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"Feuerwerk hat kein Verfallsdatum"

Marcel Seifert aus Riesa betreibt einen Online-Shop für Pyrotechnik. Die Regelungen für dieses Silvester leuchten ihm nur bedingt ein.

Von Eric Weser
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Marcel Seifert ist Feuerwerk-Fachhändler. Er bietet Produkte für den Privatgebrauch – aber hat auch Großfeuerwerke wie die Kugelbombe rechts (im Foto eine Attrappe), die nur von ausgebildeten Pyrotechnikern wie ihm gezündet werden dürfen.
Marcel Seifert ist Feuerwerk-Fachhändler. Er bietet Produkte für den Privatgebrauch – aber hat auch Großfeuerwerke wie die Kugelbombe rechts (im Foto eine Attrappe), die nur von ausgebildeten Pyrotechnikern wie ihm gezündet werden dürfen. © Eric Weser

Riesa. Im November war Marcel Seifert noch zuversichtlich. Nach dem Verbot von Silvesterfeuerwerk in den Niederlanden schwante dem Riesaer schon etwas. Dass sich deutsche Regierungspolitiker wie Markus Söder (CSU) einige Tage später gegen ein generelles Böllerverbot aussprachen, ließ den Feuerwerks-Fachhändler aber wieder etwas hoffen. "Aber 14 Tage später kam ja dann die 180-Grad-Wende."

Die hat für alle Feuerwerksfreunde gravierende Folgen: Denn es dürfen dieses Jahr keine Silvesterfeuerwerkskörper an Privatpersonen verkauft werden. Eine entsprechende Regelung ist kurz vor Weihnachten in Kraft getreten. "Das Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk schützt unsere Krankenhäuser vor Überlastung", hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Maßnahme Anfang der Woche begründet.

Für Marcel Seifert und sein Geschäft "Pyro-maniac" bedeutet diese Reaktion der Regierungspolitik auf die derzeitige Corona-Pandemie-Lage: Das wichtige Silvestergeschäft ist kaum existent. Nur Gewerbetreibende dürfen etwas kaufen – wenn sie quittieren, dass sie die Ware nicht für den Eigengebrauch nutzen.

Existenz hängt nicht am Pyro-Shop

Lachen kann der Familienvater dennoch. Zwar hat er Ware für eine fünfstellige Summe in seinem Lager und wird jetzt erst einmal auf einem großen Teil davon sitzenbleiben. Sorgen um seine Existenz muss sich Marcel Seifert nicht machen. Hauptberuflich verdient er sein Geld in einem Riesaer Industrieunternehmen. Sein Pyrotechnik-Geschäft betreibt der Elbestädter im Nebenerwerb. "Insofern ist das bei mir glimpflich. Wer das aber im Hauptberuf macht, für den ist es natürlich extrem schwierig."

Für Pyrotechnik hat sich der 39-Jährige schon in seiner Jugend begeistert. "Wir haben schon als Stifte vorm Haus mit Wunderkerzen gekokelt", erzählt er. Später kamen dann Feuerwerke für Freunde hinzu. Vor gut drei Jahren dann ging Seifert den nächsten Schritt, gründete seine Firma "Pyro-maniac". Die bietet größere Feuerwerke an, für die es einen Pyrotechniker-Schein, inklusive vorheriger Ausbildung, braucht, den Marcel Seifert besitzt. Vor allem bei Hochzeiten, Firmen-, aber auch privaten Feiern sei das gefragt. Daneben vertreibt der Riesaer über seinen Online-Shop aber auch frei verkäufliche Feuerwerkskörper.

240 Euro für eine effektvolle Minute

Im Netz können die Kunden Raketen oder Batterien quasi das ganze Jahr über erwerben, wenn sie eine amtliche Ausnahmegenehmigung vorlegen, die ein Feuerwerk gestattet. Besonders wichtig ist aber auch für den Riesaer Händler das Geschäft mit Silvesterfeuerwerk. Die Nachfrage sei schon groß, sagt Marcel Seifert.

Was die Produkte aus seinem Shop von der Ware etwa aus Discountern unterscheide, seien die Effekte, sagt der Riesaer. "Das ist eine ganz andere Hausnummer." Aber auch die Preise sind andere. Ein Verbundfeuerwerk, also eine Art große Batterie, kann schon mal 240 Euro das Stück kosten – obwohl es lediglich eine Minute brennt. Doch nicht nur Restaurants, die für besondere Anlässe solche Pyrotechnik ordern, ist es das wert. Auch Privatleute fragen die Ware nach, weil sie etwas Besonderes für ihre Feiern oder den Jahreswechsel suchen.

Dass er an Private diesmal vor Silvester kein Feuerwerk verkaufen darf – die Leute aber daheim vorhandene Feuerwerks-Restbestände aus den Vorjahren abbrennen dürfen, findet Marcel Seifert paradox. "Das bringt Leute dazu, sich illegal Pyrotechnik zu besorgen", meint er und verweist auf Fälle, in denen Menschen zum Feuerwerkskauf in Nachbarstaaten wie Polen gefahren sind. Diejenigen würden von dem Verbot nicht erreicht. Bestraft würden hingegen zum Beispiel Kinder. "Wir hatten zwei, drei Anrufe von Eltern, die gesagt haben, dass die Kinder geweint haben, weil es kein Feuerwerk geben wird."

Für das Anliegen des Gesundheitsschutzes, das hinter dem Verkaufsverbot und den Böllerverboten für bestimmte Orte und Plätze steht, hat der Riesaer Familienvater durchaus Verständnis. Sorgen macht er sich lediglich, was in den nächsten Jahren wird, wenn die von manchen Politikern schon lange geforderten Böllerverbote dieses Jahr bedingt durch die Corona-Situation erstmals kommen.

Ordentliche Lagerung muss sein

Marcel Seifert selbst will den Jahreswechsel mit seiner Familie und Bekannten verbringen. Auf Feuerwerk soll dabei nicht gänzlich verzichtet werden. Eine Batterie werde er sicher zünden. "Aber wir werden es nicht übertreiben." Als Pyrotechniker könne er sich ja sozusagen das ganze Jahr über "austoben".

Was aus der Ware wird, die bei ihm Lager steht? Sie wird wohl einige Zeit dort bleiben. Das sei aber kein Problem. "Feuerwerk hat kein Verfallsdatum. Solange es ordentlich gelagert wird, ist alles gut." Das Einzige, auf was man achten müsse: Dass die gelagerte Menge das zulässige Maß nicht übersteige. Ob alles okay ist, darauf haben auch die Behörden ein Auge. Erst vergangene Woche sei jemand von der Landesdirektion da gewesen. Unter anderem, um Bestandsaufnahme vom Lager zu machen.

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