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Nünchritzer will das Rathaus für die SPD zurückerobern

Jürgen Schmidt will es seinem Vater gleichtun und Bürgermeister der Gemeinde Nünchritz werden – und dabei im Wahlkampf auf eines komplett verzichten.

Der Nünchritzer Jürgen Schmidt (SPD) will bei der Wahl am 26. September Bürgermeister seiner Heimatgemeinde werden.
Der Nünchritzer Jürgen Schmidt (SPD) will bei der Wahl am 26. September Bürgermeister seiner Heimatgemeinde werden. © Eric Weser

Nünchritz. Cool, dass du es machst – aber warum tust du dir das an? So ähnlich hätten ihn das einige gefragt, als seine Kandidatur fürs Nünchritzer Bürgermeisteramt publik wurde, erzählt Jürgen Schmidt. Mit 55 lasse sich doch eigentlich der berufliche Lebensabend genießen. "Was ja aber nicht stimmt", sagt der diplomierte Chemiker, der im Wacker-Chemiewerk fürs Abfallmanagement zuständig ist. Schließlich gebe es auch in diesem Beruf immer wieder Neues zu lernen.

Warum er mit Mitte fünfzig einen Wechsel aus einem Industriejob an die Spitze einer Gemeindeverwaltung anstrebt, darauf hat Schmidt eine einfache Antwort: "Weil ich es mir zutraue und Lust darauf habe."

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Bei der Nominierung durch seine Partei habe er sich ursprünglich das Ziel gesetzt, mit der SPD-Kandidatur ein Zeichen zu setzen und ein gutes Ergebnis für die Genossen zu holen, erzählt Schmidt. Zu dem Zeitpunkt sei er noch davon ausgegangen, gegen Amtsinhaber Gerd Barthold (CDU) anzutreten. Die Chance, gegen den beliebten Bürgermeister das Rennen zu machen, sei "sehr überschaubar" gewesen. Durch Bartholds Rückzug habe sich die Lage aber dramatisch geändert. Die Wahl gegen Kontrahentin Andrea Beger vom TSV Merschwitz zu gewinnen, die von der CDU nominiert worden ist, könne klappen.

Vor dem angestrebten Posten an der Rathausspitze hat der in Nünchritz verwurzelte Jürgen Schmidt Respekt. Ihm sei klar, dass dann anders als bisher der Arbeitstag nicht unbedingt nach acht Stunden vorbei ist. Dass Abendtermine anstehen, etwa bei Vereinen. "Das sind alles Sachen, die natürlich auch Spaß machen, aber bei denen man aufpassen muss, dass das Familienleben nicht darunter leidet." Ohne die Unterstützung seiner Frau hätte er die Kandidatur sowieso nicht gemacht, sagt der verheiratete Familienvater, der eine erwachsene Tochter und drei Enkel im Alter von elf, vier und anderthalb Jahren hat. Auch Tochter, Schwiegersohn und Enkel sind in der Gemeinde Nünchritz zuhause.

Genauso wie Jürgen Schmidts Eltern. Vater Udo kennen viele noch als Nünchritzer Gemeindechef der Jahre 2001 bis 2008. Heute sitzen der Senior und sein Sohn gemeinsam im Gemeinderat in der insgesamt vierköpfigen SPD-Fraktion. Zusammen engagieren sie sich außerdem in einer Bürgerinitiative, dass der Hochwasserschutz für den Ort verbessert wird. Es sind viele Dinge, die beide verbinden. Sogar studiert haben beide dasselbe – an derselben Hochschule in Freiberg.

Viele Parallelen, um die auch Jürgen Schmidt weiß. Doch er betont: Er stehe für sich, sei kein Ableger seines Vaters. Vorbehalte, dass wieder ein Schmidt an die Gemeindespitze will, seien ihm noch nicht begegnet. "Die Leute, die mit mir reden, haben diese Vorbehalte nicht, sondern sagen eher, es ist gut, dass du in diese Fußstapfen treten willst." Möglichen Bedenken dieser Art würde er im Falle des Falles entgegnen, dass es keine Sippenhaft gibt. Dass der Vater einst Gemeindechef war, betrachtet der Sohn zudem eher als Vorteil, da sich von dessen Erfahrungen profitieren lasse. Im Wahlkampf werde der Vater ihn auch unterstützen.

Zählen kann Jürgen Schmidt in dieser Phase auch auf die Hilfe aus seiner Partei, der er seit 1994 angehört. Es seien verschiedene Aktionen in Planung, unter anderem mit der SPD-Direktkandidatin für das Bundestagsmandat im Wahlkreis Meißen, Stephanie Dzeyk. Präsenz will Schmidt in seiner Heimatgemeinde auch mittels persönlicher Gespräche zeigen. Außerdem über Internetauftritte und mittels Flyern, die in der Gemeinde verteilt werden. Eins jedoch schließt er aus: Wahlwerbung per Plakat. "Ich will mein Gesicht nicht an Laternenpfählen hängen sehen." Als langjährigen Chef des Spielmannszuges kenne man ihn, ist der Freizeitradfahrer überzeugt, der unter anderem auch in der Wasserwacht und in der Ortsgruppe der Chemiegewerkschaft aktiv ist.

Thematisch will Schmidt im Wahlkampf verschiedene Schwerpunkte setzen. Ordnung und Sauberkeit seien ihm wichtig, mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung, etwa in Form von themenbezogenen Anwohnerversammlungen – und natürlich der Hochwasserschutz. Den vom Land seit Jahren versprochenen Flutschutz voranzubringen, müsse Chefsache im Rathaus sein, sagt Jürgen Schmidt, dessen Wohnhaus selbst von den Elbefluten heimgesucht wurde.

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Den respektierten Noch-Amtsinhaber möchte der SPD-Mann nicht kritisieren, glaubt aber, dass die Gemeinde Nünchritz an einigen Stellen etwas frischen Wind gebrauchen kann. Den sei auch ein 55-Jährige imstande, hineinzubringen, sagt Jürgen Schmidt – der auch eine Bewerbung für eine zweite Amtszeit als Bürgermeister aus heutiger Warte nicht ausschließt, sollte er gewählt werden und die Gesundheit mitspielt.

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