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Seit 20 Jahren das Gesicht von Riesa

Uwe Päsler hat als Rathaus-Sprecher schon drei OBs begleitet. Dabei hatte er eigentlich ganz andere Pläne – in Großenhain.

Von Christoph Scharf
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Uwe Päsler hat Lehramt studiert, bevor er in den Journalismus wechselte. Dann holte ihn Wolfram Köhler ins Riesaer Rathaus.
Uwe Päsler hat Lehramt studiert, bevor er in den Journalismus wechselte. Dann holte ihn Wolfram Köhler ins Riesaer Rathaus. © LKW

Riesa. Der MDR braucht ein Interview. Radio PSR ein Statement. Und natürlich immer wieder die Sächsische Zeitung: Wenn es Riesas Oberbürgermeister nicht selbst macht, muss Rathaus-Sprecher Uwe Päsler ran. Seit 20 Jahren ist er quasi das Gesicht von Riesa, eine ungewöhnlich lange Spanne für einen städtischen Pressesprecher. Drei OBs hat er mittlerweile schon begleitet, sechs Chefs der Stadt-Tochter FVG, fünf SZ-Lokalchefs.

"Mich hat damals Wolfram Köhler gefragt, ob ich sein Pressesprecher werden möchte – wenn er die OB-Wahl gewinnt", erinnert sich der 56-Jährige. Päsler sagte zu – und wechselte damit die Seite: Zuvor hatte er bei Riesa TV gearbeitet und bei verschiedenen Wochenblättern, in Großenhain, Riesa, Döbeln. Damit war er Riesas erster Pressesprecher, zuvor musste das OB-Amt seine Themen mit abarbeiten.

Sein typischer Arbeitstag beginnt morgens mit der Medienschau: Womit hat es die Stadtverwaltung in die Medien geschafft? Dann schaut er sich an, was in die Öffentlichkeit sollte: anstehende Baumaßnahmen etwa oder Stadtratsbeschlüsse. "Ziel ist es, die Arbeit der Verwaltung nach außen verständlich darzustellen." Bau und Bildung seien dabei die wichtigsten Themen.

Mit dem "Riesaer" erstellt Päsler das städtische Amtsblatt. Und er schreibt Reden – für den OB, dessen Vorgängerin, die Finanzbürgermeisterin. Schließlich gibt es in normalen Zeiten regelmäßig Ausstellungseröffnungen im Museum, sind Grußworte bei Vereinen zu halten, zur Einweihung von Bauprojekten, dem Jubiläum der Selbsthilfegruppe. Das letzte Wort hat natürlich immer der, der die Rede hält. "Aber ich gebe mir schon viel Mühe damit." Zweimal derselbe Text, etwa zur jährlichen Ehrung von Blutspendern? Das gibt es bei Uwe Päsler nicht. Auch wenn das schon mal jemand vorgeschlagen habe.

Aber es gibt auch die einmaligen Höhepunkte: Für den Rathaus-Sprecher war es der Besuch von Muhammad Ali im Sommer 2002. "Der Mensch war ein Erlebnis." Riesa hatte viel Geld in die Hand in die Hand genommen, um den Jahrhundertboxer in die Stadt zu holen. Aber es zahlte sich aus: "Wir hatten 252 Medien-Akkreditierungen, so viel wie nie zuvor und nie danach." Obwohl er gesundheitlich längst nicht mehr auf der Höhe war, sei Muhammad Ali auf jeden Fan eingegangen, habe sich über die Geschenke von Kindern gefreut und geduldig auch noch das 48. Autogramm gegeben.

Das Kontrastprogramm kam zwei Monate später – das Jahrhunderthochwasser 2002. "2013 wussten wir immerhin schon ein bisschen, wo es langgeht, aber 2002 waren die Leute schon sehr überrascht." Ohne Whatsapp und Facebook waren die Einwohner damals hauptsächlich durch Auftritte vor Ort zu informieren. Auf riesa.de gab es damals zwar tägliche Hochwasser-Informationen. Aber wer hatte damals schon Internet?

Uwe Päsler im Jahr 2005 als Riesaer Pressesprecher. Da hatte er sein Amt schon vier Jahre inne.
Uwe Päsler im Jahr 2005 als Riesaer Pressesprecher. Da hatte er sein Amt schon vier Jahre inne. © Alexander Schröter (Archiv)

Und dann war da natürlich noch die Riesaer Olympiabewerbung, die gemeinsam mit Leipzig auf die Beine gestellt worden war. Und die ganzen sportlichen Großereignisse – Handball-Länderspiele, die Kurzbahn-Schwimm-EM. "Mit Hilfe des Freistaats ging damals einiges. Das hätte Riesa allein nie stemmen können", erinnert sich Päsler. Heute habe sich Riesa auf Nischen wie Cheerleading oder Aerobic konzentriert. Auch das verfolgt Sport-Fan Päsler mit Interesse.

Ob Dynamo oder Stahl Riesa – privat schaut er gern Fußball, bei den Handballerinnen der Elbehexen war er jahrelang Hallensprecher. Selbst geht er gern wandern, in der Sächsischen Schweiz oder den Alpen. Beruflich hätte alles auch ganz anders kommen können: Der aus Schwarzheide/Brandenburg stammende Päsler hatte eigentlich Lehrer werden wollen. Nach dem Wehrdienst bei der NVA studierte er Lehramt. Kurz nach der Wende fing er ein Referendariat in einer Großenhainer Oberschule an. "Aber dann bin ich zum Journalismus gewechselt, da wollte ich eigentlich schon immer hin."

Jetzt ist der Riesaer in einem "Spannungsfeld" gelandet – zwischen der ständig neugierigen Presse und der Verwaltung, die schon aus Datenschutzgründen nicht jedes Detail in der Öffentlichkeit sehen möchte. Und macht das Spaß? "20 Jahre lang die Stadtentwicklung zu begleiten, das ist schon schön!" Man vergesse viel zu schnell, was alles geworden sei in den Jahren - die Klostersanierung, die Schlossbrücke, die Schulen, das Museum. Und langweilig wird es auch künftig nicht – dafür sorgen schon die ganzen Presseanfragen.