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Riesa: Belastete alte Schulhöfe

Wo in Weida einst Jugendliche die Pausen verbrachten, schlummert ein Problem im Boden. Das soll nicht mehr lange so bleiben.

Umwelt- und gesundheitsgefährdend: Als das gelten viele Stoffe, die unter dem Begriff PAK zusammengefasst werden. Bei der geplanten Bodensanierung an der Greizer Straße in Weida dürften Spezialisten in Schutzkleidung auftauchen, um sie abzuholen.
Umwelt- und gesundheitsgefährdend: Als das gelten viele Stoffe, die unter dem Begriff PAK zusammengefasst werden. Bei der geplanten Bodensanierung an der Greizer Straße in Weida dürften Spezialisten in Schutzkleidung auftauchen, um sie abzuholen. © Eric Weser

Riesa. Was wohl Manfred von Ardenne dazu gesagt hätte. Der Namensgeber des Riesaer Gymnasiums, das bis vor einigen Jahren an der Greizer Straße stand. Dass sich ausgerechnet an einem Standort einer nach ihm benannten Schule Problemchemikalien im Boden befinden, die gemeinhin als krebserregend bekannt sind. Schließlich war von Ardenne, dessen Name oft im Zusammenhang mit der Erfindung des Fernsehens fällt, unter anderem auch Krebsforscher.

Was Ardenne gesagt hätte, muss dahinstehen, weil der Wissenschaftler vor fast 25 Jahren gestorben ist. Gesprochen hat nun zum ehemaligen Gelände des ehemaligen Ardenne-Gymnasiusms jemand anderes: Der Freistaat Sachsen, indem er jetzt der Stadt Riesa anderthalb Millionen Euro Fördergeld für eine Bodensanierung zugesagt hat. Mit dieser soll der kontaminierte Boden ausgetauscht werden.

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Aber wie kommen die Problemchemikalen – nach Angaben der Behörden sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und weitere Schwermetalle wie Chrom – überhaupt in die einstigen Schulhöfe? Stadtsprecher Uwe Päsler erklärt auf Nachfrage, die Befestigung der Höfe mit einer Mischung aus Schotter und Bitumen sei in der DDR-Zeit "nicht unüblich" gewesen. Erbaut wurden die einstigen Schulgebäude Mitte der 1960er-Jahre. Abgerissen wurden sie 2007 beziehungsweise 2013.

Eine erste Baugrunduntersuchung auf dem einstigen, insgesamt gut 34.000 Quadratmeter großen Schulgelände in Weida hatte nach Rathaus-Angaben im Oktober 2016 stattgefunden. "Lage, Qualität und Menge der schadstoffhaltigen Bereiche wurden durch orientierende Untersuchungen der gesamten Fläche mit einem Rastersystem eingegrenzt", so das Rathaus. Der betroffene Boden werde bei der Sanierung auf zugelassene Deponien gebracht und die entstehenden Löcher mit unbelastetem Material aufgefüllt.

Was die Gefahren für die Anlieger und Umwelt angeht, gibt die Stadt Entwarnung: Die Schadstoffe würden sich in den einzelnen, aus Schotter und Bitumen bestehenden Bodenschichten befinden. "Sie beeinflussen weder das Grundwasser, dazu wurden gesonderte Tests durchgeführt, noch bestand und besteht die Gefahr einer Gesundheitsbelastung für Anwohner", so Stadtsprecher Uwe Päsler. Auch während der Sanierungsarbeiten soll das nicht der Fall sein.

Etwa vier bis fünf Monate werden diese Arbeiten dauern, so die Prognose der Stadt. Stattfinden sollen sie nächstes Jahr, vorausgesetzt, das Vorhaben wird im Haushalt für 2022 aufgenommen. Die Haushaltsplanung für das kommende Jahr soll demnächst Thema für den Stadtrat werden.

Bleibt die Frage, wie die Zukunft des ehemaligen Schulgeländes nach der Bodensanierung aussieht. Zumal dort auch noch Gebäude stehen. Dabei handle es sich um Sporthallen, die derzeit noch von Vereinen genutzt würden, so der Rathaussprecher. "Sie sollen perspektivisch freigelenkt und abgebrochen werden."

Vor Jahren war einmal von der Anlage eines Bürgerparks auf dem Areal die Rede. Schon seit einiger Zeit ist aber eine andere Nutzung im Gespräch: als Standort für einen möglichen Weidaer Grundschulneubau. Ob der kommen soll oder ein Neubau beziehungsweise eine Sanierung am jetzigen Grundschulstandort an der Magdeburger Straße, wird derzeit noch untersucht. Entscheiden müssen dann die Stadträte.

Und wenn es keinen Schulneubau an der Greizer Straße geben sollte? Dann "wäre eine Erschließung für Eigenheime sicher eine Option", sagt Rathaussprecher Uwe Päsler. So oder so sei eine Bodensanierung allerdings unverzichtbar.

Besorgniserregende Stoffe

  • PAK gelten als "besorgniserregende Stoffgruppe". Viele "haben krebserregende, erbgutverändernde und/oder fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften", so die Behörde unter Berufung auf Forscher.
  • PAK sind allgegenwärtig und kommen oft in Billig-Produkten, aber auch Produkten namhafter Hersteller vor.
  • PAK entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle oder Öl – auch beim Grillen oder Tabakrauchen. PAK-Emissionen bringt aber auch der Autoverkehr mit sich, etwa durch Abgase und Reifenabrieb. (Quelle: Umweltbundesamt)

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