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Traditionshaus am Boulevard wird zwangsversteigert

Nathan Optik ist vielen in Riesa nach wie vor ein Begriff. Warum das Gebäude nun unter den Hammer kommen soll.

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Das Haus, in dem sich das ehemalige Optikgeschäft Richard Nathan Optik befindet, soll zwangsversteigert werden.
Das Haus, in dem sich das ehemalige Optikgeschäft Richard Nathan Optik befindet, soll zwangsversteigert werden. © Eric Weser

Riesa. Eben erst hat die Schließung der alteingesessenen Bäckereifiliale nebenan für Aufsehen gesorgt. Nun wird bekannt, dass mit der Hauptstraße 33 in Riesa ein benachbartes Boulevard-Gebäude mit viel Tradition unter den Hammer kommen soll. Das Haus kennen viele Riesaer vor allem wegen des Ladens im Erdgeschoss – Optiker Nathan.

Für den flüchtigen Betrachter wirkt das Geschäft mit dem markanten Fassadenschriftzug und dem Ladenschild in Form einer Brille, als stünde es offen. Im Schaufenster sind Brillengestelle und -etuis ausgestellt. Tatsächlich ist der Laden jedoch schon seit etlichen Jahren geschlossen.

Auf dem amtlichen Internetportal der Landesjustizverwaltungen ist der 16. März dieses Jahres als Termin für die Zwangsversteigerung des Gebäudes angegeben.
Warum es dazu kommt? Hintergrund seien Ausgleichsbeiträge, die er nicht bezahlen könne, so Hauseigentümer Oliver Nathan zu Sächsische.de. Es gehe um einen vierstelligen Betrag, sagt der 49-Jährige, der das Optik-Geschäft nach eigenen Angaben noch bis 2015 in vierter Generation als solches betrieben hatte. Die Tradition begründet hatte Richard Nathan in den 1890ern.

Die Stadt habe die Zwangsversteigerung veranlasst, um an das Geld zu kommen, so Oliver Nathan, der in dem Haus aufgewachsen ist, mittlerweile aber in Leipzig lebt und arbeitet – allerdings nicht mehr im Optikerberuf.

Ausgleichsbeiträge für Grundstücke im Riesaer Stadtzentrum hatten vor einigen Jahren zu Diskussionen geführt. Mit den Beiträgen mussten sich Hauseigentümer finanziell an Sanierungsmaßnahmen beteiligen, die nach der Wende im sogenannten Sanierungsgebiet Stadtkern gelaufen waren. „Mit dem Ausgleichsbetrag wird die Steigerung des Bodenwertes der Grundstücke ausgeglichen, die sich aus dem Zustand vor der Sanierung ergeben hat“, hatte die Stadt damals erklärt. Ob es eine Wertsteigerung gab, da hatten manche Eigentümer ihre Zweifel, sprachen eher von Wertverlust. An der Zahlungsverpflichtung geändert hatte das allerdings nichts.

Hauseigentümer Oliver Nathan sagt, für ihn sei die für das Haus aufgerufene Summe nicht zu stemmen. Er gehe davon aus, dass das Grundstück versteigert werde, auch wenn es noch Belastungen des Grundstücks gebe.

Sollte sich ein neuer Eigentümer finden, könnte diesem mit der Immobilie einiges an Arbeit bevorstehen. Das legt zumindest das Gutachten nahe, das ein Sachverständiger im Jahr 2021 zur Hauptstraße 33 erstellt hat. Demnach ist der bauliche Zustand schlecht und eine Komplettsanierung nötig. Das Vorderhaus ist denkmalgeschützt; das um 1860 errichtete Wohngebäude mit der gründerzeitlichen Ladenfront aus der Zeit um 1895 gilt als baugeschichtlich bedeutsam. Der Verkehrswert für das 360-Quadratmeter-Grundstück samt Gebäuden liegt laut dem Gutachten bei 11.000 Euro.

Die Immobilie ist nicht die einzige in dem Bereich des Boulevards, für die derzeit ein neuer Eigentümer gesucht wird. Auch bei der Hauptstraße 29, dem schmalen Haus direkt neben der einstigen Bäckereifiliale, ist das so. In dem Fall passiert die Eigentümersuche aber nicht auf Betreiben eines Dritten, sondern durch den Eigentümer selbst. Aufgerufener Preis für das Haus samt 260-Quadratmeter-Grundstück auf einem Immobilienportal im Internet: 70.000 Euro. Anders als das Haus mit dem einstigen Optik-Geschäft ist die Mini-Immobilie nicht denkmalgeschützt. Allerdings ist in der Verkaufsanzeige auch von Sanierungsbedürftigkeit die Rede – und auch von Abriss als möglicher Option.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war der Vorname des Hauseigentümers an einer Stelle falsch angegeben. Wir haben das korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.