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Riesa: Was wird aus der alten Kaufhalle?

Der Umzug eines Nachbarn und das geplante Baugebiet nebenan werfen die Frage nach der Zukunft der einstigen Jugendeinrichtung auf.

Die Kaufhalle an der Freitaler Straße. Der markante Schriftzug und das zur einstigen Handeslorganisation (HO) der DDR gehörende Logo blieb nach der Wende am Gebäude erhalten.
Die Kaufhalle an der Freitaler Straße. Der markante Schriftzug und das zur einstigen Handeslorganisation (HO) der DDR gehörende Logo blieb nach der Wende am Gebäude erhalten. © Eric Weser

Riesa. Es gehört seit mehr als 30 Jahren zum Bild an der Ecke von Pausitzer und Freitaler Straße: das Haus dem mit HO-Schriftzug aus DDR-Zeiten überm Eingang. Bis zum Frühjahr 2012 hatte sich in der einstigen Kaufhalle das gleichnamige das Kinder-, Jugend- und Familienzentrum befunden.

Der Umzug des bis kürzlich ebenfalls an der Freitaler Straße ansässigen SC Riesa und das schon seit einiger Zeit geplante Eigenheimgebiet auf dem alten Areal von Getränke-Boden sorgt nun für Fragen, wie die Zukunft des Flachbaus aussieht.

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Auch Stadtrat Friedhelm Preuß (CDU) erkundigte sich diese Woche im Bauausschuss nach dem Gebäude. Von der Stadtverwaltung hieß es, dass es keine Verkaufsabsichten für die Immobilie gibt.

Gegenüber dem Riesaer Standort von Neways tut sich Einiges: Schon seit längerer Zeit gibt es Pläne für ein Wohngebiet. Derzeit verlässt der SC Riesa sein langjähriges Domizil – dort soll perspektivisch ein Parkplatz für den Bring- und Holverkehr zur Obers
Gegenüber dem Riesaer Standort von Neways tut sich Einiges: Schon seit längerer Zeit gibt es Pläne für ein Wohngebiet. Derzeit verlässt der SC Riesa sein langjähriges Domizil – dort soll perspektivisch ein Parkplatz für den Bring- und Holverkehr zur Obers © Grafik: SZ

Amt als zwischenzeitlicher Nutzer

Das hatte schon einmal anders ausgesehen: Nach dem Auszug der Jugendeinrichtung vor fast genau neun Jahren hatte das Rathaus nach Investoren gesucht. Damals waren als Mindestpreis 160.000 Euro für das reichlich 2.000 Quadratmeter große Grundstück samt Gebäude angegeben. Gewünscht war eine Folgenutzung, die zum umliegenden Wohngebiet passt. Also kein störender Gewerbebetrieb oder dergleichen.

Ein neuer Eigentümer für das Anwesen fand sich letztlich nicht. "Es gab einige Kaufinteressenten, allerdings scheiterte ein Verkauf bisher an den divergierenden Preisvorstellungen", sagt Rathaussprecherin Manuela Langer auf Nachfrage.

Für das unterkellerte 360-Quadratmeter-Gebäude fand sich zwischenzeitlich jedoch eine Nutzung: Einige Zeit war das Landesamt für Archäologie im Haus vertreten. Von Herbst 2013 bis Jahresanfang 2018 seien sechs vom Jobcenter geförderte Projekte dort gelaufen, bestätigt das das Landesamt auf Nachfrage. Dabei sei die sogenannte Mirtschin-Sammlung des Städtischen Museums mit insgesamt 12.500 Fundkomplexen aus dem Raum Riesa bearbeitet worden, ebenso wie Funde einer aktuellen Ausgrabung bei Gohlis.

Zwischen 15 und 19 Mitarbeiter hätten je nach Projekt unter Leitung eines Fachwissenschaftlers vom Landesamt daran gearbeitet, Keramik, Knochen und Steine zu säubern und zu beschriften sowie Stücke auch teils zu restaurieren. "Einige Mitarbeiter zeigten auch Interesse an der digitalen Erfassung und manche konnten nach einer Anleitung sogar die zeichnerische oder fotografische Dokumentation übernehmen."

Nachbar-Areal vorm Baubeginn

Das ehemalige Gelände von "Essig-Boden", auf dem das künftige Wohnbaugebiet entstehen soll, ist abschüssig. Mit Hölzern sind auf dem Areal schon die Straßen- beziehungsweise Grundstücksgrenzen abgesteckt.
Das ehemalige Gelände von "Essig-Boden", auf dem das künftige Wohnbaugebiet entstehen soll, ist abschüssig. Mit Hölzern sind auf dem Areal schon die Straßen- beziehungsweise Grundstücksgrenzen abgesteckt. © Eric Weser

Die Archäologen-Visite ist allerdings längst Geschichte. Was nun aus dem 1988 als Verkaufseinrichtung erbauten Haus gegenüber vom Riesaer Neways-Standort wird, ist offen. Auf Nachfrage von sächsische.de bekräftigt die Riesaer Stadtverwaltung, dass es im Gegensatz zu vor einigen Jahren aktuell keine Verkaufsabsichten für die Kaufhalle gibt.

Vielleicht ändert sich das in Zukunft noch einmal, wenn in der Nachbarschaft das geplante Wohnbaugebiet Gestalt annimmt. Auf dem einstigen Gelände von Getränke-Boden sollte eigentlich schon im Herbst 2020 die Erschließung von insgesamt sechs Baugrundstücken starten. Allerdings wurden seither weder Medien verlegt noch die Erschließungsstraße gebaut. Das werde nun hoffentlich in den nächsten Wochen beziehungsweise Monaten passieren, so die Auskunft von Makler Benno Reusch, der sich um die Vermarktung des Gebiets kümmert. Nach seinen Worten hängt alles an einer letzten Unterschrift, die noch behördlicherseits geleistet werden muss, damit die Tiefbauarbeiten beginnen können. Ein Baugrundstück in dem Gebiet ist laut dem Makler bereits verkauft, zwei weitere seien außerdem reserviert.

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