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"Promnitz soll kein Disney-Schloss werden"

So will die Familie von Wolffersdorff die Sanierung des Promnitzer Schlosses in diesem Jahr weiter voranbringen.

Wolf-Nicol von Wolffersdorff, seine Mutter Marianne von Wolffersdorff und der Weinböhlaer Maler Steffen Gröbner besprechen auf dem Sofa im Musiksalon Zeichnungen für einen Promnitzer Kalender.
Wolf-Nicol von Wolffersdorff, seine Mutter Marianne von Wolffersdorff und der Weinböhlaer Maler Steffen Gröbner besprechen auf dem Sofa im Musiksalon Zeichnungen für einen Promnitzer Kalender. © Klaus Dieter Brühl

Promnitz. Nachts sind alle Katzen grau. Und ein Schloss, das am Tag sehr sanierungsbedürftig aussieht, kann in der Dunkelheit sogar schöner wirken als es tatsächlich ist - wenn es nur richtig beleuchtet wird. Das haben sich auch die Besitzer von Schloss Promnitz gedacht.

Seit einiger Zeit leuchten die Fenster der Südfassade, sobald die Sonne untergeht, bis Mitternacht und verkünden den Eindruck, dass der ehemalige Herrschaftssitz der Familie von Wolffersdorff mit Leben erfüllt ist. So wie vor 300 Jahren, als das einstige Rittergut zum Barockschloss umgebaut wurde.

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"Wir haben in die Fenster LED-Lampen gestellt. Die sind sparsam und kosten kaum Stromgeld", sagt Wolf-Nicol von Wolffersdorff. Er fügt lächelnd hinzu: "Es ist der gleiche Effekt wie beim Aschenbrödel-Schloss in Moritzburg."

Der 52-Jährige weiß sehr wohl, dass es noch ein sehr langer Weg ist, bis sich Promnitz mit dem Glanz des weltberühmten Märchenschlosses messen kann. Denn es liegt noch viel Arbeit vor der ehemaligen sächsischen Adelsfamilie, die bis nach Amerika weit verstreut ist.

In diesem Lichterspiel mit der Elbe präsentiert sich das Promnitzer Schloss seit einiger Zeit am Abend.
In diesem Lichterspiel mit der Elbe präsentiert sich das Promnitzer Schloss seit einiger Zeit am Abend. © Eric Weser

Der Familienzweig, zu dem Wolf-Nicol von Wolffersdorff gehört, hat eine gemeinnützige Verwaltungsgesellschaft gegründet, um das Promnitzer Schloss bis 2030 in etwa so wieder herzurichten, dass darin das 300. Jubiläum des Zeithainer Lustlagers gefeiert werden kann. Das fand hier am 26. Juni 1730 mit einer rauschenden Ballnacht samt Feuerwerk seinen Höhepunkt.

Ein Vorfahre, der sächsische Generalmajor Friedrich Albrecht von Wolffersdorff, hatte es im Auftrag von August dem Starken 1728 gekauft und in nur zwei Jahren zum Barockschloss umbauen lassen. Und das nur, damit es für eine einzige Nacht als Kulisse des Abschlussfestes des gut einmonatigen Manövers und Lustlagers diente.

"Die alte Pracht des Schlosses im vollem Umfang wieder herzustellen, wird uns wohl nicht gelingen", sagt Mutter Marianne von Wolffersdorff, die jetzt zu Besuch in Promnitz war. So viel ist der Buchautorin aus Bad Pyrmont schon klar. "Aber wir wollen ja auch kein Disney-Schloss errichten." Viel mehr soll ein Ort entstehen, in dem sächsische Geschichte erlebt werden kann.

Marianne von Wolffersdorff steht am Fenster, an dem August der Starke gesessen haben soll, um das Feuerwerk an der Elbe verfolgen zu können.
Marianne von Wolffersdorff steht am Fenster, an dem August der Starke gesessen haben soll, um das Feuerwerk an der Elbe verfolgen zu können. © Klaus Dieter Brühl

Ein paar Fortschritte sind getan. Hauptaugenmerk galt dabei der Notsicherung, damit die Bausubstanz nicht noch mehr zerfällt. Zuletzt wurde die Südfassade des Schlosses geputzt, worüber die Familie von Wolffersdorff sehr dankbar ist. Nicht zuletzt dem Landesamt für Denkmalschutz, das dem Promnitzer Schloss einen hohen Stellenwert für die sächsische Geschichte beimisst.

"Wir arbeiten auf das große Jubiläum hin. Das ist unsere Triebfeder", sagt Marianne von Wolffersdorff. Allerdings bereiten ihr Gerüchte um mutmaßliche Verbindungen einzelner Helfer in die rechte Szene Sorgen. In diesem Zusammenhang hatte es im vergangenen Jahr eine großangelegte Polizeidurchsuchung gegeben, bei der nach Waffen und Munition gesucht wurde. Gefunden wurde nichts. Marianne von Wolffersdorff ist froh, dass sich dieser Verdacht nicht bestätigte.

Und noch etwas ärgert sie. "Viele Außenstehende denken, wir machen das nur privat. Im Gegenteil. Wir buttern hier Geld und Zeit hinein", sagt sie. Leider werde das oft verkannt. Es herrsche so etwas wie die große Skepsis vor den Junkern, die zurückkehren. "Und dann auch noch aus dem Westen", ergänzt sie.

Sie betont, dass sich ihre Familie deshalb für das Anwesen so engagiert, weil es Teil ihrer tausendjährigen Geschichte ist, über die sie bereits die Chronik "Vuoluoltesdorf" (der frühere Name der Wolffersdorffer) geschrieben hat. Ein sehr umfangreiches Werk, das ihr, wie sie sagt, "mehr Freude als Arbeit" bereitet habe.

Diese Freude, Schloss Promnitz zu erhalten und wiederzubeleben, spüre sie nach wie vor. Ziel sei es, viele Menschen zu begeistern, die sich für sächsische Geschichte interessieren.

Im Innenhof mit der abgenommenen Turmhaube wird deutlich, dass noch sehr viel Arbeit bevorsteht.
Im Innenhof mit der abgenommenen Turmhaube wird deutlich, dass noch sehr viel Arbeit bevorsteht. © Klaus Dieter Brühl

Momentan wird an einem Nutzungskonzept für das Schloss Promnitz gefeilt. Es soll in diesem Jahr fertig werden. "Denn ohne Nutzungskonzept gibt es keine Fördermittel", sagt Wolf-Nicol von Wolffersdorff. Am 19. März ist ein Gespräch mit der Denkmalpflege geplant. Dabei soll es auch um weitere Fördermöglichkeiten gehen.

"Hier darf nichts geschehen, ohne dass es der Denkmalschutz absegnet", sagt Marianne von Wolffersdorff. "Wir wollen Ärger vermeiden und nichts Historisches zerstören." Wünschenswert sei es, wenn sich weitere Geschichts- und Heimatforscher oder auch prominente Leute einbringen, um Schloss Promnitz weiter in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Für dieses Jahr sind Lesungen geplant, die vom Schlösserland Sachsen e. V. unterstützt werden sollen. Wegen der Corona-Pandemie gibt es aber noch keine konkreten Termine. Auch ein Kalender von Promnitz mit Zeichnungen des Weinböhlaer Malers Steffen Gröbner ist in Planung.

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