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Roboter ersetzen Schafe auf Elbwiesen

Ein Schäfer darf seine Herde nicht mehr bei Riesa weiden lassen. Jetzt machen es Maschinen, weil es das Umweltamt so will. Ist das ökologisch?

Von Jörg Richter
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Schafe weiden nach wie vor auf beiden Seiten der Elbe. Aber bei Promnitz kommen Mäh-Roboter zum Einsatz.
Schafe weiden nach wie vor auf beiden Seiten der Elbe. Aber bei Promnitz kommen Mäh-Roboter zum Einsatz. © Sebastian Schultz

Promnitz. In den vergangenen zwei Wochen haben Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) die Elbwiesen bei Promnitz gemäht. Bisher waren immer Schafe im Einsatz. Entsprechend verwundert reagiert Anwohner Wolf-Nicol von Wolffersdorff, der sich mit seiner Familie und einem Verein um die Sanierung des hiesigen Schlosses bemüht, auf das Geschehen vor dessen Mauern.

Er habe stets einen guten Kontakt zum Schäfer gepflegt und seine Arbeit sehr geschätzt. "Wir haben gern Wasser für die Tiere bereitgestellt", sagt er. Denn das Mähen der Elbwiesen und das gleichzeitige Entsorgen der Grasmahd hält er für wichtig, war doch auch das einstige Rittergut von den Hochwassern 2002 und 2013 betroffen. Bleiben die Elbwiesen unbewirtschaftet, wächst erst das Gras, später Büsche und sogar Bäume - so wie unterhalb der beiden Riesaer Elbbrücken.

"Aber warum müssen das denn Maschinen machen?", fragt er kritisch. "Schafe sind doch viel umweltfreundlicher." Gerade in einer Zeit, in der die Bundespolitik künftig verstärkt nach dem Umweltschutz ausgerichtet werden soll, müsste doch das Beweiden mit Schafherden oberste Priorität haben, so von Wolffersdorff. Und billiger sei es außerdem. Er wundert sich, wie viele Leute und Maschinen bei der Mähaktion eingesetzt wurden. Drei hat er gezählt.

Von Schmilka nach Promnitz

Tatsächlich sollen es doppelt so viele gewesen sein, bestätigt das WSA in Dresden. Von dort heißt es: "Das kostet uns nichts extra." Schließlich seien es eigene Mitarbeiter und Maschinen.

Sogar zwei Mähroboter, die jeweils von einer Person bedient wurden, sind zum Einsatz gekommen. Einen Roboter habe das WSA vom Oberlauf der sächsischen Elbe anfahren lassen. Er sei sonst zwischen Dresden und Schmilka unterwegs.

Wie das Wasser- und Schifffahrtsamt außerdem bekannt gibt, seien bei der Aktion nur die Elbwiesen zwischen Moritz und den Riesaer Brücken gemäht worden. Das WSA folgte damit einer wasserrechtlichen Anordnung durch das Landratsamt Meißen.

Freiwillig hätte es das WSA nicht getan. Denn hinter den Kulissen gibt es Streit zwischen dem Bund und den Ländern, wer für die Pflege der Flussufer aufkommen soll. Die Wasserschifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes, zu dem das WSA Elbe gehört, hat deshalb fristgerecht Widerspruch eingelegt.

Das bestätigt das Landratsamt Meißen. Die wasserrechtliche Anordnung stammt vom 27. Mai 2021. Darin wurde die WSV zur Durchführung von Unterhaltungsmaßnahmen verpflichtet und der sofortige Vollzug angeordnet.

Aber warum nicht mit Schafen, so wie vorher auch? - Darauf antwortet das Landratsamt: "Die langjährig gewachsenen, krautigen Pflanzen der Hochstaudenfluren werden von Schafen eher verschmäht." Außerdem handele es sich bei den Auenwäldern um besonders geschützte FFH-Gebiete, die der Freistaat Sachsen bei der EU angemeldet hat. "Bei einer Beweidung mit Schafen kann nicht gewährleistet werden, dass nicht auch in geschützte Bereiche eingegriffen wird", heißt es aus Meißen. Das hatte das dortige Umweltamt kritisiert.

Um dies zu vermeiden, seien der WSV mit der wasserrechtlichen Anordnung auch Karten beigefügt worden. Aus denen sich die Flächen, die unterhalten werden müssen, entnehmen lassen. Eine solche „flächenscharfe“ Mahd sei nur maschinell möglich. "In diesem Zusammenhang weisen wir noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass die Elbwiesen außerhalb der besonders geschützten Auwälder auch weiterhin mit Schafen beweidet werden können."

Nicht mehr lukrativ für Schäfer

Doch darauf hatte der Schäfer verzichtet. Denn gerade die Pflege und das Beräumen der Auenwälder von Hand war für ihn lukrativ. Deshalb hatte er im Frühjahr eine seiner drei Schafherden verkauft bzw. schlachten lassen, weil er sie wegen des weggefallenen Auftrags nicht mehr brauchte.

Wie der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) bestätigt, soll derselbe Schäfer mit einer Herde an der Elbe zwischen Nünchritz und Merschwitz unterwegs sein. Die gemeindeeigenen Wiesen entlang der Elbe zwischen Diesbar-Seußlitz und Merschwitz würden außerdem von den Schafen des Diesbarer Landwirts Richard Ulrich niedrig gehalten.