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Rekord bei der Windernte

Seit fünf Jahren produziert das erste sächsische Bürgerwindrad bei Riesa Strom. In einem Monat wurde 2020 erstmals eine besondere Marke geknackt.

Von der Beschriftung abgesehen, unterscheidet sich das Bürgerwindrad im Windpark Streumen-Glaubitz kaum von den anderen Anlagen ähnlichen Typs in der Umgebung.
Von der Beschriftung abgesehen, unterscheidet sich das Bürgerwindrad im Windpark Streumen-Glaubitz kaum von den anderen Anlagen ähnlichen Typs in der Umgebung. © Archivfoto: Sebastian Schultz

Wülknitz/Dresden. Zum ersten Mal hat das Bürgerwindrad im Windpark Streumen-Glaubitz mehr als eine Million Kilowattstunden Energie in einem Monat produziert. Den bisherigen Rekord bei der Windernte gab es im Februar vorigen Jahres. Wie hoch der Monatsertrag ist, zeigt der Vergleich mit dem Gesamtjahr, in dem das Windrad meist insgesamt etwa sechs Millionen Kilowattstunden Energie erzeugt.

Wie der Rekordmonat zustande kam? „Es war einfach viel Wind“, sagt Jan Stoye. Er gehört zum Vorstand der Dresdner Energiegenossenschaft Egneos. Die derzeit knapp 300 Mitglieder große Mitglieder-Vereinigung ist Eigentümerin des Windrads. Vor fast genau fünf Jahren, Ende 2015, ging die 180 Meter hohe Anlage nahe Streumen in Betrieb. Seither hat sie fast 31 Millionen Kilowattstunden Energie produziert – ein Quäntchen mehr, als prognostiziert.

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Zahlenkolonnen im Netz

Anders als bei den anderen knapp 20 Anlagen zwischen Streumen und Glaubitz lassen sich solche Daten genau einsehen, da die Betreibergenossenschaft fortlaufend die Werte auf ihrer Webseite veröffentlicht. Warum sich Egneos so in die Karten schauen lässt? „Wir finden es wichtig, Fakten zur Windenergie zu zeigen“, sagt Vorstand Jan Stoye. Windkraft-Gegner würden zum Beispiel teils mit veralteten Kennzahlen hantieren.

Die Transparenz hat aber auch Tücken. Längst nicht jeder Wert ist über dem Soll. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit etwa liegt darunter. Auch die jährlich erwartete Energieproduktion des Windrads tritt nicht immer ein. 2016, 2018 und wohl auch 2020 lagen die Jahreserträge leicht unter den prognostizierten sechs Millionen Kilowattstunden. 2017 und 2019 darüber. Bisher habe die Anlage aber durchgängig ohne Verluste gewirtschaftet, sagt Jan Stoye.

Die Mitglieder der Energiegenossenschaft, die auch vereinzelt aus der hiesigen Region kommen, profitieren finanziell von den Erträgen des Windrads und der anderen Egneos-Energieanlagen. Seit 2017 zahle man stets eine Dividende an Mitglieder aus, sagt Jan Stoye. Die Einnahmen vor allem aus der Energieerzeugung mit Solaranlagen. Davon besitzt Egneos gut eine Handvoll, vorwiegend in Dresden. Demnächst soll südlich der Landeshauptstadt eine 600-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage auf einer Reithalle hinzukommen. Außerdem ist ein Projekt mit einer freien Schule in Dresden geplant mit einer 100-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage und Erdwärme, erzählt Jan Stoye. Mit den neuen Projekten kann die Genossenschaft auch ihre Mitgliederzahl vergrößern. Ohne neue Vorhaben sei das schwierig, so Stoye. Schließlich könne ein gegebener Gewinn nicht durch immer mehr Leute geteilt werden. Neben Solarprojekten würde Egneos auch in puncto Windenergie gern weitere Projekte realisieren. Aber: Windkraft habe es schwer in Sachsen. Es seien kaum neue Flächen dafür ausgewiesen worden.

Teilzeitstelle für Windradbetrieb

Was das bisher einzige Windrad der Genossen bei Streumen angeht, steht dieses Jahr eine wichtige Wegmarke an: Egneos übernimmt die Betriebsführung, um die sich bisher ein Dienstleister gekümmert hat. Unter anderem will die Genossenschaft nun selbst die Abrechnungen mit den Energieversorgern erledigen. Dafür werde erstmals eine Teilzeitstelle in der Genossenschaft geschaffen, bei der nach der Gründung 2013 zunächst alles rein ehrenamtlich lief. Kostenmäßig auszahlen dürfte sich dieser Schritt für Egneos kaum, so Jan Stoye. Darum geht es aber auch nicht unbedingt – vielmehr darum, dass die Wertschöpfung und das Know-how in der Genossenschaft kämen. Diese Professionalisierung bei Egneos solle in Zukunft vorangetrieben werden, so der Vorstand.

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