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Hausbesuch bei Marco Müller

Marco Müller will am 4. Juli sein Amt verteidigen. Kraft fürs Amt tankt er an der Tischtennisplatte.

Abschalten an der Tischtennisplatte: Riesas amtierender Oberbürgermeister Marco Müller mit Sohn Arthur und Ehefrau Kathleen Kunze.
Abschalten an der Tischtennisplatte: Riesas amtierender Oberbürgermeister Marco Müller mit Sohn Arthur und Ehefrau Kathleen Kunze. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Abschenken kommt nicht infrage. Wenn sich Marco Müller und sein Sohn Arthur ein Tischtennisduell liefern, schaltet keiner der beiden einen Gang zurück. Der Ball fliegt scharf auf der Platte hin und her, die vor dem Haus am Riesaer Stadtrand aufgebaut ist.

Die Tischtennisspiele von Vater und Sohn gibt es seit einigen Jahren. Nachdem Fußball für ihn uninteressant wurde, ging Arthur zum SC Riesa. Seit zwei Jahren geht der heute Zwölfjährige regelmäßig zum Training. "Seine Technik ist viel besser als meine", lobt Marco Müller. Dass der Vater trotzdem noch die meisten Duelle für sich entscheidet, sei vor allem ein mentales Problem: "Er will es manchmal zu sehr, wird ungeduldig."

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Ein wenig dürfte das dem amtierenden Riesaer Oberbürgermeister vielleicht bekannt vorkommen. Vor sieben Jahren war Müller ins Amt gewählt worden. Und wenn er in dieser Zeit etwas lernen musste, dann war das Geduld, sagt Müller. Von den "ganzen Klippen, die man umschiffen muss", habe er zwar eine gewisse Ahnung gehabt - schließlich saß Müller schon zuvor für die CDU im Stadtrat und war dort auch Fraktionschef. Aber wie kompliziert und langwierig mancher Prozess tatsächlich sei, das wurde ihm erst mit der Zeit bewusst. Für die Oberschule Am Merzdorfer Park hätte auch er gern viel schneller eine Lösung gehabt, macht Müller deutlich.

Arbeitsteilung im Garten - und bei den Hausaufgaben

Schon vor sieben Jahren hatte Müller die SZ zum Hausbesuch empfangen - nun also eine weiteres Mal. Nach dem Foto an der Tischtennisplatte geht es zurück an die Kaffeetafel. Müllers Frau Kathleen Kunze hat im Garten Erdbeertorte serviert. Arthur muss gleich zum Tischtennistraining, Kater Kalle streunt durch den Garten. Es ist Freitagnachmittag, kurz nach 16 Uhr. So früh ist er sonst selten daheim, sagt Marco Müller und dekliniert die Termine fürs Wochenende durch: Zur offiziellen Freibad-Eröffnung wird der Oberbürgermeister in Weida erwartet, anschließend sei noch ein Treffen mit einer Bürgerin geplant. Danach: Wochenende, ohne berufliche Unterbrechung. Das sei relativ selten, sagt Kathleen Kunze.

Auch für die Kinderärztin sind lange Arbeitstage keine Seltenheit. Gemeinsam frühstückt das Paar am zeitigen Morgen, danach geht jeder erst einmal seiner Wege: sie in die Praxis am Kalkberg, er ins Rathaus. Der Terminplan des Oberbürgermeisters kenne zwar keinen fest geregelten Feierabend, sagt Marco Müller. "Aber ich versuche schon, zum Abendessen daheim zu sein." Auch, wenn danach noch ein Termin ansteht. Da seien auch die kurzen Wege in Riesa von Vorteil. Die freien Tage verbringt die Familie dann beispielsweise mit kleinen Radtouren, Grillabenden mit Freunden oder gemeinsamem Kochen. Und mit Gartenarbeit auf dem Grundstück. Wobei die verantwortungsvolleren Gärtner-Aufgaben überwiegend seiner Frau zukommen, sagt Müller und lächelt. "So richtig den grünen Daumen habe ich nicht, ich freue mich aber trotzdem über die blühenden Pflanzen."

Arbeitsteilung herrschte auch in der Corona-Zeit, wenn es an Arthurs Hausaufgaben ging. Bei Deutsch und Englisch sei er gefragt gewesen, sagt Marco Müller. "Ich muss aber sagen, gerade Naturwissenschaften: Da muss man sich schon selbst erstmal wieder reindenken. Meine Frau hat da eher den Nerv, sich noch mal damit zu beschäftigen." In der Zeit sei es natürlich auch ein großer Luxus gewesen, dass die Großeltern vor Ort sind.

"Er ist ein Teammensch"

Die Großeltern waren auch ein Grund dafür, dass Müller und seine Frau an ihren Geburtsort zurückgekehrt sind. Er, Jahrgang 1975, wuchs in Weida auf: eine Dreiraumwohnung im Erdgeschoss eines Wohnblocks in der Erfurter Straße 4c. "Da, wo sich heute das Wohngebiet befindet", erzählt Marco Müller und lächelt. Er erzählt von Discoabenden auf dem Land, von der S 51 Comfort, die er als Jugendlicher fuhr. Aus der Zeit sei bis heute eine gewisse Begeisterung für den Motorsport geblieben.

Das Jura-Studium verbrachte er später in Leipzig und Heidelberg. Mit seiner heutigen Frau war er da schon längst zusammen. "In Heidelberg haben wir zusammen gewohnt, in einer Einzimmerwohnung mit Wohnküche", erinnert er sich. Die Entscheidung zur Rückkehr trafen die beiden aus verschiedenen Gründen: Verbundenheit zur Heimat, die schon erwähnte Nähe zu den Eltern - auch die berufliche Perspektive; schließlich wusste Kathleen Kunze, dass sie in der elterlichen Praxis arbeiten wollte.

Ihr Mann war zunächst noch eine Zeit lang für eine Chemnitzer Kanzlei tätig; erst in der Großstadt, dann mit einer Außenstelle in Riesa. "Aber Alleinkämpfer zu sein, das tut ihm nicht gut", sagt seine Frau. "Er ist ein Teammensch." Deshalb wechselte Müller schließlich zur Kanzlei BSKP, wo er wieder unter Kollegen war. In den Stadtrat war Müller da schon eingetreten, 2009 war das. "Damals war ich einer der Jüngsten dort."

Aus der Arbeit in der Anwaltskanzlei hat Marco Müller auch manche Eigenschaft mitgenommen, die er als Oberbürgermeister braucht. "Man benötigt ein dickes Fell, das muss man wissen, wenn man den Job macht." Da habe ihm sicher geholfen, dass er aus Gerichtsverhandlungen schon die Konfrontation gewohnt war, wie es sie im Stadtrat öfter gibt. Juristische Vorbildung schade auch grundsätzlich nicht, um in einer Verwaltung zurechtzukommen.

Die Arbeit versucht Müller, nicht allzu sehr in den Familienalltag zu tragen. "Natürlich reden wir über manche Sachen", sagt Müller. Er und seine Frau teilten in etwa die gleiche wertkonservative Einstellung. Aber grundsätzlich versuche er, daheim runterzufahren. Die Tischtennisduelle sind da eine Möglichkeit, den Kopf freizubekommen.

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Die Entscheidung, erneut anzutreten, sei ihm nicht schwergefallen, erklärt Marco Müller. Er habe einige Dinge angeschoben, die er weiter begleiten will. Auch, wenn es dafür oft lautere Kritik als Zuspruch gibt. "Es sagt einem selten jemand: Das haben Sie gut hingekriegt. Ich würde mir wünschen, dass nicht immer das Haar in der Suppe gesucht wird - auch für die Mitarbeiter im Rathaus." Wenn Kathleen Kunze manchmal am Frühstückstisch Zeitung liest, dann rege sie sich auch öfter darüber auf, wie heftig ihr Mann manchmal angegriffen wird, sagt sie. Umso schöner, wenn die Dinge gelingen, sagt Müller und erzählt: Gerade erst habe sich bei ihm eine Frau aus Riesa geradezu überschwänglich für den neuen Bürgerpark bedankt. "Das tut schon gut."

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