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Schlüsselfund bringt Riesaer vors Gericht

Eine Postfrau verliert die Schlüssel für mehrere Wohnungen. Ein Mann, der sie gefunden haben will, bekommt statt Finderlohn Ärger mit Justiz und Polizei.

Eine Postmitarbeiterin verliert ihren Schlüsselbund. Der vermeintliche Finder stand jetzt wegen Unterschlagung vor Gericht.
Eine Postmitarbeiterin verliert ihren Schlüsselbund. Der vermeintliche Finder stand jetzt wegen Unterschlagung vor Gericht. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Postzustellerin hat offenbar einen richtig schlechten Tag erwischt. Nachdem sie am Alexander-Puschkin-Platz Briefe zugestellt hat, fällt ihr auf, dass der Schlüsselbund weg ist. Etwa zehn verschiedene Haustürschlüssel hängen daran, mit denen sich die Mitarbeiterin des Unternehmens Zutritt zu den Hausfluren und damit den Briefkästen verschafft. 

Als die Frau sich später gemeinsam mit einer Kollegin ins Haus begibt, ist der Schlüsselbund verschwunden. Eine Mieterin kann nicht helfen, erzählt aber von einem Nachbarn, der womöglich die Schlüssel gefunden habe. Mit diesem Hinweis beginnt eine kuriose Räuberpistole. 

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Auf Gut Glück Leute angesprochen

Der 47-jährige Herbert K.* sei Richtung Elbgalerie unterwegs, heißt es von der Nachbarin. Die beiden Mitarbeiterinnen machen sich kurzerhand auf den Weg. "Ich habe dann einfach den Ersten angesprochen, auf den die Beschreibung zutraf", erzählt die Kollegin der unglücklichen Briefträgerin, die hier Jasmin F.* heißen soll. Die beiden haben Glück: Schon bei der ersten Person handelt es sich um Herbert K. 

Der Riesaer erklärt auf Nachfrage, er habe den Schlüsselbund nicht gefunden, werde sich aber noch einmal umhören. "Ich hatte so ein Gefühl bei ihm und habe ihm deshalb meine Telefonnummer gegeben", sagt Jasmin F. Das Gefühl soll sich schließlich bestätigen. Nach kurzer Zeit nimmt Herbert K. Kontakt zu ihr auf und erklärt, eine Gruppe junger Ausländer, die öfter vor dem Haus anzutreffen sei, habe womöglich den Schlüssel. Gleichzeitig deutet er an, er könne als Vermittler agieren, die Gruppe werde allerdings vielleicht Finderlohn verlangen. 

Jasmin F. traut dieser Aussage nicht besonders, geht aber trotzdem auf das Angebot ein. Fast den ganzen Tag über schreibt sie mit K. Textnachrichten. "Ich wollte die Schlüssel", sagt sie. Grob gerechnet hätte ein Verlust des Bundes wohl bedeutet, dass in allen betroffenen Häusern die Schlösser am Hauseingang hätten getauscht werden müssen." Die Kosten dafür hätten wohl im niedrigen fünfstelligen Bereich gelegen, vermutet sie. Was sind da schon ein paar Hundert Euro Finderlohn? 

Es dauert einige Zeit, ehe sich Herbert K. schließlich meldet und behauptet, er "habe vielleicht was für Euch". Er schlägt kurzfristig ein Treffen vor, das Jasmin F. unter einem Vorwand absagt. "Ich hatte Angst, mich abends allein mit ihm zu treffen." Erst für den nächsten Tag vereinbart sie eine Übergabe auf dem Penny-Parkplatz an der Klötzerstraße. Die ist eine Falle: Jasmin F.s Chef versteckt sich in der Nähe, die Polizei ist auch informiert. Herbert K. übergibt F. den Schlüsselbund, Geld gibt es keins. Wenig später kommt die Polizei dazu. "Mir war schon klar, dass das passieren würde", sagt Herbert K. am Donnerstag im Amtsgericht Riesa. 

"Die Sache hätte sich einfacher gestalten lassen"

Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm nicht, dass er die Schlüssel von Dritten bekommen hat und wirft ihm Unterschlagung vor. Ganz abwegig erscheint das angesichts seiner vielen Vorstrafen nicht, die von Diebstahl bis Körperverletzung und sexuelle Nötigung reichen. Am Ende stellt das Gericht die Anklage wegen des Schlüssels aber ein. Staatsanwalt Peter Lässig spricht anschließend von einer "schwierigen Situation". Der Schlüssel sei wieder aufgetaucht, und K.s Verteidiger habe schon insofern Recht, dass Herbert K. auch als Finder ein Lohn zugestanden hätte - und zwar durchaus im Bereich von etwa 500 Euro. "Die Sache hätte sich auch einfacher gestalten lassen", sagt Lässig dazu nur. 

Eingestellt wird das Verfahren aber auch, weil Herbert K. zusätzlich noch eine schwerwiegendere Tat vorgeworfen wird, bei der die Beweislage klar ist: Er soll seiner Ex-Freundin bei einem Streit die Tasche weggenommen und sie beim folgenden Handgemenge leicht verletzt haben. Dafür verurteilt ihn Richterin Ingeborg Schäfer wegen versuchter Nötigung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von insgesamt 1.750 Euro. Kurioser Zufall: Auch dieser Fall hat mit Briefzustellern zu tun - die Frau wurde angegriffen, als sie gerade in ihr Postauto steigen wollte. 

*Namen geändert

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