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So läuft der OB-Wahlkampf online

Die Bewerber für das höchste Amt der Stadt inszenieren sich beide im Netz. In manchen Punkten ähneln die Auftritte einander, in anderen gar nicht.

Werbung auf Plakaten oder auf Autos wie hier an der Dr.-Külz-Straße sind längst nicht alles. Auch online buhlen Riesas OB-Kandidaten um Wähler.
Werbung auf Plakaten oder auf Autos wie hier an der Dr.-Külz-Straße sind längst nicht alles. Auch online buhlen Riesas OB-Kandidaten um Wähler. © Eric Weser

Riesa. Bei öffentlichen Terminen, in Zeitungsanzeigen, über Flyer und Plakate: Riesas Oberbürgermeisterkandidaten buhlen im seit Ende Mai dauernden Wahlkampf auf verschiedene Weisen um Wählerstimmen. Längst gehört aber auch der Auftritt in der digitalen Welt zum selbstverständlichen Repertoire von Bewerbern für politische Ämter. Doch wie treten Amtsinhaber Marco Müller (CDU) und Herausforderer Gunnar Hoffmann (parteilos) im Netz auf? Die SZ hat sich das angeschaut.

Die Internetseiten

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Beide Bewerber unterhalten jeweils einen eigenen Wahlkampf-Internetauftritt. Gunnar Hoffmann schaltete zu Beginn des Wahlkampfs seine Seite www.gunnarhoffmann.de. Marco Müllers Auftritt unter www.marco-mueller.info war schon 2014 zum Einsatz gekommen. Ihr damaliges Aussehen hatte die Seite jahrelang behalten. Erst vor wenigen Wochen wurde sie für den erneuten OB-Wahlkampf aufgefrischt. Beide OB-Bewerber-Seiten fügen sich optisch in das Design der sonstigen Wahlwerbung ein – wer die Plakate aus dem Straßenbild kennt, wird Farben und Schriftarten im Netz wiedererkennen. Die Menüführung und Seitenaufteilung wirkt ähnlich. Liegen könnte es daran, dass beide Kandidaten anscheinend auf denselben Anbieter Wix.com setzen, der Webseiten zur Gestaltung nach Baukasten-Prinzip anbietet.

Die Internetseiten der Riesaer OB-Kandidaten: Links jene von Gunnar Hoffmann, rechts die von Marco Müller. Auszüge darunter zeigen die biografischen Abrisse der Kandidaten, unten mittig Visionen von Herausforderer Hoffmann für die Hauptstraße beziehungswe
Die Internetseiten der Riesaer OB-Kandidaten: Links jene von Gunnar Hoffmann, rechts die von Marco Müller. Auszüge darunter zeigen die biografischen Abrisse der Kandidaten, unten mittig Visionen von Herausforderer Hoffmann für die Hauptstraße beziehungswe © Screenshots/Montage: SZ

Unterschiede gibt es bei der Länge der Wahlprogramm-Texte. Gunnar Hoffmann verwendet 3.200 Wörter, um zu erklären, wie sein Programm für Riesa in den nächsten sieben Jahren aussieht. Marco Müller erläutert seine Ziele mit knapp 2.500 Wörtern. Unterschiede gibt es auch bei den persönlich-biografischen Abrissen: Marco Müller setzt auf Fließtext, Gunnar Hoffmann auf Stichpunkte. Außerdem auffällig: Marco Müllers Seite setzt fast ausschließlich auf Fotomotive aus Riesa. Auf Gunnar Hoffmanns Seite bekommt der Besucher hingegen zunächst viele Stock-Fotos zu sehen – Symbolfotos, die vielfach nicht in Riesa entstanden sein dürften. Visuellen Bezug zur Stadt nimmt Hoffmann in seinen "Ideen zur Stadtentwicklung", wo sich Hauptstraße, Muskator und Grubestadion in Fotos und 3D-Entwürfen erkennen lassen.

Die Social-Media-Auftritte

Wichtiger als die Webseiten, die eher eine Art Visitenkarte darstellen, dürfte die Präsenz der Bewerber in den sogenannten Sozialen Netzwerken sein. Diese Plattformen ermöglichen nicht nur, gezielt eigene Inhalte wie Texte, Fotos oder Videos zu platzieren. Über sie kann sich auch mit anderen Nutzern ausgetauscht werden – und damit auch mit potenziellen Wählern. Soziale Netzwerke gibt es einige. Beide Riesaer OB-Kandidaten setzen auf zwei davon: Instagram und Facebook, wobei letzteres das wichtigere sein dürfte.

Marco Müller betreibt bereits seit etlichen Jahren ein persönliches Profil bei Facebook unter seinem Namen. Der Amtsinhaber veröffentlicht dort regelmäßig Postings. Mal zeigen Fotos den Stand von städtischen Bauvorhaben, mal bewirbt der OB Aktionen von Riesaer Vereinen oder Betrieben. Mitunter zeigt sich Müller auch auf einem Foto mit Ehefrau und Sohnemann. Auch im Wahlkampf wechseln sich solche Inhalte ab. Seit Wahlkampfstart Ende Mai hat der amtierende OB um die 40 eigene Beiträge abgesetzt, ist also täglich etwa mit einer Veröffentlichung präsent. Zuletzt fanden sich darunter auch einige Kurz-Videos, in denen der Amtsinhaber vor die Kamera tritt und Wahlziele erläutert und um Wählerstimmen wirbt. Müller erreicht mit seinen Postings durchaus viele Menschen: Sein Profil zählt derzeit etwas mehr als 3.800 Freunde. Viele seiner Beiträge sammeln dreistellige „Gefällt mir“-Angaben von Nutzern ein.

Ein Blick auf die Facebook-Seiten der Kandidaten und ausgewählte Beiträge. Links Marco Müller, rechts Gunnar Hoffmann. Beide Kandidaten dokumentieren auf ihren Seiten Wahlkampfauftritte, aber auch sonstige Aktivitäten. Der amtierende OB Müller zeigt gern
Ein Blick auf die Facebook-Seiten der Kandidaten und ausgewählte Beiträge. Links Marco Müller, rechts Gunnar Hoffmann. Beide Kandidaten dokumentieren auf ihren Seiten Wahlkampfauftritte, aber auch sonstige Aktivitäten. Der amtierende OB Müller zeigt gern © Screenshots/Montage: SZ

Herausforderer Gunnar Hoffmann, dessen Freundesanzahl bei Facebook nicht öffentlich sichtbar ist, erntet für die Beiträge auf seinem Profil nicht ganz so viele „Likes“ wie sein Kontrahent. Er hat im selben Zeitraum etwa halb so viele Beiträge auf seiner Seite veröffentlicht wie Marco Müller. Seit er OB-Bewerber ist, hat Hoffmann seinem Profil bei Facebook den Zusatz „OB-Kandidat“ gegeben. Einblicke ins Privatleben gibt es bei ihm – anders als bei Marco Müller – so gut wie keine. Etliche von Hoffmanns Postings beinhalten stattdessen Fotos oder auch Videos, die den parteilosen OB-Bewerber bei seinen Wahlkampfauftritten zeigen oder entsprechende Termine ankündigen. Gunnar Hoffmann nutzt seine Seite mitunter auch, um Debatten anzuregen – etwa über ein jährliches Stahlkunstfestival in Riesa. In einem anderen Fall übt er scharfe Kritik an einem Artikel im Riesaer Amtsblatt zum Muskator-Gelände. Unter eigenen Postings, aber auch anderen bringt sich Gunnar Hoffmann auch immer wieder in den Kommentarspalten mit teils ausführlich Beiträgen ein – sowohl auf seinem eigenen Profil, als auch in Gruppen wie „Riesa – Eine Stadt lebt“ oder auf Seiten wie „SZ Riesa“, dem Facebook-Kanal der Riesaer SZ-Redaktion. Kontrahent Marco Müller hält sich im Vergleich dazu mit Diskussionsbeiträgen bei Facebook eher zurück und antwortet dort wenn, dann meist auf seiner persönlichen Profilseite.

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