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Riesaer Schüler im Physiklabor

Ein Leistungskurs des Heisenberg-Gymnasiums durfte jetzt am Helmholtz-Zentrum in Dresden experimentieren. Nicht zum ersten Mal.

Schüler aus Riesa untersuchen den elektrischen Schwingkreis, Kultusminister Christian Piwarz (2.v.r.) schaut zu. Links Radoslav Vanko.
Schüler aus Riesa untersuchen den elektrischen Schwingkreis, Kultusminister Christian Piwarz (2.v.r.) schaut zu. Links Radoslav Vanko. © André Wirsig / HZDR

Riesa. Der flüssige Stickstoff sei besonders beeindruckend gewesen, sagen Radoslav Vanko und Ole Lorenz. Den Minus 190 Grad kalten Stickstoff benötigten die Schüler, um sogenannte Supraleiter zu untersuchen. Das sind Leiter, deren elektrischer Widerstand beim Unterschreiten bestimmter Temperaturen plötzlich verschwindet. "Das sind Experimente, die wir hier am Werner-Heisenberg-Gymnasium gar nicht machen könnten", sagt Physiklehrerin Anja Förster. 

Deshalb fuhren die Zwölftklässler des Leistungskurses ans Helmholtz-Zentrum in Dresden-Rossendorf (HZDR) - und verbrachten einen Tag im Schülerlabor DeltaX. "Wir waren schon letztes Jahr da, zum Mint-Tag", erzählt Radoslav Vanko. Damals ging es um Radioaktivität. Diesmal lernten die Schüler unter anderem den elektromagnetischen Schwingkreis kennen. Neben dem Aufbau spielte vor allem die Frage eine Rolle, wie sich bestimmte Parameter auf die Stromfrequenzen auswirken. 

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Laborleiter war selbst Schüler in Riesa

Am Oszilloskop konnten die Schüler anschließend ihre Vermutungen selbst überprüfen. "Wir setzen viel auf Selbstständigkeit", sagt Matthias Streller, Leiter des Schülerlabors DeltaX am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) – er war früher selber einmal Schüler am Werner-Heisenberg-Gymnasium. "Die Schüler bekommen Aufgaben und müssen sich dann persönlich damit auseinandersetzen. Wir sind nur Betreuer." Am Riesaer Gymnasium wäre so ein selbstständiges Arbeiten schon aus einem praktischen Grund nicht ganz einfach: Die technischen Geräte sind teuer, es gäbe schlichtweg nicht für jeden Schüler ein Oszilloskop. Dazu kommt noch eine Zeitersparnis, sagt die Physiklehrerin. Die Mitarbeiter des Schülerlabors bauen im Vorfeld bereits die Versuchsreihen auf, wenn die Schüler in Rossendorf ankommen, könne also gleich losgelegt werden. Dazu komme noch die ganz andere Arbeitsatmosphäre. 

Den Riesaer Schülern schaute kurzzeitig auch Kultusminister Christian Piwarz (CDU) über die Schultern, der am gleichen Tag das HZDR besuchte. Für ihn war es ein Wiedersehen: Er hatte 2018 bei der Einweihung des Labors den "Startschuss" für den neuen Labortrakt gegeben. 

Etwa 3.500 Schüler besuchen jedes Jahr das DeltaX-Labor. "Das Anmeldefenster schließt sich meistens ziemlich rasch", verdeutlicht Matthias Streller die rege Nachfrage. Das Angebot ist, von der An- und Abreise abgesehen, kostenlos. Aus Riesa sei neben dem Werner-Heisenberg-Gymnasium auch das Berufsschulzentrum regelmäßig vor Ort. "Wir stellen fest: Die Schulen aus dem Dresdner Umland kommen oft und gern zu uns - weil es eben schon etwas Besonderes ist." Neben der Physik decken Streller und seine Mitarbeiter auch Themen aus Biologie und Chemie ab. Das Ziel sei nicht nur, Wissen über den schulischen Rahmen hinaus zu vermitteln. "Wir wollen auch neugierig machen und das Interesse an Wissenschaft fördern." 

Stoff, der nicht im Lehrplan steht

Das dürfte bei den Riesaer Schülern ohnehin vorhanden gewesen sein. Radoslav Vanko und Ole Lorenz beispielsweise belegen neben Physik jeder noch zwei weitere Leistungskurse. "Ich habe schon vorher die S-Klasse besucht", erzählt Ole, "da waren Naturwissenschaften schon immer ein Thema." Radoslav hingegen sagt, er habe sich wegen des dritten Leistungskurses bewusst für das Heisenberg-Gymnasium entschieden, als er aus dem Erzgebirge hergezogen ist. Beide wollen nach dem Abitur im naturwissenschaftlichen Bereich studieren, sagen sie. Da sei es schon interessant, dass man auch mal etwas weiter geht, als es der Lehrplan vorgibt. 

Neben den Experimenten und einer theoretischen Vorbereitung gab es beim Besuch der Riesaer Schüler auch eine kurze Einführung zur Arbeit der Wissenschaftler am HZDR. Dort wird vor allem Grundlagenforschung betrieben - wie eben die Suche nach den sogenannten Supraleitern. Die könnten in Zukunft einmal behilflich sein, den etwa durch Windparks in Norddeutschland erzeugten Strom über weite Distanzen zu transportieren. Aus wirtschaftlicher Sicht also ein lukratives Ziel, das aber noch weit weg ist, erklärt Matthias Streller. Die Supraleitung sei schon vor mehr als 100 Jahren entdeckt worden. Vieles wisse man aber auch heute noch nicht genau. 

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