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Hier rodelt die Region

Jeder noch so kleine Hügel wird derzeit zur Piste umfunktioniert, teils sogar Straßen gesperrt. Wo und womit in den nächsten Tagen gerodelt werden kann.

Die Waldstraße wird bei Schnee eigens für den Autoverkehr gesperrt und damit zur Rodelpiste. Frank Pökert und Tochter Emma setzten sich am Donnerstag auf den Schlitten.
Die Waldstraße wird bei Schnee eigens für den Autoverkehr gesperrt und damit zur Rodelpiste. Frank Pökert und Tochter Emma setzten sich am Donnerstag auf den Schlitten. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa/Großenhain. Wegen Corona fällt für viele der Winterurlaub in den Bergen aus. Doch Frau Holle und Goldmarie sei Dank gibt es seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder richtig viel Schnee. Und das auch bei uns im Flachland zwischen Elbe und Röder, wohin sich in den vergangenen Jahren sonst selten ein paar Schneeflocken verirrt haben. Während die Erwachsenen über Glatteis und Frost stöhnen, erleben viele Kinder in der Region ihren ersten richtigen Winter und genießen ihn mit ihren Schlitten.

In Riesa schwärmen die Älteren noch von einer Rodelpiste, die heute längst verschwunden ist: An der Gasanstalt ging es aus Richtung Kino hinunter, schreibt eine SZ-Nutzerin bei Facebook. Und die Leserin Christel Buscher erinnert sich: "Als ich Kind war hat die Stadt den gesamten Lerchenweg gesperrt... das war eine super Rodelbahn!"

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Gesperrt wurde auch in diesem Jahr wieder eine Straße: An der Waldstraße in Riesa-Weida fahren jetzt keine Autos mehr, stadtauswärts kann damit gefahrlos gerodelt werden. "Richtig lange Pisten hat Riesa aus geografischen Gründen ja nicht", sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. Die Richtung Canitzer Segelflugplatz führende Waldstraße ist als Rodelberg noch am ehesten geeignet. "An der Waldstraße im hinteren Teil gibt es keine Anwohner und auch keinen Autoverkehr."

Verein leiht Schlitten aus

Angesichts der Schneemengen werden aber auch die kleineren Hänge genutzt, die sich etwas weiter Richtung Innenstadt auftun. An der Stendaler Straße kommen sogar diejenigen auf ihre Kosten, die selbst keinen Schlitten haben: Dort verleiht der Aufladen die Gefährte kostenlos. "Das wurde auch rege genutzt", erklärt Sprungbrett-Mitarbeiter Wolfgang Priebs. Am Donnerstag jedenfalls sei keiner der sechs Schlitten übrig geblieben, auch die zusätzlich verfügbaren "Porutscher" waren weg. Ab 9 Uhr könne man sich im Aufladen sein Rutschgefährt ausleihen.

In Großenhain fällt die Suche schwieriger aus. "Wer kann uns mit einem Schlitten aushelfen?", heißt es auf einer Großenhainer Facebook-Seite. Dort hat sich seit dem Wochenende so etwas wie eine Rodelbörse ergeben. Zahlreiche junge Eltern sind auf Suche nach geeignetem Gerät, um mit ihren Sprösslingen die Berge hinunter zu sausen. Das Dilemma: Angesichts weitgehend schneeloser Winter in den letzten Jahren ist Rodeln fast in Vergessenheit geraten, gehört ein Schlitten vielerorts nicht zum Standard.

Auf den Rodel-Geheimtipps in der Stadt kann man sich inzwischen überzeugen, dass auch in Ermangelung eines Schlittens die Rutschpartie nach unten möglich ist. Kurzerhand werden da utopisch aussehende Plastik-Gefährte gesichtet. Aber auch eine größere Einkaufstüte erfährt plötzlich eine völlig neue Bedeutung.

Wolfgang Priebs zeigt die Schlitten, die im Aufladen in Riesa-Weida verliehen werden.
Wolfgang Priebs zeigt die Schlitten, die im Aufladen in Riesa-Weida verliehen werden. © Klaus Dieter Bruehl

Essen zum Mitnehmen

Wie dem auch sei: Die bekannten Schlittenspuren sind insbesondere am Kupferberg, im Stadtpark und auf dem Kreuzberg hinter dem Kaufland in Richtung Skassa zu finden. Jeder noch so kleine Hügel im Stadtgebiet scheint derzeit für den Rodelspaß begehrt zu sein. Gleiches gilt für Skiläufer, die sich allerdings beim Langlauf ihre Loipen erst einmal selbst schaffen müssen. Auch bei ihnen werden die unterschiedlichsten Modelle gesichtet: vom "ausgebufften" Alpine-Ski, wie er im Alpen-Urlaub verwendet wird, über das Langlauf-Brett aus Kunststoff bis hin zum ganz normalen Touren-Ski aus Holz mit der guten alten Bindung aus DDR-Zeiten.

Wer Lust hat, trotz geschlossener Gaststätten inmitten der weißen Pracht auszuruhen, kann auch das im Großenhainer Stadtpark tun. Selbstverständlich, so Rathaussprecherin Diana Schulze, unter Beachtung der geltenden Abstandsregeln und Beschränkungen. Doch gegen einen kurzen Besuch am To-Go-Stand am Restaurant Mückenschänke ist sicherlich nichts einzuwenden. Jeden Sonntag ab 11 Uhr hat er geöffnet. Zudem bietet das Restaurant in dieser Woche – passend zum Valentinstag – das Wunschessen zum Mitnehmen.

Eher selbst geschmierte Brote oder ein Stück Wochenendkuchen sollten die Wegzehrung sein, wenn der Ausflug in einer der verschneiten Schlossanlagen geht. Gleich nun, ob Lauterbach, Zabeltitz oder Schönfeld. Die verschneiten Parks laden zu einem idyllischen Spaziergang ein. Ein Hingucker am Zabeltitzer Palais dürften durchaus die majestätisch anmutenden schwarzen Schwäne sein. Aber ganz wichtig: Auch wenn noch etwas vom mitgebrachten Brot oder dem vermeintlich leckeren Brötchen übrig ist: Bitte die Tiere nicht füttern!

Fast jeder Hügel in und um Großenhain wird zur Piste - hier der Kreuzberg.
Fast jeder Hügel in und um Großenhain wird zur Piste - hier der Kreuzberg. © Norbert Millauer

In Nünchritz gibt es am Rande des Glaubitzer Waldes den Geiersberg. Seit Generationen pilgern dort Kinder aus Nünchritz, Zschaiten und Roda hin. Der Berg, der eigentlich nur ein etwas größerer Hügel ist, befindet sich gleich hinterm Bahndamm und ist leicht durch die Unterführung an der Wiesentorstraße zu erreichen. Auch in dieser Woche haben ihn bereits viele Kinder genutzt.

Doch ein anderer Rodelberg hat dem Geiersberg in den letzten Jahren den Rang in der Gunst der Nünchritzer Mädchen und Jungen abgelaufen. Der Hügel neben dem Bootshaus des SV Chemie Nünchritz ist ein außer Dienst gestellter Emscherbrunnen und liegt nah am Elbradweg. Von hier oben hat man einen fantastischen Blick auf den Fluss, der leicht dampfend vorbei zieht. In Richtung Elbe geht es steil hinunter, in Richtung Grödeler Straße ist die Rampe flacher, aber immer noch steil genug für eine schnelle Rodelfahrt. Sie ist eindeutig beliebter. Vor allem nachmittags ist hier viel los. Doch zu überfüllt ist es nicht. Die Corona-Abstandsregeln sind nicht in Gefahr.

Erst recht nicht am Seeberg in Glaubitz. Der ehemalige Bruchstein-Tagebau aus der Zeit, als noch Gutsherren im Schloss wohnten, hat unter anderem auch einen kleinen Hügel hinterlassen. Mangels Alternativen treffen sich hier die Glaubitzer Kinder und freuen sich, wenigstens 30 Meter rodeln zu können.

Amt mahnt: Abstand einhalten

Ein Rodel-Verbot wegen der Corona-Lage gibt es übrigens nicht. Die bisher bestehenden Regeln gelten aber weiterhin, betont Landratsamtssprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. "So darf man Rodelhänge nur im Umkreis von 15 Kilometern von der eigenen Häuslichkeit aufsuchen. Das Rodeln ist nur mit Angehörigen des eigenen Hausstandes beziehungsweise einer weiteren Person aus einem anderen Hausstand erlaubt. Die üblichen Abstandsregelungen sind einzuhalten." Großenhains Rathaussprecherin weist noch auf ein anderes Problem hin: Zugefrorene Teiche oder Wasserflächen sollten trotz der Kälte nicht betreten werden. Sie würden von der Stadt nicht auf Festigkeit geprüft.

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