merken
PLUS Riesa

Büroarbeit statt Tanzbühne

Normalerweise wäre in diesen Tagen die Sachsenarena Austragungsort der Riesaer Tanzwochen. Doch die mussten ausfallen - zum Leidwesen nicht nur der Sportler.

Babett Keller (.) und Angela Hoppe im Vereinsbüro des Tanzstudio Live.
Babett Keller (.) und Angela Hoppe im Vereinsbüro des Tanzstudio Live. © Sebastian Schultz

Riesa. Angela Hoppe und Babett Keller wirken ein wenig geknickt, während sie über die Riesaer Tanzwochen erzählen. Es ist Dienstagabend, Bürotag. Einmal in der Woche treffen sich die beiden Trainerinnen vom Tanzstudio Live in den Vereinsräumen in Gröba, arbeiten die elektronische Post ab. Mehr geht zurzeit nicht, wegen Corona. Und dem Riesaer Tanzverein entgeht damit wie allen anderen Tanzvereinen und -verbänden auch die Weltmeisterschaft im Show- und Stepptanz.

Die Internationalen Tanzwochen in der Riesaer Sachsenarena waren in der Vergangenheit ohne Zweifel das jährliche Highlight für den Verein, sagt Angela Hoppe. "Eigentlich wären wir diese Woche jeden Tag dort." Nicht nur, um die eigenen Mitstreiter anzufeuern, sondern auch, um sich Ideen für künftige Wettbewerbe zu holen. Schließlich tanzen bei den beiden Wettbewerben die jeweils Besten um den Titel. "Das fehlt jetzt total." Denn schon im September hatte sich bestätigt, was nicht nur Angela Hoppe und Babett Keller befürchtet hatten: Das internationale Turnier würde sich nicht durchführen lassen.

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

Ausgebuchte Hotels und internationaler Flair

Dabei sah es im Sommer wieder ganz gut aus, erzählt Keller. Für die Wettbewerbe durften die Formationen auf alte Choreografien zurückgreifen. "Das ist normalerweise nicht erlaubt - jede Saison muss etwas Neues her." Weil diesmal wegen Corona die gemeinsame Probezeit deutlich verkürzt ausfiel, gab es eine Ausnahme vom Tanzverband. Der Riesaer Verein konnte im Sommer sogar sein Probenlager durchziehen, ein eigenes Hygienekonzept machte es möglich.

Nun waren die Proben auch für den Jahreshöhepunkt für die Katz. Die Tanzwochen, sie finden nicht wirklich statt. Der Tanzverband IDO hat das Beste draus gemacht - und blickt in einem zweieinhalbstündigen Video auf die besten Showdance-Auftritte der 22 Jahre in Riesa zurück, unterbrochen durch Grußworte der verschiedenen Beteiligten. Auch Babett Keller und Angela Hoppe kommen darin zu Wort, direkt vor einem Video der Tänzerinnen ihres Vereins. Am Sonnabend, 28. November, soll ein ähnliches Video der besten Stepptanz-Auftritte folgen.

Das Turnier ersetzen kann das aber natürlich bei Weitem nicht, sagt Hoppe. Dass Riesa etwas verlorengeht, wird jeder bemerken, der sich an die vergangenen Tanzwochen erinnert. Die große Zahl der internationalen Gäste ist sonst unübersehbar - und auch die Hotel- und Gastronomiebranche profitiert stark von den Wettbewerben, zu denen weit mehr als 3.000 Menschen aus der ganzen Welt antreten. Nahezu jedes Zimmer in der Region ist im Zuge der Veranstaltungen ausgebucht - gerade in einer Zeit, in der es sonst eher mau aussieht mit Übernachtungsgästen. Wen man auch fragt in Riesa und Umgebung: Die Tanzwochen haben auch abseits des Sportlichen eine große Strahlkraft.

Entsprechend traurig sind sie beim Tanzstudio Live, dass es 2020 nichts wird mit dem Turnier. So wie übrigens mit vielem anderen auch. Gerade mal elf Auftritte hat der Verein im Jahr 2020 vorzuweisen, 2019 waren es stolze 51. "Die Choreos waren zum Teil schon fertig, sie Kostüme besorgt", sagt Babett Keller und zuckt mit den Schultern. "Man hebt es sich nun auf für das nächste Jahr". In der Hoffnung, dass die jungen Tänzerinnen dann nicht schon aus den Kostümen herausgewachsen sind.

Für den Riesaer Tanzverein ist die derzeitige Situation in vielerlei Hinsicht eine harte Probe. Nachdem der Freistaat die Coronaregeln im November erneut verschärft hatte, sind die Tanzsäle im erst 2019 bezogenen neuen Domizil fürs erste verwaist. Einige Trainerinnen versuchen trotzdem noch, die Übungen am Laufen und die Tänzer bei Laune zu halten. "Sie bieten zum Beispiel per Videokonferenz Trainingszeiten an", sagt Babett Keller. Über Skype oder Zoom können so einige Abläufe trainiert werden. "Es gibt auch Workout-Videos und längerfristige Aufgaben, die Trainerinnen zeigen auch vor, wie bestimmte Choreografien ablaufen." Aber die regelmäßigen Trainingsstunden vor Ort kann das nicht ersetzen, sagt Babett Keller. Es sei eben was anderes, gemeinsam mit den anderen auf der Bühne zu stehen. "Und es muss auch die Bereitschaft da sein."

Der Tanzsaal im neuen Domizil des Tanzstudios muss leer bleiben.
Der Tanzsaal im neuen Domizil des Tanzstudios muss leer bleiben. © Sebastian Schultz
Blick in den Requisitenfundus des Vereins. Auch Kostüme für 2020 waren teils schon besorgt, als Corona kam. Statt rund 50 brachten es die Tänzer in diesem Jahr auf nur elf Auftritte.
Blick in den Requisitenfundus des Vereins. Auch Kostüme für 2020 waren teils schon besorgt, als Corona kam. Statt rund 50 brachten es die Tänzer in diesem Jahr auf nur elf Auftritte. © Sebastian Schultz

Weil eben auch einige Vereinsmitglieder zurzeit gar kein Training haben, gibt es auch Eltern, die am liebsten keine Beiträge mehr bezahlen würden. "Ich habe dafür ja sogar ein stückweit Verständnis", sagt Angela Hoppe. "Aber der Verein hat eben auch laufende Kosten." Miete und Nebenkosten für das Gebäude laufen weiter, auch wenn nicht trainiert wird. Immerhin gab es nun die Bestätigung als Individualsportart, damit könnten zumindest die Solos und Duos wieder trainieren.

Das ist auch wichtig, um dauerhaft die Mitglieder halten zu können. Derzeit sind es 118, darunter drei männliche Tänzer. Vereinzelt haben Eltern die Mitgliedschaft der Kinder kündigen müssen, mit Verweis auf die wirtschaftlich unsichere Lage. Aber es gebe nicht mehr Kündigungen als in normalen Jahren. "Allerdings können wir derzeit auch keine neuen Mitglieder aufnehmen - es findet ja kein Training statt." Die beiden Trainerinnen hoffen, dass sich das bald wieder ändert.

Weitere Nachrichten aus Riesa und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa