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Trotz Impfausweis Zutritt ins Seniorenheim verweigert

Eine Pulsenerin durfte ihre Mutter im Glaubitzer Pflegeheim nicht besuchen. Obwohl sie geimpft ist, soll sie einen Test machen. Das kann sie nicht verstehen.

Ilona Dießner durfte trotz Impfung nicht ihre Mutter im Glaubitzer Seniorenheim besuchen.
Ilona Dießner durfte trotz Impfung nicht ihre Mutter im Glaubitzer Seniorenheim besuchen. © Sebastian Schultz

Glaubitz. Seit drei Jahren lebt die Mutter von Ilona Dießner im Seniorenheim Glaubitz. Seit drei Jahren kommen sie und ihr Mann auch regelmäßig von Pulsen hierher zu Besuch. Meistens zweimal die Woche. Doch vor ein paar Tagen wurde ihnen der Zutritt in die Einrichtung der Volkssolidarität Riesa-Großenhain verweigert.

Als Grund nannte ihnen der diensthabende Pfleger, dass sie nicht angemeldet seien. Das sei wichtig, um genügend Personal für den Corona-Schnelltest bereitstellen zu können. Dabei verwies er auf das Hausrecht und drohte, die Polizei zu rufen.

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Das ärgert Ilona Dießner maßlos. "Wir sind doch beide geimpft. Ich verstehe nicht, warum wir noch einen Corona-Test brauchen", sagt die 64-Jährige. Auch ihre Mutter, die Ende Oktober 90 wird, sei bereits zweimal geimpft. Sie erwartet demnächst sogar ihre Auffrischungsimpfung. Aber der Pfleger ließ nicht mit sich reden.

"Ich wollte doch nur 15 Minuten zu ihr", erzählt die Pulsenerin. Sie hatte ihre Mutter seit mehr als einer Woche nicht besuchen können, weil sie sich an der Uni-Klinik Dresden operieren lassen musste. Im Normalfall hätte sie auch ein paar Tage gewartet und sich rechtzeitig angemeldet. "Aber meine Mutti ist dement", sagt Ilona Dießner. "Sie verliert immer mehr die Erinnerung an uns. Deshalb mache ich mir von Tag zu Tag Sorgen, ob sie uns überhaupt noch erkennt." Jeder Besuch sei deshalb wichtig. Auch dieses Argument konnte das Herz des Pflegers nicht erweichen.

"Ohne Test kommt keiner rein"

Der Mitarbeiter habe richtig gehandelt, betont Peter Noack, Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Volkssolidarität Riesa-Großenhain. "Es spielt keine Rolle, ob geimpft oder genesen, jeder muss sich vorher anmelden." Das sei mit dem Gesundheitsamt Meißen so abgestimmt.

Das bestätigt die Pressestelle des Landratsamtes Meißen zwar nicht. Allerdings verweist eine Pressesprecherin darauf, dass das Seniorenheim Glaubitz ein eigenes Besuchs- und Hygienekonzept auf Grundlage der aktuellen rechtlichen Vorschriften und Richtlinien entworfen hat. "Aufgrund der geringen Impfquote und eines prägenden Corona-Ausbruches im Heim hat sich die Volkssolidarität dazu entschieden, gemäß der Corona-Schutzverordnung alle Besucher, unabhängig vom Impfstatus, zu testen", so das Landratsamt.

Für die beiden Seniorenheime der Volkssolidarität Riesa-Großenhain in Glaubitz und Merschwitz formuliert es Noack so: "Ohne Test kommt keiner rein." Allerdings sei es möglich, auch einen aktuellen Corona-Test von anderer Stelle vorzulegen. Es müsse auch nicht der teure PCR-Test sein.

Bisher ist es möglich, bei Hausärzten, in Apotheken und freien Testzentren einen Schnelltest zu machen. Die Rechnung dafür bezahlt der Bund. Aber nur noch diese Woche. Ab kommenden Montag müssen die Corona-Schnelltests selbst bezahlt werden. Egal ob geimpft oder nicht geimpft.

Doch das gilt nicht für alle. Laut Gesundheitsministerium übernimmt der Staat weiterhin die Impfkosten für Personen, für die eine Impfung zu riskant wäre, sowie für Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre. Zudem erhalten Geimpfte von ihren Arbeitgebern zweimal wöchentlich einen kostenlosen Test.

Noch ist nicht sicher, wer die Testkosten für Geimpfte, wie im Fall von Ilona Dießner, übernimmt. Auch ein Anruf in einem hiesigen Testzentrum macht deutlich, dass es bis Montag noch dringenden Klärungsbedarf mit den zuständigen Behörden gibt.

Der Rentnerin liegt es fern, das Seniorenheim in Glaubitz schlecht zu machen. Im Gegenteil. "Es ist sehr schön am Waldrand gelegen und bietet sehr gute Möglichkeiten zum Spazierengehen", sagt Ilona Dießner. Auch mit der Pflege und Sauberkeit im Heim sei sie sehr zufrieden. Nun macht sie auf alle Fälle vorab einen Besuchstermin für den 25. Oktober aus. Denn dann wird ihre Mutter 90.

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