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Riesas Jugendhaus vor der Wiedereröffnung

Nach 20 Monaten Umbau steht im bunten Haus am Bahnhof der Neustart an – für den der Betreiber so einige Ideen hat.

Von Eric Weser
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Weiße Wände, heller Fußboden, große Lampen: Noch sieht es karg aus im umgestalteten Riesaer Jugendhaus, wie hier im ersten Obergeschoss. Das soll sich aber ändern, sagen die Mitarbeiter vom Betreiber Outlaw, Kay Natusch (l.) und Anja Müller.
Weiße Wände, heller Fußboden, große Lampen: Noch sieht es karg aus im umgestalteten Riesaer Jugendhaus, wie hier im ersten Obergeschoss. Das soll sich aber ändern, sagen die Mitarbeiter vom Betreiber Outlaw, Kay Natusch (l.) und Anja Müller. © Sebastian Schultz

Riesa. Von außen sieht das Offene Jugendhaus (OJH) nahe dem Bahnhof so bunt aus wie eh und je. Doch im Gebäude geht es in diesen Tagen nüchtern zu: Weiße Raufasertapete ziert die Wände vieler völlig leerer Räume.

So karg soll es nicht bleiben. In den nächsten Wochen sollen zuletzt ausgelagerte Möbel, Küchenutensilien, Computer und Tontechnik wieder herzukommen. Nach anderthalb Jahren Sanierung und Umbau soll wieder Leben einziehen. "Wir können jetzt schon ein wenig einräumen und uns mit dem Haus vertraut machen. Ab 1. Januar dürfen wir es dann offiziell nutzen", sagt Anja Müller, Teamleiterin beim freien Träger Outlaw. Outlaw betreibt im Auftrag der Stadt mehrere Riesaer Jugendeinrichtungen. Darunter auch das OJH.

Blickfang zwischen Bahnhof und Elbbrücken: Das Offene Jugendhaus fällt seit Jahrzehnten durch seine markant bunte Fassadengestaltung auf. Im Zuge der Sanierung wurde zuletzt auch der Außenbereich umgestaltet.
Blickfang zwischen Bahnhof und Elbbrücken: Das Offene Jugendhaus fällt seit Jahrzehnten durch seine markant bunte Fassadengestaltung auf. Im Zuge der Sanierung wurde zuletzt auch der Außenbereich umgestaltet. © Sebastian Schultz

Eigentlich hatte dessen 30-jähriges Bestehen Ende 2020 im fertig sanierten Gebäude gefeiert werden sollen. Doch das ursprünglich angesetzte halbe Jahr Bauzeit ließ sich nicht halten. Die Corona-Situation und unvorhergesehene Schäden am Haus kamen dazwischen, verteuerten die Sanierung und verlängerten die Baudauer. Nun ist nach knapp 20 Monaten fast alles fertig. Nach letzten Arbeiten soll im neuen Jahr der offizielle Startschuss folgen.

Sehnlich erwartet werde der von vielen Jugendlichen, sagt Outlaw-Mitarbeiter Kay Natusch. Für sie sei als Anlaufpunkt in Riesa zuletzt nur das "Riemix" an der Klötzerstraße geblieben. "Aber das ist eher ein Ort für Kinder und Familien", sagt Anja Müller. Zwischen Eltern und jüngeren Kindern hätten sich viele Jugendliche aber nicht recht wohlgefühlt und das auch rübergebracht, so Kay Natusch. Deshalb sei es gut, dass nun wieder das OJH zur Verfügung stehe.

Dort soll sich künftig Gewohntes mit viel Neuem vereinen. Der Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss soll eine flexible Bühne bekommen. Nebenan gibt es wieder eine Bar, die bei Veranstaltungen vom kürzlich neu gegründeten OJH-Förderverein betrieben werden soll. Neu im Erdgeschoss außerdem: ein barrierefrei erreichbares WC.

Im Erdgeschoss soll sich auch künftig wieder der Veranstaltungsbereich mit Bühne befinden.
Im Erdgeschoss soll sich auch künftig wieder der Veranstaltungsbereich mit Bühne befinden. © Sebastian Schultz
Nebenan gibt es jetzt ein barrierefreies WC. Das OJH -Erdgeschoss selbst kann über eine Rampe barrierefrei erreicht werden.
Nebenan gibt es jetzt ein barrierefreies WC. Das OJH -Erdgeschoss selbst kann über eine Rampe barrierefrei erreicht werden. © Sebastian Schultz

Die wohl größte Veränderung gibt es im ersten Obergeschoss. Dort ist durch das Entfernen von Wänden ein riesiger Raum entstanden. Er soll lockeres Beisammensein in größeren Gruppen ermöglichen, etwa bei Kochabenden. In einem "Medienraum" auf der Etage sollen künftig neue Podcasts über junges Leben in Riesa entstehen – ein Format, das erst kürzlich ausprobiert wurde und gut ankam.

Im ausgebauten Dachgeschoss werden die Outlaw-Mitarbeiter ihre Büros haben. Drei Fachkräfte sind es, die sich um die Betreuung der jungen Leute im OJH kümmern. Hinzu kommt laut Anja Müller noch jemand, der im Moment eine Erzieherausbildung macht.

Im Dachgeschoss sollen künftig die OJH-Mitarbeiter ihre Büros haben. Aus Brandschutzgründen dürfen sich in der obersten Etage maximal acht Personen aufhalten.
Im Dachgeschoss sollen künftig die OJH-Mitarbeiter ihre Büros haben. Aus Brandschutzgründen dürfen sich in der obersten Etage maximal acht Personen aufhalten. © Sebastian Schultz

Eine Herausforderung im sanierten OJH dürfte noch der Keller werden, sagt Kay Natusch. Dort ist bei den Bauarbeiten relativ wenig passiert. Ein Raum für Bands und einer zum Produzieren von Musik und Sounds sollen aber wieder entstehen, wünscht sich Natusch. Die Herausforderung sei, dass es in den Räumen nicht schimmle.

Angesichts des derzeitigen Zustands wartet in den nächsten Wochen und Monaten noch viel Arbeit auf die Outlaw-Mitarbeiter und die jungen Hausnutzer. Der Einsatz, den Jugendliche zuletzt gezeigt hätten, stimmt Kay Natusch aber zuversichtlich. Bei einer Putzaktion am Wochenende hätten viele junge Leute mitgeholfen. Auch für die nächsten Wochen, in denen das OJH in Beschlag genommen und kreativ gestaltet werden soll, haben sich schon etliche junge Leute als Helfer bereit erklärt.

Dass die OJH-Sanierung viel länger gedauert hat als ursprünglich angenommen, daraus will man beim Outlaw niemandem einen Vorwurf machen. Die Umstände seien eben so gewesen, sagt Anja Müller. Dass die Stadt das Haus als Jugendeinrichtung erhalten hat, wertet die Teamleiterin als gute Entscheidung. Es brauche Rückzugsorte für junge Leute – auch und gerade in einer alternden Stadt. Wer sich wohlfühle, der komme vielleicht auch später einmal nach der Ausbildung wieder zurück, statt Riesa den Rücken zu kehren.

Eine massive Fluchttreppe befindet sich seit einiger Zeit an der Rückseite des OJH. Den Brandschutz des Gebäudes auf den aktuellen Stand zu bringen, war einer der wesentlichen Punkte der jüngsten Sanierung.
Eine massive Fluchttreppe befindet sich seit einiger Zeit an der Rückseite des OJH. Den Brandschutz des Gebäudes auf den aktuellen Stand zu bringen, war einer der wesentlichen Punkte der jüngsten Sanierung. © Sebastian Schultz

Für die nächsten Monate, wenn sich dann hoffentlich auch die Corona-Lage entspannt, hat man beim OJH-Betreiber schon einige Pläne. So soll es zum Beispiel verstärkt Disco-Angebote geben. "Da haben wir schon vor Corona bemerkt, dass ein unheimlicher Bedarf besteht", sagt Anja Müller. Coronabedingt hätten viele Jugendliche auch gar nicht erlebt, was es heiße, mal eine Nacht durchzutanzen – obwohl das zum Erwachsenwerden dazugehöre.

Eine große Eröffnungsparty soll es auch irgendwann geben. Allerdings erst, wenn die Corona-Lage es zulässt. Mit 2G werde man nicht anfangen, das sei auch Konsens mit den Jugendlichen. Das OJH sei ein offenes Haus – für alle.