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Zur Sonnenfinsternis zurück in der Heimat

Ein Mädchen aus Schleswig-Holstein macht ihr Schülerpraktikum in Riesa und erlebt hier das Naturschauspiel des Jahres.

Praktikantin Isabell Maluche zeigt zum Himmel hinauf. Dort versteckt sich die Sonne erst hinter Wolken. Doch dann ist sie zu sehen.
Praktikantin Isabell Maluche zeigt zum Himmel hinauf. Dort versteckt sich die Sonne erst hinter Wolken. Doch dann ist sie zu sehen. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Glück muss man haben. Isabell Maluche macht zurzeit ihr zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Volkssternwarte und erlebt dabei gleich eine Sonnenfinsternis. Auch wenn der Mond die Sonne nur zu etwa zehn Prozent bedeckt, ein Erlebnis ist es allemal.

Die Sternenfreunde Riesa haben alle Fernrohre und Teleskope, die sie haben, aufgestellt. Isabell hilft ihnen dabei, sie in Position zu bringen und einzustellen. Die Vereinsmitglieder stehen ihr zur Seite. Denn alles kann die 15-Jährige, die am liebsten etwas mit Astronomie studieren möchte, noch nicht wissen.

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Alle Objektive sind am Donnerstag kurz nach 11 Uhr zum Himmel gerichtet, wo die Sonne am blauen Himmel lacht. Noch. Denn von Osten her ziehen Gewitterwolken heran. Um 11.38 Uhr soll der Mond beginnen, sich vor die Sonne zu schieben. Die Sternenfreunde nennen das den ersten Kontakt. "In zwei Minuten ist es so weit", sagt einer, der gerade das große Teleskop in der Sternwarte eingerichtet hat. Mit Blick auf die Wolken ergänzt: "Das sieht schlecht aus."

Unverkennbar sächsisch

Und tatsächlich: Der Himmel über Riesa ist bedeckt. Die Sonne schimmert durch die Wolken und ist nur als heller Fleck hinter den Wolken erkennbar. "Schade", sagt Isabell. Doch noch hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben, die partielle Sonnenfinsternis in ihrer Geburtsstadt zu erleben.

Das ist für sie keine Selbstverständlichkeit. Denn sie lebt mit ihren Eltern in Geesthacht, einer Stadt an der Elbe, etwa so groß wie Riesa, zwischen Hamburg und Lüneburg. Ihr Vater stammt aus Torgau, ihre Mutter aus Leisnig. Als Isabell etwa drei Jahre war, zogen sie fort. Erst nach Baden-Württemberg, später nach Schleswig-Holstein. Familie Maluche hat ihre Wurzeln nicht vergessen. Isabell redet unentwegt und ungekünstelt sächsisch. Der nordmeißnische Dialekt ist unverkennbar. Sie fühlt sich wohl unter den Leuten hier, die so reden wie sie.

Dass sie ihr Schülerpraktikum nach Sachsen verlegen durfte, war ein Problem. Eigentlich, so wurde ihr gesagt, dürfe sie nur im Umkreis von 15 Kilometern einen Praktikumsplatz suchen. Er soll den Neuntklässlern helfen, in die Berufswelt hineinzuschnuppern. Doch Isabell konnte ihre Lehrer davon überzeugen, dass sie Astronomin werden möchte. Also stimmten sie zu, dass sie sich bei der Sternwarte Hamburg bewerben soll. Aber dort wies man sie ab.

So sah die partielle Sonnenfinsternis im Teleskop aus.
So sah die partielle Sonnenfinsternis im Teleskop aus. © dpa

Von ihren Großeltern, die in Riesa wohnen, erfuhr sie, dass es hier eine Sternwarte mit einem sehr engagierten Verein gibt. So kam der Kontakt zu den Sternenfreunde Riesa zustande. Für Isabells Schülerpraktikum gab es zwei Terminmöglichkeiten. Einen im April und einen im Juni. In letzteren fiel die Sonnenfinsternis. Damit war: Das Naturschauspiel sieht sie sich in Sachsen an. Aber die Wolken scheinen ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Doch plötzlich ziehen sie sich auseinander. Die Sonne lugt hervor und sieht am oberen rechten Rand angeknabbert aus. Sofort eilen alle an ihre Fernrohre. Sonnenfinsternis-Brillen werden ausgeteilt, denn mit verrußten Glasscherben oder anderen gefährlichen Hilfsmittel fängt hier keiner erst an.

Eine Frau kommt dazu. Sie holt sich zwei dieser beschichteten Brillen für sich und ihren Mann ab. Auch sie blickt kurz durch ein Binokular und ist begeistert wie alle anderen hier auch. Sofort erinnert sie sich an die totale Sonnenfinsternis im August 1999. Isabell war da noch gar nicht geboren. Gespannt lauscht sie den Geschichten und ist erstaunt, wie gut sich die Leute noch daran erinnern können.

Nach einer Stunde erreicht der Mond die Stelle, an der er die Sonne am meisten bedeckt und nach etwa vier Minuten langsam beginnt, sich von ihr zu verabschieden. Kurz darauf kommen die Wolken zurück und bedecken den Himmel. Es beginnt zu regnen. Das Naturspektakel ist vorbei. Die Sternenfreunde bauen ihre Geräte ab. Isabell hilft und ist glücklich. Das Mädchen aus Schleswig-Holstein wird dieses Schülerpraktikum in seiner Heimat Riesa garantiert nie vergessen.

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