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So steht es um die B 169

Das Land hat aktuelle Pläne für den dritten Bauabschnitt nach Salbitz vorgelegt. Sächsische.de hat einen Blick in die Unterlagen geworfen.

Gut vier Jahre alt, aber immer noch aktuell: So wie im Jahr 2016 endet auch heute die B 169 bei Seerhausen im Nichts. Autofahrer müssen auf die B 6 abbiegen. Das soll sich aber ändern. Nur: Wann?
Gut vier Jahre alt, aber immer noch aktuell: So wie im Jahr 2016 endet auch heute die B 169 bei Seerhausen im Nichts. Autofahrer müssen auf die B 6 abbiegen. Das soll sich aber ändern. Nur: Wann? © Archivfoto: Lutz Weidler

Riesa. Sie ist eins der Dauerthemen in der hiesigen Politik, der regionalen Wirtschaft und nicht zuletzt bei den Bürgern der Gegend: die schnelle Anbindung Riesas an die Autobahn A 14. Seitdem 2012 der B-169-Abschnitt nach Seerhausen eingeweiht wurde, herrscht aber zumindest gefühlt Stillstand. Der Blick ins Detail zeigt aber, dass das nicht stimmt: Kürzlich waren überarbeitete Planungsunterlagen für den dritten, rund acht Kilometer langen  Bauabschnitt von Seerhausen nach Salbitz öffentlich einsehbar. Die SZ hat einen Blick in die umfangreichen Dokumente geworfen und stellt einige Punkte vor.

Neue Daten deuten auf weniger Verkehr hin

Die vorherige Straßenplanung basierte auf Verkehrsprognosen, die bis 2025 reichten. Inzwischen gibt es aktuellere Daten, die den Prognosehorizont bis ins Jahr 2030 erweitern. Den Daten zufolge ergibt sich für den dritten Bauabschnitt eine um etwa sieben bis 16 Prozent geringere Verkehrsstärke, je nach Straßenabschnitt. So zumindest heißt es in einem extra dazu angefertigten Gutachten. 

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Befürworter der neuen Straße brauchen sich aber keine Sorgen zu machen: „Obwohl die prognostizierten Verkehrsmengen etwas geringer ausfallen, ist die Notwendigkeit der Straße weiterhin gegeben“, urteilt die Untersuchung, die etwa 12.000 Kraftfahrzeugen pro Tag auf dem dritten Bauabschnitt vorhersagt.

Straße wird Chlorid-Belastung der Jahna erhöhen

Ein eigenes, 52-seitiges Gutachten befasst sich mit dem Thema Tausalz und was dessen Einsatz auf der künftigen Straße für den Zustand der Jahna bedeuten wird – in das Flüsschen soll die neue Straße entwässert werden. Basierend auf Erfahrungswerten und Modellen haben die Planer errechnet, dass sich die Chlorid-Belastung im Gewässer zwar wegen des Straßenbaus erhöhen wird. Sie werde aber „unter dem Schwellenwert für Oberflächengewässer von 200 mg Cl/l“ liegen, sodass es „durch die Verlegung der B 169 zu keiner Verschlechterung der Gewässergüte“ mit Blick auf den Parameter Chlorid komme.

Der lange Weg zur Baugenehmigung

Damit die B 169 von Seerhausen nach Salbitz gebaut werden kann, braucht es vor allem eine Genehmigung: Erst wenn die Straßenplaner vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr grünes Licht für ihr Projekt von der Landesdirektion Sachsen bekommen, darf gebaut werden. >>

Der lange Weg zur Baugenehmigung

Dazu muss die Straßenplanung aber nicht nur fachlich akkurat sein. Weil es bei Vorhaben dieser Größe private und öffentliche Interessen in Konflikt geraten, müssen diese Interessen gegeneinander abgewogen werden. Das passiert in einem gesetzlich geregelten Verfahren, dem Planfeststellungsverfahren. Dieses zieht sich beim dritten B-169-Abschnitt schon seit Jahren hin. >>

Der lange Weg zur Baugenehmigung

Denn: Ändern sich technische Vorschriften oder lassen sich Interessenkonflikte nicht auflösen, kann das Veränderungen an den bisherigen Plänen nötig machen. Die zu erarbeiten, braucht meist schon mehrere Jahre. Die geänderten Pläne müssen dann, so sehen es die gesetzlichen Regeln vor, öffentlich gemacht werden, damit die Betroffenen und die Öffentlichkeit sich ein Bild machen können. Das ist zuletzt mit der bis 6. Oktober dauernden Auslegung der jüngsten Änderungspläne für den dritten Bauabschnitt passiert. Bis 9. November haben alle, deren Belange von der Planung berührt werden, im Anschluss Zeit, um Einwendungen gegen das Vorhaben zu machen. >>

Der lange Weg zur Baugenehmigung

Wenn es Einwände gibt, müssen die Einwände geprüft werden, ehe es zu einem erneuten sogenannten Erörterungstermin kommen. Dort treffen dann die Landesdirektion, die Straßenplaner und diejenigen zusammen, die Einwände gegen die Pläne haben. Hinter verschlossenen Türen wird versucht, einen Interessenausgleich zu erzielen. Zuletzt gab es so einen Termin 2018. >>

Der lange Weg zur Baugenehmigung

Möglich ist, dass der Ausgleich zustande kommt. Dann könnte es zum Planfeststellungsbeschluss durch die Landesdirektion kommen – also zu der Baugenehmigung, die von vielen Befürwortern des B-169-Ausbaus schon so lange herbeigesehnt wird. Aber es könnten aber auch erneute Umplanungen die Folge sein, wenn es Konflikte gibt. Das würde das Genehmigungsverfahren weiter verlängern. Da momentan offen ist, ob und in welchem Umfang es Einwendungen geben wird, ist auch die weitere Dauer des Genehmigungsverfahrens offen. 

Der lange Weg zur Baugenehmigung

Wenn eine Baugenehmigung da ist, bleibt noch die Hürde der Finanzierung. Der 2014 bereits auf Kosten von an die 30 Millionen Euro geschätzte Straßenbau dürfte sich seither verteuert haben – aktuellen Baupreisindizes zufolge um mindestens 20 Prozent. Dem dürften absehbar schwindende Einnahmen in den öffentlichen Haushalten gegenüberstehen. (SZ)

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Die rote Linie zeigt den Verlauf des insgesamt rund acht Kilometer langen B-169-Bauabschnitts vom Anschluss bei Seerhausen bis hinter Salbitz.
Die rote Linie zeigt den Verlauf des insgesamt rund acht Kilometer langen B-169-Bauabschnitts vom Anschluss bei Seerhausen bis hinter Salbitz. © SZ Grafik

Wall soll Dorfbewohnern die Straße erträglicher machen

Viele Ortschaften sollen durch die neue B 169 vom Verkehr entlastet werden: Seerhausen, Plotitz oder Stauchitz zum Beispiel. Bloßwitz hingegen dürfte es mit mehr Verkehr zu tun bekommen, wenn die Straße gebaut würde. Auch die Straßenplaner wissen : „Insbesondere am nördlichen Ortsrand, kommt es für die Wohnbevölkerung zur Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch technische Überformung und visuelle Störreize.“ Abhilfe soll da ein Wall schaffen, der „mit einheimischen standortgerechten Straucharten als Sichtschutz“ bepflanzt werden soll, wie es in den Unterlagen heißt. So soll „die landschaftsgerechte Gestaltung und Einbindung der Verkehrsanlage erreicht“ werden.

Hochspannungsleitung muss umgebaut werden

Momentan kreuzen sich eine von Ostrau über Salbitz und dann weiter gen Norden verlaufende 380-kV-Freileitung und die B 169 nicht. Das würde sich mit dem Straßenneubau ändern. Mit der Überschneidung beider Trassen erhöhen sich die Sicherheitsanforderungen an die Masten, von denen vier Stück neu gebaut werden müssten. 

Der betroffene Leitungsabschnitt ist mit zwei Kilometer nicht allzu lang. Doch der Blick in die Unterlagen zeigt: Das Projekt an sich ist komplex. Es braucht Genehmigungen, gesonderte Naturschutzmaßnahmen und Grunderwerb für die neuen Maststandorte. Um die Stromversorgung aufrecht zu erhalten, könnte außerdem während des Baus ein Mastprovisorium nötig sein. 

Neue Brücke für Tiere und Menschen

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Neu in der Planung enthalten ist eine Brücke nahe der Ortschaft Salbitz. Sie wurde unter anderem vorgesehen, um eine Fledermausflugroute zu erhalten. Auch in der vorherigen Planung war daran schon gedacht worden, allerdings in einfacherer Form: Links und rechts der Fahrbahn sollte es Bäume geben, deren Kronen als  Straßenquerungshilfe für die Tiere dienen sollten. Als ideal gelten solche Lösungen allerdings nicht. Mit der jetzt eingeplanten Brücke sollen aber nicht nur die Flugtiere sicherer über die Straße kommen – für Radfahrer, Fußgänger und Landwirtschaftsmaschinen sollen sich damit Umwege bei der B-169-Überquerung verringern. 

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