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So haben die Schüler im Landkreis Meißen gewählt

An 23 Schulen in der Region gingen die Schüler an die Wahlurne. Das Ergebnis unterscheidet sich deutlich von dem der Bundestagswahl.

Wahllokal im Klassenzimmer: An 23 Schulen im Landkreis Meißen simulierten die Schüler die Bundestagswahl - hier am Werner-Heisenberg-Gymnasium.
Wahllokal im Klassenzimmer: An 23 Schulen im Landkreis Meißen simulierten die Schüler die Bundestagswahl - hier am Werner-Heisenberg-Gymnasium. © WHG/P. Pfennig

Riesa. Der Osten wählt liberal. Fast alle Wahlkreise in den neuen Bundesländern sind nach der Bundestagswahl gelb eingefärbt - und im Kreis Meißen erreicht die FDP 19,5 Prozent der Stimmen, noch vor den Grünen. Deren Spitzenkandidatin Katrin Beese holt allerdings das Direktmandat.

Oder besser: Sie hätte es geholt. Denn was sich Liberaldemokraten und Grüne vor der Wahl wohl nicht einmal zu träumen gewagt hatten, ist das Ergebnis der Juniorwahlen im Landkreis Meißen.

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Insgesamt 23 Schulen aus der Region nahmen an den simulierten Wahlen teil - darunter auch das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa. Im Vorfeld hatten die Schüler die Wahlprogramme besprochen, verglichen - und diskutiert, was ihnen eigentlich wichtig ist. "Ganz oben standen Umwelt- und Klimapolitik, Bildung und Digitalisierung sowie Migrationsthemen", sagt Peter Pfennig, der an der Schule Gemeinschaftskunde, Recht und Wirtschaft (GRW) unterrichtet. Auch der Wahl-O-Mat sei da noch einmal zurate gezogen worden, um später die Wahlentscheidung zu erleichtern.

Im Lauf der Woche ging es dann an die Wahlurnen - jedenfalls für die Schüler ab Klassenstufe 9. "Davor wird GRW nur mit einer Stunde in der Woche unterrichtet", sagt Peter Pfennig. Da wäre das Projekt nicht sinnvoll.

Die Juniorwahlen gibt es seit 1999, initiiert werden sie zu Landtags-, Bundestags-, und Europawahlen. Träger ist der gemeinnützige Verein Kumulus aus Berlin. Während die Wahlergebnisse auf den ersten Blick eine nette Gedankenspielerei sind, stellen die Initiatoren vor allem das heraus, was im Vorfeld passiert: Politisches Wissen soll gefördert, Diskussionen angeregt werden. Dafür bekommen die Schüler auch denselben Wahlzettel in die Hand, wie ihn die Erwachsenen in der Wahlkabine ankreuzen.

Bunte Wahltorte am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa: Die SPD schnitt am besten ab, gefolgt von FDP und Linke.
Bunte Wahltorte am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa: Die SPD schnitt am besten ab, gefolgt von FDP und Linke. © WHG Riesa

Die Ergebnisse am Werner-Heisenberg-Gymnasium fielen übrigens ein wenig anders aus, als kreisweit. Von den 193 Wählern stimmten 16,7 Prozent für die SPD, dahinter folgen FDP (16,1) und Linke (15,1). Die CDU landet abgeschlagen hinter Grünen (13) und AfD (12,5). Beim Direktmandat ging es im Wahllokal in Riesa-Gröba eng zu: Sowohl Stephanie Dzeyk (SPD) als auch Markus Pohle (Linke) erreichten 35 Prozent der Stimmen.

Der "Linksrutsch" habe ihn schon überrascht, sagt Peter Pfennig. "Ich hätte gedacht, dass die Grünen deutlich besser abschneiden bei den Jugendlichen." Eine mögliche Erklärung: Mit 16, 17 Jahren stehe bei vielen Schülern der Führerschein ins Haus. Da seien Benzinpreise und Tempolimits wichtiger als bei den Jüngeren. Die starken FDP-Ergebnisse wiederum führt Pfennig darauf zurück, dass die Partei wenig verbiete. Das ist den jungen Menschen offenbar wichtig.

Eine Auswertung der Juniorwahl soll es laut Peter Pfennig im Unterricht auch noch geben. Neben dem Vergleich mit dem Ergebnis der echten Bundestagswahl stehen dann noch mal Diskussionen an - etwa über die Herabsenkung des Wahlalters auf 16.

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