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Ein Arbeitsplatz in 60 Meter Höhe

Zwischen Streumen und der Elbe werden zurzeit mehrere Strommasten neu errichtet. Dazu braucht es sechs Kräne und zwei Hand voll schwindelfreier Männer.

Die Monteure warten auf das nächste Bauteil, das im Hintergrund bereits an Kranseilen heranschwebt. Dieses Foto wurde von einer Drohne aufgenommen, mit der der Konzern die Arbeiten am neuen Masten bei Zeithain dokumentiert.
Die Monteure warten auf das nächste Bauteil, das im Hintergrund bereits an Kranseilen heranschwebt. Dieses Foto wurde von einer Drohne aufgenommen, mit der der Konzern die Arbeiten am neuen Masten bei Zeithain dokumentiert. © Manfred Vogel / 50Hertz

Zeithain. Die ausgefahrenen Autodrehkräne sind schon von Riesa aus sichtbar. Dabei stehen sie weit weg, auf einem abgeernteten Getreidefeld bei Zeithain. Die grauen Fahrzeuge haben sich um einen Strommasten aufgestellt, der gerade errichtet wird. Je näher man kommt, umso beeindruckender ist die Szenerie.

Überall liegen große Stahlplatten auf dem Feld. Sie geben den Kränen einen festen Grund. Auch die Zufahrt ist mit Stahlplatten ausgelegt. Allerdings für eine entsprechend große Achsenbreite. Zwischen den Platten ragen Strohhalme hervor. Pkw, die hier lang fahren, erhalten eine kostenlose Unterbodenreinigung.

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Auf der rund 3.000 Quadratmeter großen Stahlfläche angekommen, fällt sofort ein größeres Bauteil des Gittermasten auf, das hier liegt. Ein paar Bauarbeiter hängen es an die Seile eines Kranes. Langsam erhebt es sich und schwebt hinauf in etwa 60 Meter Höhe, wo die Monteure schon auf das vorletzte Teil des Masten warten.

"Hitze will keiner haben"

Eine kleine Drohne schwirrt dort oben umher und macht Fotos. Die Kamera sieht in die lächelnden Gesichter der Männer, die völlig entspannt die weite Aussicht ins Land genießen. Unten steht Obermonteur Marco Pfeil und blickt ebenfalls ganz entspannt. "Das Wetter spielt mit", sagt er. Der Himmel hängt zwar voller Wolken, aber es regnet nicht. Die Luft ist leicht schwül, doch nicht zu sehr. "Das ist optimal", sagt der 50-Jährige. "Hitze mit über 30 Grad Celsius will auch keiner haben."

Für den späten Nachmittag ist heftiger Niederschlag vorhergesagt. Doch bis dahin ist es noch eine Weile. Die Mastenbauer liegen sehr gut in der Zeit. Am Vortag hatten sie den alten Masten abgebaut. Vier Kräne, zwei vor und zwei hinterm Masten, haben die Stromleitungen - die Fachleute nennen sie Leiterseile - zur Seite genommen und halten sie seitdem fest. Auch die ganze Nacht über.

Jetzt, am zweiten Tag, wird seit dem Morgen der neue Masten aufgebaut. Er ist stabiler und kann größeren Krafteinwirkungen standhalten. Er gehört zu den 17 Masten, die der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz auf der Strecke zwischen dem Umspannwerk Streumen und Eula, im Süden von Leipzig, neu errichten lässt.

Mehrere Autodrehkrane sind erforderlich, um so einen Masten zu errichten. Die hinteren halten die stromlosen Leiterseile fest. Auf den Stahlplatten liegt vorn der alte Mast.
Mehrere Autodrehkrane sind erforderlich, um so einen Masten zu errichten. Die hinteren halten die stromlosen Leiterseile fest. Auf den Stahlplatten liegt vorn der alte Mast. © Sebastian Schultz
Der 30-jährige Elektroingenieur Johannes Herbrich ist Teil-Projektleiter bei 50 Hertz und trägt die Verantwortung, dass der Mastaustausch reibungslos verläuft.
Der 30-jährige Elektroingenieur Johannes Herbrich ist Teil-Projektleiter bei 50 Hertz und trägt die Verantwortung, dass der Mastaustausch reibungslos verläuft. © Sebastian Schultz
Das vorletzte Bauteil des Masten ist bald da. Jetzt ist von dem Kranführer Präzisionsarbeit und Fingerspitzengefühl gefragt.
Das vorletzte Bauteil des Masten ist bald da. Jetzt ist von dem Kranführer Präzisionsarbeit und Fingerspitzengefühl gefragt. © Manfred Vogel / 50Hertz
Marco Pfeil leitet die Monteurkolonne. Auf dem Ärmel seiner Jacke ist eine Strichliste abgedruckt. Jeder Strich bedeutet ein neuer Strommast.
Marco Pfeil leitet die Monteurkolonne. Auf dem Ärmel seiner Jacke ist eine Strichliste abgedruckt. Jeder Strich bedeutet ein neuer Strommast. © Sebastian Schultz
Nun ist das Bauteil da. Die Freileitungsmonteure führen es mit dem unteren Teil zusammen, um es anschließend verschrauben zu können.
Nun ist das Bauteil da. Die Freileitungsmonteure führen es mit dem unteren Teil zusammen, um es anschließend verschrauben zu können. © Manfred Vogel / 50Hertz

"Die Männer da oben sind ein eingespieltes Team", sagt Johannes Herbrich. Er ist der Teilprojektleiter von 50 Hertz für den Bereich Sachsen. Die Stimmung sei gut in der Truppe. Das braucht es auch, denn jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Den Elektroingenieur beeindruckt der enorme Zusammenhalt unter ihnen. An ihrem Baucontainer wehen sogar Flaggen, die sie als eine Kolonne der Firma Eqos Energie ausweisen.

Zehn Monteure gehören zu der Truppe um Marco Pfeil. "Das sind alles Quereinsteiger, vom Bäcker bis zum Kfz-Schlosser", verrät er lächelnd. Auch ein Brummi-Fahrer und ein ehemaliger Marinesoldat seien darunter. Die beiden Neuen in seinem Team waren bis vor Kurzem noch Bühnenbauer. Weil es aber wegen Corona keine Konzerte und Vorstellungen mehr gab, mussten sie sich einen Job suchen und sind jetzt Freileitungsmonteure.

Eine wichtige Qualifikation, die sie dazu brauchen, ist schwindelfrei zu sein. Ein Betriebsarzt muss ihnen attestieren, dass sie höhentauglich sind. Natürlich gehören auch handwerkliches Geschick und Teamfähigkeit dazu. "Ganz ohne Ausbildung kommt man nicht aus der Backstube dort hinauf", ergänzt Herbrich.

Der 30-Jährige, der häufig zwischen seinem Büro in Chemnitz-Röhrsdorf und den Baustellen pendelt, ist auch schon mal auf so einen Masten geklettert. Dafür hat er ein Höhenrettungstraining absolviert. "Die ersten Male habe ich mich krampfhaft festgehalten", erzählt er.

Alle, die dort hochsteigen wollen, müssen dieses Training nachweisen, um im Ernstfall auch mal einem Kollegen in Not helfen zu können. "Die Unfallquote auf unseren Baustellen ist aber extrem gering", sagt 50Hertz-Pressesprecher Volker Gustedt. Marco Pfeil kann das nur bestätigen. "Ich kenne keine andere Baustelle, wo es höhere Sicherheitsstandards wie bei Freileitungen gibt."

Auf dem Ärmel seiner Jacke ist eine Strichliste gedruckt. Sie zeigt an, wie viele Masten er und seine Kolonne auf ihrer "German Tour" seit 2016 neu errichtet haben. Im vergangenen Jahr waren es 33. Die Zahl für 2021 fehlt noch. Denn Pfeil und seine Kolonne sind ja noch nicht fertig. Auf der Strecke in den Leipziger Süden kommen noch einige Masten, die ausgetauscht werden müssen. Am Montag geht es an der Elbe weiter.

Seit dem 21. Juni läuft der Austausch der 17 Strommasten zwischen Streumen und Eula. Zudem werden über 100 Strommasten mit zusätzlichen Stahlprofilen verstärkt. Acht Wochen sind die 380.000-Volt-Leitungen dafür außer Betrieb. Der Strom wird in dieser Zeit über das weit verzweigte 50-Hertz-Netz umgeleitet.

So verläuft die 380 kV-Stromleitung vom Umspannwerk in Streumen nach Eula bei Leipzig.
So verläuft die 380 kV-Stromleitung vom Umspannwerk in Streumen nach Eula bei Leipzig. © SZ Grafik

Die vorbereitenden Maßnahmen, wie Abstimmungen mit Eigentümern und Bewirtschaftern der Flächen, begannen bereits im Januar. Mitte März begannen die ersten Tiefbauarbeiten an den Strommasten, die ausgetauscht werden sollen. Gruben wurden ausgehoben und 1,20 Meter starke Fundamentplatten auf einer Fläche von 15 mal 15 Metern betoniert. Für jeden Masten gibt es einen eigenen Plan für die Bewehrungsstähle im Fundament. Das macht die Arbeit nicht leichter. "Der Mast hier ist einer der beiden größten auf dieser Strecke", sagt Teilprojektleiter Herbrich. "Der andere steht in Streumen."

Er betont, dass er nicht nur großen Respekt vor den Freileitungsmonteuren hat, sondern auch vor den Kranfahrern. Denn ohne ihr Fingerspitzengefühl würden die Männer da oben die einzelnen Mastteile nie so millimetergenau zusammenschrauben können.

Insgesamt lässt 50 Hertz seit 2013 in ganz Ostdeutschland 2.400 Masten verstärken und 425 Masten ersetzen. Damit reagiert das Unternehmen auf die Klimaveränderung und die damit zunehmenden Wetterphänomene. Im Jahr 2017 war auch die Leitung Preilack-Streumen von Sturmschäden betroffen, und zwar bei Schadewitz (Landkreis Elbe-Elster). Dort hatte es drei Masten geknickt, acht weitere waren teils schwer beschädigt worden. Bis 2023/24 soll das Mastverstärkungsprogramm, das mehrere Hundert Millionen Euro kostet, abgeschlossen sein.

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