der Stadt Riesa zuordnen könnte, um visuelle Assoziation zwischen Kandidat und Stadt aufzubauen.

Das Design: Zufall? Absicht? Farblich steht der Kandidat der AfD näher als der Partei, für die er ins Rennen geht. Da wird die CDU ganz blass und verschämt rechts unten in der Ecke versteckt, als hätte der Kandidat was zu verbergen. Selbst die geschwungene Form des Hakens erinnert an das AfD-Logo. Aber vielleicht mag der Marco Müller auch einfach Blau.

Die Wirkung: Marco Müller setzt darauf, dass man ihn als Amtsinhaber kennt und ein „Weiter so“ ausreicht, um bestätigt zu werden. Er ist ein solider, klassischer Kandidat, der sich vor allem an all jene wendet, die grundsätzlich für Veränderungen sind, aber dabei kein allzu großes Risiko eingehen wollen, dass sie von diesen Veränderungen persönlich betroffen sind. Farblich lässt er wenig Zweifel, die Sympathisanten welcher Partei er ins Boot holen möchte.

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Gunnar Hoffmann tritt erstmals als OB-Kandiat an. Der Parteilose war 2019 in den Stadtrat gewählt worden. Der Riesaer arbeitet als Geschäftsführer in Dresden.
Gunnar Hoffmann tritt erstmals als OB-Kandiat an. Der Parteilose war 2019 in den Stadtrat gewählt worden. Der Riesaer arbeitet als Geschäftsführer in Dresden. © Lutz Weidler

Die Botschaft: Es wird klar, dass Gunnar Hofmann am 4. Juli Oberbürgermeister werden möchte. Allerdings nicht auf den ersten Blick. Dafür steht zu viel Text auf dem Plakat. Er möchte als kumpelhafter Anpacker aus der Nachbarschaft rüberkommen, der große Pläne hat. Kann sich aber nicht auf eine Kernbotschaft festlegen. Es hätte auch ein Wahlkampf-Claim („Mit Weitsicht und Ideen.“ oder „Menschlich. Mutig. Möglich!“ oder „parteilos und unabhängig“) getan.

Das Foto: Hand in der Tasche, Daumen draußen zeugt von Lockerheit und Selbstbewusstsein. Riesa ist für den ortskundigen Wähler im Hintergrund zu erkennen. Das ist gut. Dadurch hätte es die Chance gegeben, auf mindestens ein „für Riesa“ im Text zu verzichten.

Das Design: Wirkt durch die viele Schrift, die verschiedenen Schriftblöcke (zentriert, linksbündig, rechtsbündig), die eingeklinkte orange Blase und das rote Wahlkreuz sehr unruhig. Name ist auf den ersten Blick erkennbar. Für den Textreichtum auf dem Plakat muss der interessierte Wähler aber schon stehenbleiben und sich in die Lektüre vertiefen.

Die Wirkung: Er hat Ideen für Riesa. Stellt sich als nahbar und visionär dar. „Einer von uns, der sich aber auch mal was traut.“ Bei der Vielzahl von Schlagworten und Slogans entsteht aber auch der Eindruck, dass er kein Typ ist, der nicht viele Worte verliert, und er sich nur schwer entscheiden kann: weder für eine Partei (was in der heutigen Zeit eher ein Vorteil ist) noch für eine klare Botschaft.

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