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Blutiger Streit in Nünchritz: Tatort am Gartenzaun

Nach dem versuchten Totschlag in der Gartenanlage Goltzscha sind deren Mitglieder schockiert und sprachlos.

Polizei und Notarzt wurden am Montagabend kurz nach 19 Uhr auf den oberen Parkplatz der Gartenanlage Goltzscha gerufen. Dort fanden sie einen blutüberströmten Mann mit mehreren Kopfverletzungen.
Polizei und Notarzt wurden am Montagabend kurz nach 19 Uhr auf den oberen Parkplatz der Gartenanlage Goltzscha gerufen. Dort fanden sie einen blutüberströmten Mann mit mehreren Kopfverletzungen. © Sebastian Schultz

Goltzscha/Priestewitz. Es ist ein abgeschiedenes Fleckchen Land. Gut 200 Meter hinter dem Nünchritzer Ortsteil Goltzscha liegt die Bungalow-Siedlung des Vereins Wochenendsiedler Goltzscha. Hohe Hecken versperren die freie Sicht zu den gepflegten Grundstücken. Hier finden die Besitzer der mehr als 90 Parzellen Ruhe und Erholung.

Seit 1978, als die ersten Gartenhäuser errichtet wurden, sei nie etwas Aufregendes passiert, erzählt ein älterer Herr. Er ist mit seinem Fahrrad hierher herausgefahren, um nach dem Rechten zu sehen. Denn was er aus der Zeitung erfahren hat, beunruhigt ihn sehr.

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Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft Dresden mitgeteilt, dass sie im Fall eines Verdachts des versuchten Totschlages und der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Der Tatort: der Parkplatz der Gartenanlage Goltzscha.

Mit dem Hammer auf den Kopf

Hier soll ein 50-Jähriger seinen 47-jährigen Gartennachbarn am Montagabend im Streit mit einem Gegenstand aus Metall verletzt haben. Nachfragen bei der Polizei ergeben, dass es sich dabei um einen Hammer gehandelt hat.

Das kann der ältere Herr mit dem Fahrrad kaum fassen. Und auch die anderen Bungalowbesitzer, die sich am Mittwoch in der Gartensparte nach und nach einfinden, sind schockiert und sprachlos. Immer wieder öffnet sich das große Tor am oberen Parkplatz, um Autos einzulassen. Es geht nur per Fernbedienung auf und soll vor Dieben schützen. An den beiden ersten Tagen nach der Tat hält es vor allem fragende Journalisten fern.

Wo und wann genau der Streit stattfand, wer von den beiden Männern ihn ausgelöst hat, darauf kann und möchte hier keiner eine Antwort geben. Ein Vorstandsmitglied verweist freundlich bestimmend auf die Polizei. Nur so viel ist zu erfahren: Das blutüberströmte Opfer, das mehrere Kopfverletzungen aufwies, habe nach dem Streit bei einem anderen Gartenfreund angeklopft und ihn gebeten, einen Notarzt zu rufen. Wenig später waren die Sanitäter und mehrere Streifenwagen der Polizei vor Ort.

An dieser Laterne vor dem Tor der Gartenanlage Goltzscha soll der verletzte Mann auf den von Gartennachbarn herbeigerufenen Notarzt und die Polizei gewartet haben.
An dieser Laterne vor dem Tor der Gartenanlage Goltzscha soll der verletzte Mann auf den von Gartennachbarn herbeigerufenen Notarzt und die Polizei gewartet haben. © Sebastian Schultz

Der Dresdner Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt bestätigt, dass der 50-jährige Tatverdächtige seit Dienstag in Untersuchungshaft ist. Er stammt aus dem Landkreis Elbe-Elster, wurde aber in Meißen, wo er möglicherweise untertauchen wollte, festgenommen. Den Ermittlungsrichtern habe er zwar Aussagen gemacht, aber kein Geständnis abgelegt.

Als Motiv nimmt die Staatsanwaltschaft Dresden einen Streit unter Gartennachbarn an. Eine Beziehungstat wird nach ersten Erkenntnissen ausgeschlossen. Die Gründe, die zu dem versuchten Totschlag führten, seien Gegenstand weiterer Ermittlungen. Auch vor Ort. Am Mittwochvormittag stand auch ein ziviler Dienstwagen der Polizei vor der Gartenanlage Goltzscha, die sich eigentlich auf dem Gemeindegebiet von Priestewitz befindet.

Das weckt Erinnerungen an eine andere schreckliche Tat, die sich im Frühsommer vergangenen Jahres nur wenige Kilometer von hier zutrug und Priestewitz schon einmal in die Schlagzeilen brachte. In einem kleinen Waldstück bei Zottewitz war ein seit Tagen vermisster Familienvater tot aufgefunden worden. Brutal ermordet von einem Quartett aus getrennt lebender Ehefrau, einer weiteren Frau und zwei Männern.

Vier offenbar gewaltbereite Großenhainer, die den damals 38-jährigen Röderstädter vermutlich wegen einer Sterbegeldversicherung in Höhe von 17.000 Euro zunächst entführt hatten, ihn dann getreten und geschlagen haben, um ihn schließlich nach tagelangen Misshandlungen im Wald sterben zu lassen. Eine laut Staatsanwaltschaft Dresden herausragende Tat, für die sich die beiden Pärchen seit Mai vor dem Landgericht in Dresden verantworten müssen.

Zwei Ereignisse in der Ortslage Medessen, die betroffen machen. Bürgermeisterin Manuela Gajewi (parteilos) erfährt im Urlaub von dem versuchten Totschlag bei Goltzscha und reagiert bestürzt. „Es ist ein wirklich schlimmer Vorfall! Mir sind keine weiteren Informationen darüber bekannt, aber ich hoffe sehr, dass der Sachverhalt schnell aufgeklärt werden kann“, sagt die Priestewitzer Verwaltungschefin.

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