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Stahlwerk-Kritiker wollen mehr Bäume in Gröditz

Damit sollen Belästigungen durch die Schmiedewerke gemildert werden. Eine erste Aktion schlägt fehl.

Gitta Noack möchte mit einer Aktion für mehr Bäume in der Stahlstadt Gröditz werben.
Gitta Noack möchte mit einer Aktion für mehr Bäume in der Stahlstadt Gröditz werben. © Sebastian Schultz

Gröditz. Besonders erfreut waren Gitta Noack und René Petrich nicht, als sie aus der Zeitung erfuhren, dass die Schmiedewerke Gröditz zu einem Bürgergespräch eingeladen hatten und kein Anwohner erschienen ist. "Wir wollen informiert werden, wenn es so etwas gibt", kritisieren sie. An den Schautafeln in der Stadt hätten sie nichts davon gelesen und auch im Röder-Journal, das jeder Gröditzer Haushalt erhält, habe nichts im Vorfeld gestanden.

"Das ist eine Kommunikationslücke", schimpft Gitta Noack. Zwar sei die Staubbelastung durch die Schmiedewerke selten geworden, dafür würde die Geruchsbelästigung nach wie vor vorhanden sein. Erst in der vergangenen Woche konnte René Petrich wegen des typischen Stahlwerkgeruchs nicht einschlafen. "Ich wollte vorm Schlafengehen lüften, doch es ging nicht", erzählt er. "Der Geruch war einfach zu heftig."

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Daraufhin habe er beim Pförtner angerufen, der die Beschwerden entgegennehmen soll. Das wurde so bei einem Bürgergespräch vor zwei Jahren zwischen Betriebsleitung und Anwohnern vereinbart. Damals seien viele Gröditzer zu der Informationsveranstaltung gekommen. "Wir mussten sogar Stühle heranschleppen, weil sie nicht reichten", erinnert sich Gitta Noack. Ein Satz, der ihnen dort gesagt wurde, hat sich in ihr Gedächtnis tief eingebrannt: "Ein Stahlwerk ist keine Schokoladenfabrik."

"Gröditz braucht ein grüne Lunge"

Gitta Noack und René Petrich, die beide in einem sanierten Wohnblock auf der Fröbelstraße, also gut 600 Meter vom Stahlwerk entfernt, leben, wollen sich nicht damit abfinden. "Das Stahlwerk wegwünschen, geht auch nicht, denn viele Leute arbeiten dort", sagt die 64-Jährige. "Aber wir müssen auch an unsere Enkel denken, die hier leben wollen."

Bis vor zehn Jahren habe sie im benachbarten Pulsen gewohnt und nichts vom Stahlwerk mitbekommen. Weder Staub, noch Lärm, noch Gestank. Sie führt es darauf zurück, dass hinter den Schmiedewerken in Richtung Pulsen ein kleiner Wald steht. Die Bäume würden viele Belästigungen abhalten und seien zudem noch wichtig fürs Klima.

Doch wie Gitta Noack, Peter Petrich und sicherlich viele andere Gröditzer beobachtet haben, wurden in den letzten Jahren zahlreiche Bäume in der Stadt gefällt und nicht durch neue Bäume ersetzt. Deshalb wollen die beiden eine Aktion starten. Gitta Noack, die einst Keramikmalerin in Strehla gelernt hatte, hat Steine bunt bemalt. Auf Schiefertafeln steht: "Eine Stadt mit Industrie wie Gröditz braucht eine grüne Lunge" und "Wir möchten viel mehr Bäume".

Bemalte Steine und Schiefertafeln sollen die Gröditzer zum Nachdenken bringen.
Bemalte Steine und Schiefertafeln sollen die Gröditzer zum Nachdenken bringen. © Sebastian Schultz

Die Tafeln mit den Botschaften und die bunten Steine wollen sie an belebten Orten hinlegen. Passanten, die vorbeikommen und die gleiche Meinung haben, sollen einen Stein dazulegen. Ein erster Versuch dieser Aktion schlug allerdings fehl.

Gitta Noack hatte ihre bunten Steine auf einen Findling auf dem städtischen Friedhof abgelegt. Gleich am Eingang, wo viele Menschen vorbei kommen. Doch bereits nach wenigen Stunden waren die bunten Steine verschwunden. Mitarbeiter der Stadtverwaltung hatten sie eingesammelt. Die 64-Jährige kam rechtzeitig dazu und erhielt ihre Steine zurück mit dem Hinweis, sie könne nicht einfach Steine hinlegen, wo sie wolle.

Dass in Gröditz Bäume nur gefällt werden, stimmt nicht. Die Stadtverwaltung hat erst in diesem Jahr auf einer Brachfläche einen "Klimapark" errichtet und dafür auch viele Bäume und Sträucher gepflanzt. Allerdings befindet sich der kleine Park nicht zwischen Wohngebiet und Stahlwerk. Deshalb seien die Schmiedewerke und die Stadt in der Pflicht, weitere Bäume zu pflanzen, sagt Gitta Noack.

"Wir stehen jederzeit für Anfragen der Anwohner zur Verfügung", teilt Ina Klix, die Pressesprecherin der Schmiedewerke Gröditz, mit. Sie bestätigt, dass es sehr wohl eine Information zum Bürgergespräch gegeben hat. Wegen der Pandemie sei die Veranstaltung allerdings sehr kurzfristig geplant worden. Im ersten Quartal 2022 soll es ein weiteres Treffen zwischen Stahlwerk und Gröditzern geben. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.

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