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Regen macht Teichsanierung viel teurer

Am Glaubitzer Wald geht die Entschlammung des Alten Sees nach monatelanger Unterbrechung weiter.

Mit diesem Spezialfahrzeug wird der Alten See zurzeit entschlammt.
Mit diesem Spezialfahrzeug wird der Alten See zurzeit entschlammt. © Sebastian Schultz

Glaubitz. Einen schwimmenden Bagger sieht man nicht alle Tage. Erst recht nicht auf einem der zahlreichen, künstlichen Teiche, die es in Sachsen gibt. Zurzeit ist so ein Wasserbau-Fahrzeug auf dem Alten See zwischen Glaubitz und Nünchritz zu sehen.

Statt einer Schaufel ist an ihm eine Pumpe montiert. Mit ihr soll der Schlamm auf dem Teichgrund abgesaugt werden. Mit einem langen Schlauch, der an gelben Behältern befestigt ist und deshalb nicht untergeht, wird der Dreck ans Ufer gepumpt. Eine mühselige Arbeit, die viel mehr Zeit beansprucht als ursprünglich geplant.

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"Normalerweise macht man so eine Teichsanierung im trockenen Verfahren", sagt René Häse, der Geschäftsführer des Anglerverbandes Elbflorenz. "Aber das geht momentan nicht." Der Regen macht es unmöglich. Aus dem Zschaitenbach fließt ständig neues Wasser von den Feldern in den Alten See . "Mit Austrocknen kommt man da nicht weit."

Statt trocken geht es nass weiter

Noch Ende Januar dieses Jahres sah das anders aus. Da hatte die Grund- & Wasserbaugesellschaft mbH aus Boxdorf noch die Hoffnung, dass die Frühjahrsschmelze nicht zu zeitig kommt und sie mit zwei Baggern und zwei Raupendumpern den Teich säubern kann. Doch zu früh gefreut. Das Tauwetter setzte eher als erwartet ein. Das Vorhaben wurde gestoppt.

Nach und nach zog die Spezialfirma ihre Baumaschinen ab. Fast schien es, als würde am Alten See gar nichts mehr passieren. Doch seit einiger Zeit haben die Boxdorfer wieder ihre Arbeit aufgenommen.

"Wir mussten auf eine andere Technologie umschwenken", bestätigt Häse. Statt den Alten See austrocknen zu lassen, muss es eben jetzt nass weitergehen. Und so pumpt der schwimmende Bagger den Schlamm aus dem vollen Teich.

So sah der Alte See Ende Januar aus. Das Wasser war fast vollständig verschwunden. Alles war bereit für die trockene Entschlammung. Doch dann setzte Tauwetter ein und brachte neues Wasser über den Zschaitenbach.
So sah der Alte See Ende Januar aus. Das Wasser war fast vollständig verschwunden. Alles war bereit für die trockene Entschlammung. Doch dann setzte Tauwetter ein und brachte neues Wasser über den Zschaitenbach. © Jörg Richter

"Dabei ist noch nicht mal der Schlamm das Problem, sondern der unterirdische Wasserablauf", sagt der Geschäftsführer des für Ostsachsen zuständigen Angler-Dachverbandes. Die drei letzten Dürrejahre haben den Grundwasserspiegel im Erdreich so gesenkt, dass der Alte See nicht nur überirdisch Wasser abgibt, sondern auch unterirdisch. Die Lösung ist eine Uferbefestigung unterhalb der Wasserlinie. Über die Umsetzung müsse man sich aber noch mit dem Kreisumweltamt in Großenhain einigen, so Häse.

Dabei geht es in erster Linie um zusätzliche Kosten, die der Verband vermeiden möchte. Denn schon jetzt ist klar, dass die Sanierung des Alten Sees deutlich teurer wird. In der Entwurfsplanung war man von etwa 85.000 Euro bei einer trockenen Bauweise ausgegangen. Daraus wurden dann bei der Auftragsvergabe rund 120.000 Euro, wobei das Regionalmanagement Elbe-Röder-Dreieck diese für den Naturschutz bedeutende Maßnahme mit rund 70.000 Euro fördert.

Und nun sind die Kosten unter den gegebenen Bedingungen auf über 200.000 Euro gestiegen. Häse hat erst vor wenigen Tagen ein entsprechendes Nachtragsangebot der Boxdorfer Firma unterschrieben. "Wir würden diese Projekt nicht machen, wenn es nicht einen fleißigen Verein dahinter gebe", sagt er und meint damit den Sportfischerverein Nünchritz-Glaubitz, der zum Anglerverband "Elbflorenz" gehört und den Alten See pflegt und bewirtschaftet.

Bis hier aber wieder Karpfen und Hechte gefischt werden können, wird noch einige Zeit vergehen. Die ursprünglich geplanten drei Monate sind längst vorbei. "Wenn alles perfekt läuft, sind wir Ende des Jahres fertig", sagt Häse und fügt hinzu: "Aber es läuft nie alles perfekt."

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