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"Zeithain hat viel vergebenes Potenzial"

Als Spezialist für Wirtschaft und Bildung ist Mirko Pollmer viel herumgekommen. Am 18. April tritt der Promnitzer für die BIG Zeithain als Bürgermeister-Kandidat an.

Mirko Pollmer am Elbdeich bei Promnitz. Hier ist seine Heimat. Hier möchte er sich als Bürgermeister einbringen.
Mirko Pollmer am Elbdeich bei Promnitz. Hier ist seine Heimat. Hier möchte er sich als Bürgermeister einbringen. © Kristin Richter

Zeithain. Eines hat Mirko Pollmer schon feststellen müssen. Wer sich für das Zeithainer Bürgermeisteramt bewirbt, über den wird gesprochen. Manches ist zutreffend, manches Blödsinn.

"Es gibt Leute, die behaupten, ich sei ein Grüner", erzählt er. Nur weil der 43-Jährige die Weide vorm Haus in den Himmel wachsen lässt und auch die Wiese im Sommer nicht jede Woche mäht, müsse er kein Umwelt-Freak sein. "Vielleicht bin ich es ja auch ein bisschen", gibt er zu. Was sei daran schlecht, den Insekten die Chance auf ein paar Blüten zu lassen?

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Er erfreut sich an der Buntspecht-Dame, die seit Kurzem die Weide für sich entdeckt hat. "Pass nur auf, die macht dir deine Bäume kaputt!", habe ihn jemand gewarnt. Mirko Pollmer kann nur darüber schmunzeln. Es sei doch toll, wenn sich Vögel im Garten zu Hause fühlen.

Seit 1979 in Promnitz

Andere sagen, er sei ein Fichtenberger. Dabei stammt lediglich sein Vater von dort. Tatsache ist, dass er zwar in Leipzig, wo seine Mutter studierte, im Juli 1977 geboren wurde. Doch bereits zwei Monate später zog die junge Familie nach Zeithain um, wo Annette Pollmer nach dem Studium ihre erste Arbeitsstelle in der Tierproduktion der LPG erhielt.

Seit 1979 wohnen die Pollmers in Promnitz hinterm Elbdamm, in einem kleinen Häuschen, das einst schlesische Umsiedler erbaut hatten. In den 1950er-Jahren hatte niemand geglaubt, dass die Elbe jemals über den Damm schwappt und die Häuser im "Unterdorf" überflutet. Das hat Mirko Pollmer zweimal miterlebt. Erst 2002 und später 2013 noch einmal. Er weiß, wie es sich anfühlt, nicht den Mut zu verlieren und von vorn anzufangen.

Berufliche Neuanfänge gab es für ihn immer wieder. "Aber nicht, weil ich etwa ein unsteter Mensch wäre", will Pollmer dem nächsten Vorurteil zuvorkommen. Nein, im Gegenteil. Er sei den Themen seiner Uni-Ausbildung stets treu geblieben und habe, wenn sich vor ihm eine neue Tür öffnete, die Chance genutzt, sich beruflich zu verändern.

Viel rumgekommen und viel erreicht

An der Universität Leipzig studierte er Wirtschaftspädagogik, arbeitete dort anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter und schrieb seine Doktorarbeit über die Anwendung neuer Medien in der Bildung. Danach arbeitete er für den Bundesverband Deutscher Energiewirtschaft, für einen Leipziger Gas- und Stromhändler und für einen IT-Dienstleister in der Messestadt. Immer waren seine speziellen Kenntnisse in Sachen Wirtschaft, Internet und Bildung gefragt.

Von 2015 bis 2019 war er Referatsleiter beim Zentralverband des Deutschen Handwerks in Berlin. "Doch die meiste Zeit davon war ich in Bonn", erzählt er. "Als Junggeselle hätte ich das noch hundert Jahre weiter gemacht." Denn die Arbeit war interessant. Immerhin wirkte er an der Wiederbelebung des Berufsabiturs nach ostdeutschem Vorbild mit.

Doch zu Hause war Ehefrau Uta die meiste Zeit mit den vier Kindern allein. Das hat sich kaum geändert, seitdem er im Kultusministerium Potsdam die Lehrinhalte für den kaufmännischen Beruf vorbereitet. Von daher wäre die berufliche Rückkehr in die Heimat für ihn ein Gewinn, auch wenn das Gehalt eines Bürgermeisters geringer ausfällt. "Meine Familie wäre es mir wert", sagt er.

Schöner Nebeneffekt

Dass er als Zeithainer Bürgermeister weniger Zeit für die Familie hat, befürchtet er nicht. "Allein die Fahrt zur Schule mit meinem Kindern nach Zeithain wäre wertvolle, gemeinsame Zeit", sagt er und betont, dass das zwar ein schöner Nebeneffekt, aber nicht der Hauptgrund seiner Kandidatur sei.

Er habe sich schon immer darüber geärgert, dass die Gemeinde Zeithain nicht ihre Potenziale nutzt. Er bedauert sehr, dass hiesige Firmen die Gemeinde verlassen haben und nun in Riesa und im benachbarten Glaubitz Gewerbesteuern zahlen. "Und auch ältere Menschen müssen nicht unbedingt in Riesaer Seniorenheime umziehen, wenn man ihnen in Zeithain Angebote schaffen kann, damit sie bleiben", sagt Pollmer.

Seit September 2020 gehört er zur BIG Zeithain, die ihn jetzt ins Rennen um das hiesige Bürgermeisteramt geschickt hat. Einige Mitglieder hätten ihn angesprochen, ob er nicht ihr Kandidat sein möchte. Und auch manch Promnitzer hat Gefallen an der Vorstellung, dass der künftige Zeithainer Rathauschef aus dem kleinen Ort an der Elbe kommt.

Sicherlich wäre Mirko Pollmer mit seiner Vita auch für manche Partei interessant gewesen. "Aber mir hat die Diskussionskultur in der BIG gefallen", sagt er. Deshalb trete er gern für die Freien Wähler an. Auf eine große politische Laufbahn habe er es eh nicht abgesehen. "Mit der BIG ist karrieretechnisch Schluss", sagt er und fügt in Anspielung eines früheren Berliner Oberbürgermeisters lachend hinzu: "Und das ist gut so!"

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