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Startschuss im Riesaer Impfzentrum

Begleitet von großem Medienrummel sind in der Sachsenarena die ersten Vakzindosen verabreicht worden – nicht nur an Senioren.

Schwester Juliane (l.) impft am Montag einen Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes aus Meißen in der Riesaer Sachsenarena.
Schwester Juliane (l.) impft am Montag einen Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes aus Meißen in der Riesaer Sachsenarena. © KDB

Riesa/Landkreis Meißen. Ein kleiner Piks in den Oberarm. Das war es dann auch schon. Für Maria Schröter nichts, worum sie viel Aufhebens macht. Eine ganz normale Impfung eben, sagt die junge Mitarbeiterin vom Meißner Pflegedienst "Leocare", als sie am Montagvormittag die erste von zwei Corona-Schutzimpfungen bekommen hat. Am 1. Februar wird sie noch mal vorbeischaue, für ihre zweite Dosis.

Als Maria Schröter in der Sachsenarena gegen das neue Coronavirus immunisiert wird, ist der große Medienrummel schon abgeebbt. Mehrere Fernsehteams, aber auch Journalisten von Radio und Zeitungen waren am Montag in die Sachsenarena gekommen, um den offiziellen Impfstart im Freistaat mit Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) zu dokumentieren. Neben der Impfstrecke drängten sich einige Medienleute derart um das Regierungsmitglied, dass es einer Reporterin zu viel wurde und sie ihren Nebenmann anfuhr. Petra Köppings Sprecherin nahm das zum Anlass, an Abstände und das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen zu erinnern.

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Jene Regeln, die helfen sollen, die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, werden trotz der am Montag sachsenweit gestarteten Impfungen wohl auch weiter den Alltag bestimmen. Sie freue sich zwar über den Impfbeginn, so die Ministerin, weil das für alle eine große Hoffnung sei, dass die Pandemie vielleicht bald überwunden und im Herbst oder Winter wieder „ein Stück weit zum normalen Leben“ zurückgekehrt werden könne. Doch die Impfkapazitäten seien im Moment noch nicht so, wie sie sich das wünsche. Sie bitte deshalb um Geduld, so Köpping.

Engpass sei momentan der Impfstoff, sagte auch Dr. Klaus Heckemann, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsens am Montag. Deshalb könne bisher nur alle fünf Minuten ein Patient bestellt werden. Rund 100 Impfungen sind es damit pro Tag in der Arena. "Das ist für die hier aufgebaute Struktur viel zu wenig", so Heckemann. Bis auf das Vierfache könne die Kapazität erhöht werden. "Aber dann brauchen wir auch die vierfache Menge Impfstoff."

Der Vorstandsvorsitzende des sächsischen DRK-Landesverbandes Rüdiger Unger spricht in Riesa mit Medienvertretern.
Der Vorstandsvorsitzende des sächsischen DRK-Landesverbandes Rüdiger Unger spricht in Riesa mit Medienvertretern. © KDB
Großer Medienrummel: Teams von Fernsehen, Radio und Zeitungen begleiteten am Montag den Impfstart in Riesa.
Großer Medienrummel: Teams von Fernsehen, Radio und Zeitungen begleiteten am Montag den Impfstart in Riesa. © KDB
Sachsens KV-Chef Dr. Klaus Heckemann sagte vor Medienvertretern, es könne am Tag die vierfache Menge an Impfungen geben – wenn mehr Impfstoff verfügbar sei.
Sachsens KV-Chef Dr. Klaus Heckemann sagte vor Medienvertretern, es könne am Tag die vierfache Menge an Impfungen geben – wenn mehr Impfstoff verfügbar sei. © KDB
Da ist er: In diesen kleinen Flaschen ist der Impfstoff enthalten, der Menschen vor einer Infektion mit dem neuen Coronavirus schützen soll. Sechs Dosen sollen aus einer Ampulle gezogen werden.
Da ist er: In diesen kleinen Flaschen ist der Impfstoff enthalten, der Menschen vor einer Infektion mit dem neuen Coronavirus schützen soll. Sechs Dosen sollen aus einer Ampulle gezogen werden. © KDB
Aufklärung vorm Impfen: Dr. Jürgen Straube (l.) gehörte am Montag zu den Ärzten, die im Impfzentrum in der Arena arbeiteten. Der Kardiologe ist eigentlich schon im Ruhestand.
Aufklärung vorm Impfen: Dr. Jürgen Straube (l.) gehörte am Montag zu den Ärzten, die im Impfzentrum in der Arena arbeiteten. Der Kardiologe ist eigentlich schon im Ruhestand. © KDB
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) wird beim Imfpstart in der Sachsenarena Riesa interviewt.
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) wird beim Imfpstart in der Sachsenarena Riesa interviewt. © Eric Weser
Maria Schröter, Mitarbeiterin bei einem Meißner Pflegedienst, wird geimpft.
Maria Schröter, Mitarbeiterin bei einem Meißner Pflegedienst, wird geimpft. © Eric Weser

Dass bald mehr davon verfügbar sein wird, damit rechnet Rüdiger Unger. Er ist Chef des Deutschen Roten Kreuzes Sachsens, das die bislang 13 Impfzentren im Freistaat betreibt. In den Zentren werden nach dem Startschuss am Montag nun zunächst Angehörige von prioritär zu impfenden Berufsgruppen mittels Gruppenterminen immunisiert. Dazu gehören Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten wie Maria Schröter, aber auch Beschäftigte von Rettungsdiensten.

Die Gruppe der Menschen ab 80 Lebensjahren soll in den nächsten Tag folgen. Individualtermine zu vereinbaren, die dann Montag, 18. Januar stattfinden, ist seit Montagnachmittag online möglich. Eine telefonische Anmeldung soll außerdem ab Mittwoch möglich sein.

Besonders die Onlineanmeldung führt nach wie vor zu kritischen Fragen – schließlich sind längst nicht alle Senioren im Netz unterwegs. Man werbe deshalb dafür, dass Angehörige, Freunde oder Nachbarn hochbetagten Menschen dabei helfen, einen Termin zu vereinbaren. Das Online-Buchungssystem, das in Echtzeit funktioniere, sei dafür der schnellste und sicherste Weg, so Sachsens DRK-Chef Rüdiger Unger. Dadurch sollen frei werdende oder durch größere Impfstoffverfügbarkeit entstehende Termine auch sofort über das System buchbar sein.

Ministerin Petra Köpping setzt bei Impfungen auch auf die Hausärzte. Mit dem jetzigen Impfstoff, dem von Biontech, sei das aber nicht möglich. Hintergrund sind die Anforderungen an die Kühlkette. Wenn weitere Impfstoffe ohne diese Anforderung verfügbar werden, soll die Immunisierung auch in den Hausarztpraxen laufen. Das sei aber vorerst noch Zukunftsmusik, so die Ministerin.

Weitere Impfstellen sollen kommen

Zum Zögern vieler Menschen erklärte Petra Köpping vorm Hintergrund der hohen Sieben-Tage-Inzidenzen im Freistaat, der bundesweit bei dem Wert an der Spitze liegt, dass die Impfbereitschaft in keinem anderen Bundesland höher sein sollte. Nur so lasse sich zu einem Leben, wie es von vielen schmerzlich vermisst werde, zurückkehren.

Warum die Ministerin sich am Montag ausgerechnet Riesa als Impfzentrum herausgesucht hatte? Ihr sei es wichtig, nach Besuchen in den Impfzentren in Dresden und Leipzig, auch im ländlichen Raum vorbeizuschauen, so die SPD-Politikerin. Spekulation bleibt damit, ob der Termin nicht möglicherweise mit den Inzidenzzahlen des Kreises Meißen zu tun hatte – die nicht nur im Landes-, sondern auch im Bundesvergleich mit die Höchsten sind. Gut möglich, dass Riesas Arena auch aus einem anderen Grund gewählt worden sein könnte: Während anderswo beispielsweise frühere Einkaufsmärkte hergerichtet wurden, gilt die Arena als vergleichsweise schick.

In den nächsten Wochen, hoffen die Verantwortlichen, werden möglichst viele Menschen die Halle von innen sehen, um sich gegen das Coronavirus immunisieren zu lassen. Dass letztlich alle Impfwilligen in die Arena pilgern müssen, ist aber nicht in Stein gemeißelt: Sobald mehr Impfstoff verfügbar wird, soll es auch weitere Außenstellen oder mobile Impfmöglichkeiten geben, stellte Petra Köpping in Aussicht.

Impfterminvergabe: https://sachsen.impfterminvergabe.de/

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Alle Infos zur Corona-Schutz-Impfung: www.coronavirus.sachsen.de/coronaschutzimpfung.

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