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Riesas fehlende Bahnbrücke

Die Querung über die B 169 wurde vor gut 20 Jahren geplant und genehmigt, aber nie gebaut. Der Streckenbetreiber will, dass sich das ändert.

Über diese Stelle an der Chemnitzer Hohle in Riesa soll wieder eine Bahnbrücke verlaufen. Die alte Brücke war im Zuge des Baus des neuen B 169 vor mehr als 20 Jahren abgerissen und kein Ersatz gebaut worden.
Über diese Stelle an der Chemnitzer Hohle in Riesa soll wieder eine Bahnbrücke verlaufen. Die alte Brücke war im Zuge des Baus des neuen B 169 vor mehr als 20 Jahren abgerissen und kein Ersatz gebaut worden. © Foto: Lutz Weidler, Bearbeitung: SZ

Riesa. Der Lkw-Unfall an der Brücke in Nickritz hat sie wieder ins breitere Bewusstsein gerückt: die Bahnstrecke zwischen Riesa und Nossen. Jahrzehntelang verband die rund 35 Kilometer lange Trasse die Elbestadt mit der südlich gelegenen Lommatzscher Pflege. Eine Seniorin, die von dort stammt, aber seit vielen Jahrzehnten in Riesa lebt, kann sich noch gut an Fahrten auf der Verbindung erinnern.

Ende der 1990er Jahre war aber damit Schluss: Trotz Bürgerprotesten rollte am 23. Mai 1998 die letzte Regionalbahn über die Strecke. Gut anderthalb Jahre später war es dann auch mit dem Güterverkehr vorbei. Es folgten gut zwei Jahrzehnte, in denen insbesondere ab Riesa wenig an der Strecke passierte – abgesehen davon, dass die Natur davon zunehmend Besitz ergriff.

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Doch der jetzige Streckeneigentümer will das ändern. Die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie – kurz: NRE – hat vor, die Strecke wieder für den Güterzugbetrieb zu reaktivieren. Und das auf der gesamten Länge, betont Geschäftsführer Eckart Sauter. Also von Nossen bis zum Anschluss ans Netz der Deutschen Bahn nahe dem Riesaer Bahnhof.

In den vergangenen Jahren ist die NRE bei diesem Vorhaben ein gutes Stück vorangekommen. Zuletzt hatte das Infrastrukturunternehmen im Mai dieses Jahres angekündigt, den rund 15 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen dem Nossener Ortsteil Ziegenhain und dem Hirschsteiner Ortsteil Prausitz reaktivieren zu wollen. Das ursprünglich gesteckte Ziel, im Herbst so weit damit fertig zu sein, dass etwa einmal wöchentlich ein Güterzug über den Abschnitt rollen kann, ist zwar laut NRE-Chef Sauter nicht zu schaffen. Zuletzt hatte er sich aber optimistisch gezeigt, dass es nächstes Jahr dazu kommen wird.

Der nächste Reaktivierungs-Abschnitt nach dem Prausitzer Bahnhof läge dann bereits auf Riesaer Flur. Die zwischen den Ortsteilen Böhlen und Gostewitz verlaufende Strecke zieht sich weiter vorbei am Ortsteil Nickritz nach Pausitz über die Leipziger Straße, hinter Neways Electronics und dem Gewerbegebiet am Südspeicher entlang in Richtung Lommatzscher Straße.

Nach dem dortigen Bahnübergang wird es allerdings spannend. Denn selbst, wenn die vom Grün überwucherten Gleisanlagen wieder freigelegt und so weit instandgesetzt wären, gibt es an der Chemnitzer Hohle ein für den Zugverkehr derzeit unüberwindbares Hindernis: Es fehlt die Brücke über die B 169.

Der Bahnübergang Lommatzscher Straße: Nicht nur dort, sondern an vielen weiteren Streckenteilen der Bahnstrecke Riesa-Nossen dominiert der Bewuchs das Bild.
Der Bahnübergang Lommatzscher Straße: Nicht nur dort, sondern an vielen weiteren Streckenteilen der Bahnstrecke Riesa-Nossen dominiert der Bewuchs das Bild. © Lutz Weidler

NRE-Chef Eckart Sauter spricht von einem Versäumnis des damaligen Streckeneigentümers, der Deutschen Bahn. Diese habe beim Bau der damals neuen B169 Anfang der 2000er darauf verzichtet, dass eine neue Bahnbrücke gebaut wird – weil es für die Strecke Riesa-Nossen da schon Stilllegungspläne gegeben habe.

Laut Sauter war die neue Bahnbrücke seinerzeit aber vom Land geplant und auch genehmigt worden. Deshalb müsse die Querung über die B 169 jetzt auch nachgeliefert, sprich: nachträglich gebaut, werden. Da Baupläne existieren, müsse das Land Sachsen diese nur aus der Schublade holen. Im Grunde, so Sauter, werde die neue Brücke dann so aussehen wie jene nur wenige Meter weiter, die den Gleisanschluss ins Riesaer Ölwerk herstellt.

Doch stimmt das wirklich?

Nachfrage bei der zuständigen Straßenbaubehörde, dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Das bestätigt, dass die betreffende Bahnbrücke über die Bundesstraße "Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses" gewesen ist. Das wiederum heißt: Sie wurde genehmigt. Warum sie nicht gebaut wurde, dazu äußert sich die Behörde nicht.

Die Genehmigung für die Brücke hat indes aus Sicht des Lasuv auch weiterhin Gültigkeit. Dabei sei jedoch geregelt, "dass der Bau der Brücke tatsächlich nur dann notwendig ist, wenn die DB AG oder ein anderer Eisenbahnbetreiber nachweist, dass ein Streckenbetrieb ermöglicht werden kann", so eine Sprecherin.

Daran, so unterstreicht NRE-Chef Eckart Sauter, arbeiten er und sein Unternehmen.

Doch ob und wann tatsächlich ein Brückenbau kommt, dahinter dürfte ein großes Fragezeichen bleiben. Auf Nachfrage zu möglichen Baukosten erklärt das Lasuv, dazu könne man ohne weitergehende Ermittlungen keine belastbare Aussage machen.

Das habe zum einen mit der veränderten Bautechnologie zu tun: So sei zum Beispiel beim Bau der Trasse durch die Chemnitzer Hohle ohne Verkehr gebaut worden, heute müsste unter Verkehr gebaut werden. Hinzu komme, dass sich im Laufe der Jahre Vorschriften und Regelwerke mehrfach geändert hätten.

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Zu Aussagen, wonach die Brücke zur Jahrtausendwende Baukosten von rund einer Million Euro gehabt hätte, nimmt die Straßenbehörde nicht direkt Stellung. Stattdessen wird auf den kontinuierlichen Anstieg des Baupreisindexes in den vergangenen Jahren verwiesen und die sprunghaften Steigerungen in der vergangenen Zeit.

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