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Riesaer hetzt Hund auf Polizisten

Ein 32-Jähriger trifft binnen weniger Stunden zweimal mit Beamten zusammen. Dabei wird er nicht nur aufs Übelste ausfällig.

Bei diesem Hund in einem Youtube-Video soll es sich um einen Schäferhund-Rottweiler-Mix handeln. Auch ein Riesaer besitzt so einen Mischling – und versuchte mit ihm offenbar, Polizeibeamte einzuschüchtern. Das hat für den 32-Jährigen eine Strafe zur
Bei diesem Hund in einem Youtube-Video soll es sich um einen Schäferhund-Rottweiler-Mix handeln. Auch ein Riesaer besitzt so einen Mischling – und versuchte mit ihm offenbar, Polizeibeamte einzuschüchtern. Das hat für den 32-Jährigen eine Strafe zur © Screenshot: SZ

Riesa. Die Vorweihnachtszeit gilt als Phase der Besinnlichkeit. Max V.** soll sich an jenem Sonnabend vor Heiligabend 2020 aber ganz und gar nicht besonnen gezeigt haben, als er zweimal in einer Nacht mit Polizisten zu tun hatte.

Das erste Mal gegen 2 Uhr morgens in der Wohnung eines Bekannten auf der Oststraße in Gröba. Die Beamten waren wegen einer Lärmbeschwerde aus der Nachbarschaft gekommen. Lärm stellten die Polizisten vor Ort auch fest, aber das war nicht das einzige Problem. In besagter Wohnung hatten sich auch mehr Leute getroffen, als die damaligen Coronaregeln erlaubten.

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Das Auftauchen der Riesaer Revierkräfte gefiel Max V. gar nicht. Er beleidigte sie als "Drecksbullen" und "Drecksviecher". Ein Beamter musste sich die Frage gefallen lassen, ob er schwul sei.

V. – rotes Basecap, schwarzer Pulli, dunkelblaue Jogginghose – hat das etwas anders in Erinnerung. "Das stimmt nicht so", wirft er in seiner schnellen Sprechweise ein, als er sich vorm Amtsgericht wegen seines damaligen Verhaltens verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Beleidigung vor. Beleidigt habe er aber niemanden. Der Polizist sei aggressiv gewesen, habe ihn geschubst, obwohl er, V., nur zu seinen Bekannten Tschüss sagen wollte. "Da habe ich gesagt, ob er schwul ist, ob er kuscheln möchte mit mir." So viel gesteht der Angeklagte ein.

Geschlagen oder gestürzt?

Nochmal bekamen es der Riesaer und die Polizisten ein paar Stunden später miteinander zu tun, als V.s Partnerin gegen 4.30 Uhr die 110 gewählt hatte. Die am Arm verletzte Frau stand da vor der Wohnung, in der sie mit V. an der Strehlaer Straße in Gröba lebt. Ihr Freund soll sie zuvor geschlagen und dann rausgeworfen haben. Als die Beamten eintrafen, um die Kinder aus der Wohnung zu holen und mit der Mutter zur Oma zu bringen, öffnete V. die Tür nicht. Um die Staatsdiener fernzuhalten, drohte er, seinen Hund gegen sie aufzuhetzen. Die Polizisten forderten deshalb Hilfe von Kollegen aus Dresden an. Mit Unterstützung der Hundeführer konnte die Situation schließlich geklärt werden – auch wenn es bis zum Eintreffen der Kräfte eine gute Stunde dauerte.

Auch was dies zweite Begegnung betrifft, ist die Version von Max V. eine andere. Seine Freundin sei abgehauen und habe dann die Polizei gerufen. Er habe mit seinen Kindern einfach im Bett gelegen. Seinen Hund – ein Mix aus Rottweiler und Schäferhund – will er nicht gegen die Beamten angestachelt, sondern nur gesagt haben: "Pass auf". Die Wohnung habe er ohne Widerworte verlassen. V. bestreitet, seine Lebensgefährtin geschlagen und so die Verletzungen an ihren Armen verursacht zu haben. Sie sei betrunken die Treppe runtergestürzt.

Bei Amtsrichter Herbert Zapf überwiegt die Skepsis. Er glaubt den beiden Polizisten, auf deren Aussagen auch die Anklage beruht. Max V. verurteilt er zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Das hatte auch die Staatsanwältin zuvor gefordert. Der größere Teil der Strafe entfällt mit sechs Monaten auf den Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, den der Richter im Aufhetzen des Hundes gegen die Polizisten sieht. Für die Beleidigungen gibt es zwei Monate. Dass am Ende sieben statt acht Monate Gefängnis herauskommen, hat damit zu tun, dass eine Gesamtstrafe gebildet wird. Die muss geringer sein, als die Summe der Einzelstrafen.

Aus Sicht des Richters ist Max V. damit gut bedient. Zwar darf er sich in der zweijährigen Bewährungszeit keine Verfehlungen erlauben. Bei einer Geldstrafe wäre es dem Familienvater, der von Grundsicherung lebt und nach eigenem Bekunden wegen einer Verletzung arbeitsunfähig ist, an die ohnehin knappe Kasse gegangen.

V. ist dennoch überhaupt nicht einverstanden. Der ohne Verteidiger erschienene Riesaer sieht sich als Opfer: "Ich bin hier nur der Dumme", poltert der Riesaer – der zwar nach eigenen Worten dabei ist, sein Leben besser zu regeln, der aber auch in diesem Moment eher nicht gerade besonnen wirkt. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

**Name geändert

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