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Riesa: Neuer Eigentümer räumt an alter Niederlage auf

Ein Mann aus Süddeutschland hat das historische Gebäude an der Elbpromenade gekauft – und muss sich nun zunächst einen Überblick verschaffen.

Der einstige Speicher Elbstraße 7a (rote Tür) ist ein auffälliger Bau, genauso wie das Nebengebäude mit den drei großen Fenstern zur Elbe hin. Das Objekt ist jetzt in neuen Händen.
Der einstige Speicher Elbstraße 7a (rote Tür) ist ein auffälliger Bau, genauso wie das Nebengebäude mit den drei großen Fenstern zur Elbe hin. Das Objekt ist jetzt in neuen Händen. © Eric Weser

Riesa. Ein neues, blau-weißes Schild ist schon an der großen roten Tür angebracht. Elbstraße 7A steht darauf. Es ist nicht die einzige sichtbare Veränderung an dem historischen Elbpromenaden-Gebäude. Vorm Hoftor ist das Moos entfernt und dahinter das wild wuchernde Grün sichtlich gestutzt.

Verantwortlich dafür ist Hartmut Fischer. Er ist der neue Eigentümer des markanten Gebäudes an der Elbstraße, das einst als Niederlage diente, als Speicher. "Das Haus hat mich gefunden", sagt der hagere Mann mit den schwarzen Haaren, den sächsische.de bei Aufräumarbeiten antrifft.

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Schon seit 30 Jahren interessiere er sich für alte Häuser, so Fischer. Vom Bau komme er nicht, das Ganze sei mehr "eine Art Hobby". Eigentlich sei er studierter Naturwissenschaftler, habe dann einige Jahre in der Pharmaindustrie gearbeitet und sich anschließend als Heilpraktiker selbstständig gemacht.

Als solcher habe er aktuell aber keine Praxis, weil er ein erfolgreiches Buch herausgebracht habe. Bis die "verrückte Zeit " – will heißen: die Corona-Pandemie – begonnen habe, sei er damit in ganz Europa bei Seminaren und Kongressvorträgen unterwegs gewesen. Weil es damit ruhiger geworden sei, sei nun mehr Zeit für das Hobby, sagt der Mann, dessen Auto das Kennzeichen VB trägt. Das steht für den Vogelsbergkreis im Süden Hessens.

Den ehemaligen Speicher in Riesa hat Hartmut Fischer nach eigenem Bekunden per Telefon gekauft. Unbesichtigt, wie er sagt – also ohne die Immobilie selbst vorm Kauf mit eigenen Augen gesehen zu haben. - Nach alten Gebäuden, die zum Verkauf stehen, habe er sich schon lange umgeschaut. Doch er habe sich nie recht entschließen können, zu kaufen. "Weil ich immer dachte: Der Bauch muss sprechen, nicht der Verstand."

Bei der Elbstraße 7a sprach der Bauch offenbar. Er habe sie gesehen und bei dem Auktionshaus angerufen, bei dem die Immobilie nach zwei erfolglosen Versteigerungsversuchen zum Nachverkauf gestanden hatte. Dort habe man ihm nahegelegt, sich zu beeilen. Binnen drei, vier Tagen habe er die nötigen Dokumente zusammengetragen. Weil kein anderer Interessent da war, fiel dem 55-Jährigen, der laut seiner Internetseite an der Uni Würzburg studiert hat und einen Doktortitel besitzt, das Gebäude zu.

Was künftig aus dem Objekt wird? Hartmut Fischer weiß es noch nicht genau. Während des Aufräumens kämen aber erste Ideen. Denkbar sei etwas Kulturelles. Eine Art Galerie oder dergleichen. Ein Wohngebäude solle der Bau nicht werden, so Fischer, den vor allem das große Gebälk im Gebäude beeindruckt – und dem nach eigenem Bekunden wichtig ist, den Charakter des Gebäudes zu erhalten.

Auch deshalb soll demnächst etwas entfernt werden, was der neue Eigentümer eine Bausünde nennt: Der Vorbesitzer habe eine Supermarkt-Zugangstür aus Metall einbauen lassen. "Das geht natürlich gar nicht." Auch große Salzkristalle – der Vorbesitzer wollte in dem Gebäude einmal eine Salzgrotte einrichten – hat der Neueigentümer aus dem Gebäude entfernt.

Alles wird Hartmut Fischer aber nicht mit eigener Hände Arbeit erledigen: Über einen in Riesa ansässigen Immobilienfachmann habe er Kontakt zu hiesigen Handwerksfirmen bekommen. Mit einem Tischler soll jetzt nach Alternativen für Türen und Tore geschaut werden. Eine Garten- und Landschaftsbaufirma soll den verwilderten Innenhof beräumen.

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In der Stadt hat man von der Aktivität auf dem Grundstück bereits Notiz genommen. "Es sind permanent Leute hier, die den Kopf reinstecken und sich interessieren", sagt der neue Eigentümer. Viele würden erzählen, dass sie Riesaer sind und sich freuen, dass sich auf dem Grundstück etwas tut. Ein junger Mann habe auch schon seine Hilfe angeboten. "Das ist sehr herzlich hier, ich bin total fasziniert", sagt Hartmut Fischer, dem auch Riesa an sich gefällt, wie er sagt.

Noch vorm Stadtfest kehrt Fischer nach Hause zurück. Wenn die Gartenbaufirma anrückt, wolle er aber wieder da sein.

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