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Historische Niederlage wird versteigert

Der einstige Speicher an der Elbstraße fällt durch seine knallrote Tür auf. Jetzt soll ein neuer Eigentümer für das halb umgebaute Haus samt Grundstück gefunden werden.

Das Grundstück Elbstraße 7a soll versteigert werden. Dazu gehören der ehemalige Speicher (rote Türen) und der Pavillon (links im Vordergrund). Beide Gebäude stehen leer.
Das Grundstück Elbstraße 7a soll versteigert werden. Dazu gehören der ehemalige Speicher (rote Türen) und der Pavillon (links im Vordergrund). Beide Gebäude stehen leer. © Eric Weser

Riesa. Historische Niederlagen gibt es vor allem im Sport, wie das 0:6 der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft Ende vorigen Jahres gegen Spanien. Aber es gibt auch historische Niederlagen anderer Art. In Riesa zum Beispiel ist eine unter der Adresse Elbstraße 7a zu finden. Das laut Schlussstein an der Fassade 1793 fertiggestellte Gebäude war einst ein Speicher, in dem Waren ab- beziehungsweise niedergelegt wurden.

Demnächst soll das denkmalgeschützte Haus versteigert werden. Davon kündet auch ein gelbes Plakat an der Fassade. Laut diesem sind 170.000 Euro als Mindestgebot vorgesehen für das Objekt, das im Moment leer steht und sich von der Umgebung vor allem durch seine knallroten Türen und eine Art Pavillon als Nebengebäude abhebt.

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Nach einem Käufer für das im Überschwemmungsgebiet der Elbe gelegene Objekt wird schon länger gesucht. Bislang erfolglos, wie ein Riesaer Immobilienmakler bestätigt, auf dessen Webseite das rund 850 Quadratmeter große Grundstück samt Haus bis Mitte der Woche als Verkaufsobjekt geführt wurde. Der Eigentümer habe die Immobilie nach der Wende gekauft und sei nicht in Riesa, so der Makler. Weitere Informationen über den aktuellen Besitzer sind nicht zu erfahren.

Vor einigen Jahren habe eine Salzgrotte in das Gebäude einziehen sollen, so der Immobilienvermittler. Deren Betreiber sei dann aber abgesprungen. Der Umbau sei daher auch quasi mittendrin gestoppt worden. Deshalb besteht in den äußerlich so weit instandgesetzten Gebäuden innen noch "weiterer Modernisierungs- und Sanierungsbedarf", wie es in der Objektbeschreibung für die geplante Auktion heißt. Heizung oder Sanitäranlagen fehlen zum Beispiel gänzlich, heißt es weiter. Etwas in dem Gebäude hinzubekommen, das sei wegen des Denkmalschutzes nicht ganz einfach, sagt der Riesaer Makler noch dazu.

Die Denkmalschutzbehörden sehen den einstigen Speicher und das daneben gelegene Haus Elbstraße 7 als Ensemble. Das Landesdenkmalamt spricht von "zwei barocke(n) Putzbauten mit Mansarddach, mit Sandsteingewänden am Nebengebäude". Das Ganze sei "eines der wenigen ehemals von Elbfischern bewohnten Grundstücke an der Elbe" und "baugeschichtlich und ortsgeschichtlich von Bedeutung". Die Rede ist außerdem von einer "ortsbildprägende(n) Lage nahe der Elbe".

Ein Foto aus dem Jahr 1994 zeigt den Elbparkplatz. Mittig im Hintergrund ist die Elbstraße 7a (mit Giebel zur Straße) zu erkennen. Die damals noch vorhandene Öffnung im Mansarddach des Gebäudes gibt es heute nicht mehr.
Ein Foto aus dem Jahr 1994 zeigt den Elbparkplatz. Mittig im Hintergrund ist die Elbstraße 7a (mit Giebel zur Straße) zu erkennen. Die damals noch vorhandene Öffnung im Mansarddach des Gebäudes gibt es heute nicht mehr. ©  SZ-Archiv

Im Riesaer Stadtmuseum ist man allerdings etwas skeptisch, ob sich so ein Zusammenhang mit den Elbfischern tatsächlich herstellen lässt. Elbfischer habe es zwar in Riesa gegeben, heißt es auf Nachfrage. Im Gegensatz beispielsweise zu Meißen hätten sie hier aber kaum eine Rolle gespielt. In alten Adressbüchern würden zwei Fischer als Berufsfischer in Riesa geführt: Ein Mann namens Louis Eduard Trachbrodt, der nachweisbar von 1882 bis 1912 den Beruf ausübte. Und Karl Heinze, der von 1882 bis 1902 als Fischer in Riesa verzeichnet sei. Ansässig seien die Fischer jedoch an der Straße Am Rundteil gewesen – also etwas weiter in Richtung Stadtpark.

Zur Elbstraße 7a und dem Nachbarhaus mit der Nummer 7 verrät laut Stadtmuseum das Buch "Deutschlands Städtebau: Riesa an der Elbe" aus dem Jahr 1924 etwas. Darin heiße es in einer Anzeige, dass seinerzeit dort die Firma A. G. Hering & Co. ansässig gewesen ist. "Eine der acht alten Niederlagen a. d. Elbe, Elbstraße 7, Ecke Niederlagstraße. Erbaut im Jahre 1776, seit Dezember 1801 im Besitz der Familie Hering; Ältestes Kohlen-, Brikett-, Holz-, Düngemittel- u. Fuhrgeschäft."

Die Versteigerung des Grundstücks inklusive Gebäude findet am 2. März 2021, ab 12 Uhr, in Dresden bei der Frühjahrsauktion der Sächsische Grundstücksauktionen AG statt. Den Katalog gibt es hier, das Objekt befindet sich auf Seite 59.

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