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Restaurator Gunter Preuß hält eine Wiedereinweihung von Schloss Promnitz zum 300-jährigen Jubiläum des Zeithainer Lagers im Jahr 2030 für realistisch.

Der gebürtige Dresdner Gunter Preuß leitet die Restaurationsarbeiten am Schloss Promnitz.
Der gebürtige Dresdner Gunter Preuß leitet die Restaurationsarbeiten am Schloss Promnitz. © Fotos: Eric Weser, KD Brühl, Montage SZ

Herr Preuß, was machen Sie momentan am Schloss Promnitz?

Wir sichern hier alte Putze. Zum Teil sind es noch Renaissance-Putze und darüber eine Schicht von 1730, als das Schloss für das Zeithainer Lager als Veranstaltungsplatz genutzt wurde. Hier findet man historische Putze, die reich gegliedert sind. Da findet man Trauben, Ranken, Helme und Schwerter, die zum Teil zwölf bis 14 Zentimeter dick herausgearbeitet wurden, und aus dieser Zeit stammen.

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Was ist das Besondere an diesen Putzen?

Es gibt in Sachsen fast keine historischen Außenputze mehr. Im Krieg ist in Dresden vieles kaputtgegangen, was man bis dahin noch als Außenstuckaturen hatte. Und nach dem Krieg wurden die Putze an Schlössern wie in Zabeltitz und Moritzburg erneuert. Hier in Promnitz sind sie im Unterschied zu vielen anderen alten Herrenhäusern noch sehr reich ausgeformt. Sie sind aber in einem sehr schlechten Zustand und werden jetzt konserviert.

Woran liegt es, dass die historischen Putze hier erhalten geblieben sind?

Das liegt sicherlich zu aller erst am Pflegestau, weil man bisher wenig am Promnitzer Schloss getan hat. Das war in diesem Fall für den materiellen Bestand ein großes Glück.

Also kann man sagen: Weil hundert Jahre hier nichts gemacht worden ist, ist noch relativ viel erhalten.

Ja, das ist so. Man kann es mit dem Zahnarzt vergleichen. Wenn Sie ihre Zähne abschleifen lassen, um Kronen und Brücken draufzusetzen, haben Sie nicht mehr viel vom Original. Hier in Promnitz ist noch einiges vom Originalputz erhalten, auch wenn das Schloss in seiner Gesamtheit einen eher bedauerlichen Eindruck macht.

Wie unterscheiden sich die Putze von damals zu den heutigen Putzen?

In modernen Putzen ist oft Zement drin. Den gab es damals noch nicht, sondern nur Kalkputze mit verschiedenen Zusätzen, wie zum Beispiel Holzkohle, die unterschiedliche Wirkung haben.

Warum Holzkohle?

Die Holzkohle liefert Kohlenstoff, damit der Kalkputz fest wird.

Aha, der Zement von früher war also Holzkohle.

Ganz so einfach ist es nicht. Zemente gab es durch die Zugabe von Aschen schon in der Antike. Damals wussten die Leute nicht, warum es funktioniert. Sie haben nur gewusst, dass der Putz besonders fest wird, wenn man etwas dazugibt. Bei uns hat man dafür Kalk genommen. Aber Kalkputz lässt sich nur in bestimmten Dicken auftragen, ansonsten reißt er. Wenn man aber etwas plastisch formen will, also Figuren oder Kapitelle wie in Promnitz, dann braucht man Zusätze wie Holzkohle, damit der Putz fest wird.

Gibt es überhaupt noch Firmen, die solche historischen Putze herstellen können?

Nicht sehr viele. Die Flächen am Promnitzer Schloss macht die Firma Voigtländer aus Oschatz. Sie arbeitet bereits seit den 1970er Jahren vorwiegend im Denkmalbereich und hat erfahrene Putzer, die mit diesem Wissen umgehen und arbeiten können. Ich habe zudem in Promnitz einen Stuckateur, der in Süddeutschland gelernt hat und sein Handwerk aus dem Effeff kennt. Er hat an vielen Baudenkmalen in Süddeutschland, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen mitgearbeitet.

Die Südfassade am Promnitzer Schloss ist in den letzten Wochen ausgebessert worden. Soll sie bis zum Winteranfang noch geputzt werden?

Na klar. Wenn kein Frost kommt, ist es jetzt ein absolut günstiges Wetter, weil der Putz langsam austrocknen kann - und das ist sehr gut.

Wie groß ist aus Ihrer Sicht der historische Wert von Schloss Promnitz?

Der ist sehr groß, auch wenn er zurzeit noch unterschätzt ist. Kunsthistorisch kann Promnitz sicherlich nicht mit dem Dresdner Schloss mithalten. Aber durch die Nutzung im Rahmen des Zeithainer Lagers spielt Promnitz für die sächsische Landesgeschichte und die Geschichte der Fürstenhöfe eine ganz große Rolle. Es könnte durchaus ein Ort werden, wo man eine Landesausstellung machen könnte.

Halten Sie es für möglich, dass Schloss Promnitz in zehn Jahren, wenn sich das Zeithainer Lager zum 300. Mal jährt, fertig ist?

Ich halte das durchaus für möglich. Wenn der Freistaat Sachsen sich dafür ausspricht, dort 2030 eine Landesausstellung durchzuführen, dann kann viel passieren. Aber dazu müsste der Verein, der sich hier engagiert, Verbündete in der Landespolitik suchen und einiges mehr machen, als nur den Verfall des Schlosses abzuwenden.

Das Gespräch führte Jörg Richter.

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