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Riesaer Autorin von Enkelinnen "erpresst"

Renate Preuß hat ihr erstes Kinderbuch geschrieben, um im Austausch dafür einen Teddy zurückzubekommen.

Von Jörg Richter
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Renate Preuß hat ein neues Buch geschrieben, diesmal ein Kinderbuch.
Renate Preuß hat ein neues Buch geschrieben, diesmal ein Kinderbuch. © Sebastian Schultz

Riesa. Kinder haben zuweilen höchst seltsame Methoden, um ihren Willen durchzusetzen. Diese Erfahrung hat jetzt die Riesaer Schriftstellerin Renate Preuß gemacht. Diesmal ging es aber nicht um ein Stück Schokolade oder einen Kaugummi, sondern um eine Kindergeschichte, die Kaja und Janna von ihrer Oma haben wollten. Und dafür kam den beiden Mädchen eine Entführung sehr gelegen.

Bei einem ihrer letzten Besuche in Riesa fanden Kaja und Janna einen großen Plüschbären bei ihren Großeltern. Den hatte einst Opa Friedhelm Preuß von einer Dienstreise in Amerika mitgebracht. Der Architekt der Sachsenarena war damals mit dem früheren Riesaer Oberbürgermeister Wolfram Köhler in Las Vegas unterwegs und hatte dabei den Teddy in einem Laden entdeckt. "Den habe ich bisher nie einem Kind in die Hand gegeben", sagt Renate Preuß. Er fristete sein Dasein eher als eine schöne Erinnerung an eine USA-Reise statt als Spielzeug.

Doch Kinder, die bei Oma und Opa zu Besuch sind, finden einen großen Spaß daran, deren Haus von oben bis unten zu durchsuchen und in allen Räumen nachzusehen, was interessant sein könnte. Erst recht ein großes Plüschtier. Als Kaja und Janna ihn entdeckten, gingen sie zu Renate Preuß und sagten sehr überzeugend: "Oma, der muss sich an der See erholen!" So nahmen sie den Teddy mit nach Hause in die Nähe von Ueckermünde am Stettiner Haff, wo der jüngste Sohn von Friedhelm und Renate Preuß mit seiner Familie lebt.

Für alle Kinder, die Märchen lieben

Im September besuchten Oma und Opa ihre Enkelinnen und verbrachten dort ein paar schöne Wochen. Am Ende des Urlaubs wollte Renate Preuß den Plüschbären wieder einpacken. Schließlich hatte er genug Ostseeluft geschnuppert und sollte zurück nach Riesa. Doch Kaja und Janna wollten ihn nicht so leicht hergeben. Mit den Worten "Den kriegst du erst zurück, wenn du uns eine Bärengeschichte geschrieben hast" sollen sie ihre Oma erpresst haben.

Noch auf der Heimfahrt machte sich die Riesaer Autorin Gedanken, wie sie die Geschichte schreiben soll. Herausgekommen ist "Die Geschichte vom Bärchen Bärlo und seiner Familie". Es ist - abgesehen vom Buch über den Riesaer Riesen, dessen Sage sie vor vielen Jahre aufschrieb - ihr erstes eigenes Kinderbuch. Eine Freundin habe sie animiert, es nicht nur ihren beiden Enkelinnen vorzulesen, sondern für alle Kinder, die das Märchen hören wollen, zu veröffentlichen.

Das war gar nicht so einfach. Da sie keinen Verlag fand, der die Geschichte von Bärlo drucken will, entschied sie sich dafür, es in Eigenregie zu übernehmen. Sie ließ das Märchen auf 36 Seiten von der Riesaer Firma Polyprint gestalten und drucken. Die 500 Exemplare sind in der Thalia-Buchhandlung auf der Riesaer Hauptstraße oder bei ihr direkt zu erhalten.

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Einige Hefte hat Renate Preuß an die Dorfschule ihrer Enkelinnen geschickt. Dort war am Nikolaus-Tag eine erste Lesung geplant. Doch wegen der Corona-Pandemie und der damals steigenden Inzidenzwerte musste sie leider abgesagt werden. Im Februar ist eine Lesung an einer Schule in Ueckermünde vorgesehen, wo ihre Schwiegertochter Lehrerin ist.

"Dass ich schreiben kann und mir die Ideen nicht ausgehen, ist ein Geschenk", sagt Renate Preuß, die vor 30 Jahren ihre erste Erzählung veröffentlichte. Seitdem hat sie 22 Bücher geschrieben. Momentan sitzt sie an einer Liebesgeschichte, die unter anderem im ehemaligen Riesaer Café Gasch spielt. In dessen Räumen befindet sich das bekannte Modegeschäft Margenberg und gleich daneben seit Kurzem die heutige SZ-Lokalredaktion.