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Riesa und Lommatzsch gehen zusammen

Beim Thema Tourismus fühlen sich beide Regionen unterschätzt. Eine Kooperation soll das ändern.

Sie unterzeichneten am Dienstag im Riesenhügel eine Kooperationsvereinbarung: Kurt Hähnichen und Andree Schittko vom HGV Riesa, Anita Maaß und Conrad Seifert vom Fördervein Lommatzscher Pflege und Riesas OB Marco Müller (v.l.).
Sie unterzeichneten am Dienstag im Riesenhügel eine Kooperationsvereinbarung: Kurt Hähnichen und Andree Schittko vom HGV Riesa, Anita Maaß und Conrad Seifert vom Fördervein Lommatzscher Pflege und Riesas OB Marco Müller (v.l.). © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Auf dem Foto vom Abschluss der Kooperationsvereinbarung ist es nicht zu übersehen: Es ist gerade Corona-Pandemie. Das Quintett aus Riesa und Lommatzsch trägt Maske. Über die Vorschriften beschwert sich derzeit gefühlt jeder - aber einen kleinen Vorteil haben die Regelungen dann doch: Viele entdecken ihre Heimat ganz neu. Weil große oder kleine Urlaubsreisen so gut wie unmöglich sind, haben Ausflüge in die Region seit Monaten Konjunktur.

"Wir alle sind so viel zu Fuß oder per Rad unterwegs, wie wir uns das vor zwei Jahren noch gar nicht vorstellen konnten", sagt Riesas OB Marco Müller. Und das könnte ein Vorteil sein bei der Kooperation, die sich schon länger angebahnt hat und am Dienstag im Festsaal des Riesaer Riesenhügels unterzeichnet wurde: Riesa und die Lommatzscher Pflege wollen beim Thema Tourismus und Naherholung ab sofort zusammenarbeiten.

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Konkret in die Hand nehmen das zwei Vereine - für die Große Kreisstadt der Handels- und Gewerbeverein HGV, für die Landregion der Förderverein Heimat und Kultur in der Lommatzscher Pflege. Warum das überfällig ist, illustriert Anett Scheffler vom Lommatzscher Verein mit einer Anekdote. "Ich habe kürzlich Schneeglöckchen am Pavillon im Schlosspark Jahnishausen fotografiert - und das Bild fünf Freunden in Lommatzsch geschickt", sagt die Tourismus-Fachfrau. "Keiner von denen wusste, wo das ist. Und dabei ist das nur zehn Kilometer von Lommatzsch entfernt."

Dabei habe die Region viele Sehenswürdigkeiten zu bieten - neben dem Schlosspark Jahnishausen etwa das Wohn- und Kulturgut Gostewitz, den Stadtpark in Riesa auf der einen Seite, auf der anderen das Schloss Hirschstein, das Museum in Schloss Schleinitz, die Tiefkeller in Lommatzsch. Und natürlich Jahnatal-Radweg, die Tierparks in Riesa und der Hebelei, Windmühlen und Sächsische Toskana.

Sehenswert - nicht nur zur Adventszeit: die Altstadt von Lommatzsch.
Sehenswert - nicht nur zur Adventszeit: die Altstadt von Lommatzsch. © Gerhard Schlechte (Archiv)

"Mit dem Dresdner Zwinger, dem Meißner Dom oder der Sächsischen Schweiz können wir als touristisches Ziel nicht mithalten", sagt Andree Schittko vom HGV. "Aber wir haben viele kleine Sachen im ländlichen Raum, die sehenswert sind." Mit der neuen Kooperation könne man die Angebote verbinden und besser bewerben. Praktisch gelingen soll das beispielsweise durch gemeinsame Messebesuche, gegenseitige Absprachen, der Erarbeitung von gemeinsamen Radkarten.

"Die Leute wollen raus in die Natur - gerade in Corona-Zeiten", sagt Heike Kandel von der Riesa-Information. Das habe man im vergangenen Jahr deutlich bemerkt - auch ohne große Werbung gemacht zu haben. "Auf den Wohnmobilplätzen waren beispielsweise auch viele Leute aus den Alten Bundesländern, die zuvor noch nie bei uns in der Region waren. Und die haben gestaunt, was wir alles zu bieten haben."

Dabei liege die Hauptzielgruppe vor der Haustür - die eigenen Einwohner. 30.000 Menschen in Riesa sind das, weitere 36.000 in der Lommatzscher Pflege.

Im Riesenhügel wurde am Dienstag die Kooperation zwischen Riesa und Lommatzscher Pflege unterzeichnet.
Im Riesenhügel wurde am Dienstag die Kooperation zwischen Riesa und Lommatzscher Pflege unterzeichnet. © Sebastian Schultz

Ein Ziel könnte sein, dass jeder Riesaer nur einmal im Jahr in die Lommatzscher Pflege kommt - und umgekehrt jeder Einwohner von dort einmal die Stadt Riesa besucht. "Dann hätten wir viel erreicht", sagt Anett Scheffler. Ziel sei es, den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus zu erweitern.

Von heute auf morgen aber, so sagt es etwa Kurt Hähnichen vom HGV, würden sich touristische Angebote nicht durchsetzen. Mit Geduld und konsequenter Arbeit aber schon. "Das sieht man doch bei der Riesaer Mondscheinführung", sagt Anett Scheffler. "Das hat mal ganz klein angefangen." Und schon seit Jahren ist es fast unmöglich, Restkarten für den jährlichen Veranstaltungs-Höhepunkt des Riesaer Stadtmuseums zu erhalten. So eine Erfolgsgeschichte soll auch die neue Kooperation werden - über die Zeit der Corona-Pandemie hinaus.

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