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Braucht Zeithain den Tourismusverband?

Der Gemeinderat soll am Montag über einen Beitritt entscheiden. Großenhain hat gute Erfahrungen mit dem Verband. Riesa ist dagegen froh, ausgetreten zu sein.

Diese Hobby-Soldaten in preußischen Uniformen waren beim Festumzug 2005 anlässlich des 275. Jubiläums des Zeithainer Lustlagers dabei. Ein Tourismusverband könnte solche Veranstaltungen gut vermarkten.
Diese Hobby-Soldaten in preußischen Uniformen waren beim Festumzug 2005 anlässlich des 275. Jubiläums des Zeithainer Lustlagers dabei. Ein Tourismusverband könnte solche Veranstaltungen gut vermarkten. © Alexander Schröter

Zeithain. Es sind noch zehn Jahre bis zum großen Jubiläum. Im Sommer 2030 jährt sich das Zeithainer Lustlager von August dem Starken zum 300. Mal. Dieses Ereignis, bei dem Tausende Besucher erwartet  werden, gilt es, richtig vorzubereiten und möglichst lange im Voraus zu bewerben. 

Doch nicht nur für die Vermarktung des Lustlagers, sondern auch für das Landesfeuerwehrmuseum Zeithain, den Lorenzmarkt oder Kreinitz als wahren Ort der ersten Begegnung von Russen und Amerikanern 1945 an der Elbe könnte eine Mitgliedschaft der Gemeinde Zeithain im Tourismusverband Elbland Dresden von Nutzen sein. Ein entsprechender Beschluss steht am Montag auf der Tagesordnung des Gemeinderates.

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Im Vorfeld hat sich der hiesige Verwaltungsausschuss schon darüber Gedanken gemacht. Und wie es aussieht, gibt es da noch sehr unterschiedlichen Meinungen über den Sinn oder Unsinn eines Beitritts. Denn als Mitgliedsbeitrag kassiert der Tourismusverband jährlich 50 Cent pro Einwohner.  Im Fall Zeithain wären das 2.820 Euro.

In Kreinitz wird jährlich an das erste Treffen der Roten Armee und der US-Armee am 25. April 1945 gedacht. 
In Kreinitz wird jährlich an das erste Treffen der Roten Armee und der US-Armee am 25. April 1945 gedacht.  © Lutz Weidler
Sächsische Grenadiere aus der Zeit August des Starken feuern eine Kanone ab. So könnte es 1730 beim Lustlager von Zeithain zugegangen sein.
Sächsische Grenadiere aus der Zeit August des Starken feuern eine Kanone ab. So könnte es 1730 beim Lustlager von Zeithain zugegangen sein. © Alexander Schröter
Das sächsische Landesfeuerwehrmuseum in Zeithain kann mit Voranmeldung fast jeden Tag besucht werden.
Das sächsische Landesfeuerwehrmuseum in Zeithain kann mit Voranmeldung fast jeden Tag besucht werden. © Sebastian Schultz

"Für uns sind keine Vorteile zu erkennen", sagt Christian Wagner, der Vorsitzende der CDU-Fraktion. Zwar würde Zeithain bei einem Beitritt sicherlich in Tourismusbroschüren häufiger genannt. "Aber das ist uns zu wenig."

Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) wirbt für den Tourismusverband. Gerade in Hinblick auf das 300. Jubiläum des Lustlagers und auf das Landesfeuerwehrmuseum. Als Mitglied könne Zeithain ja auch Forderungen stellen. Dieter Wamser von der Fraktion BIG Zeithain/Die Linke schlägt in dieselbe Kerbe und sagt: "Wir sollten es auf einen Versuch ankommen lassen." Die Gemeinde Zeithain habe mit Lustlager, Feuerwehrmuseum, Lorenzmarkt und Elbetreffen auch das Potenzial dazu.

Ausschussmitglied Axel Huth (parteilos) empfiehlt, im Vorfeld einer Abstimmung verschiedene Kommunen zu befragen. Interessant sei es doch  zu wissen, welche Erfahrungen sie mit dem Tourismusverband Elbland Dresden gemacht haben. 

Großenhain ist zufrieden

Die Stadt Großenhain ist ihm vor sechs Jahren beigetreten, hauptsächlich um höhere Fördersätze für touristische Bauvorhaben zu erhalten. Das war zum Beispiel bei der Sanierung das Palais in Zabeltitz und dem Bau des dortigen Parkplatzes so. Ohne die Mitgliedschaft wäre der Fördersatz um fünf bzw. zehn Prozentpunkte gekürzt worden. 

Aber auch die überregionale Vermarktung von Großenhain und Zabeltitz in den Druck- und Onlinemedien sowie damit verbundene Präsentation auf Messen und Workshops seien ein Ausschlag für die Mitgliedschaft im Tourismusverband gewesen. "Dadurch kann eine viel größere Reichweite erzielt werden, an die die Stadt Großenhain alleine nicht herankommen könnte", so eine Stadtsprecherin. 

Es gebe aus derzeitiger Sicht keinen Grund, aus dem Verband auszutreten. Im Gegenteil. Großenhains Wirtschaftsförderer Tom Quenstedt soll am 2. November bei der Wahl des Vorstandes des Tourismusverbandes Elbland Dresden wieder als Beisitzer kandidieren. Er soll die Interessen der Röderstadt vertreten.

Riesa baut lieber auf die Nachbarn

Dagegen ist die Große Kreisstadt Riesa vom Nutzen einer Mitgliedschaft nicht überzeugt. Seit 2006 war sie durch den Riesaer Handels-, Gewerbe- und Verkehrsverein e.V. (HGV) im Tourismusverband vertreten. Der hieß bis dahin noch Sächisches Elbland. Doch als er eine Kooperation mit der Dresden Marketing GmbH einging und sich seitdem Tourismusverband Elbland Dresden nennt, sei der Mitgliedsbeitrag sprunghaft angestiegen.

Statt jährlich 690 Euro sollten die Riesaer über 20.000 Euro zahlen. "Das erscheint nicht adäquat zu dem, was Riesa von Elbland Dresden zurückbekommt“, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. "In der Vermarktung der touristischen Potenziale des Landkreises konzentriert sich der Verband nahezu ausschließlich auf die Leuchttürme Meißen, Moritzburg und die Weinregion. Riesa blieb dabei fast komplett draußen." Deshalb ist der HGV 2017 ausgetreten.

Riesa arbeitet aktuell sehr eng mit benachbarten Partnern wie der Lommatzscher Pflege, dem Elbe-Röder-Dreieck und der Stadt Oschatz zusammen. Messeauftritte und die Präsentation im Internet und bei den sozialen Medien leistet die Riesa Info in Eigenregie.

Diese Kommunen gehören aktuell dazu

Aktuell zählen neun Kommunen aus dem Landkreis Meißen zum Tourismusverband Elbland Dresden. Es sind Coswig, Großenhain, Klipphausen, Meißen, Moritzburg, Nünchritz, Radebeul, Strehla und Weinböhla. Auffällig ist, dass die meisten davon an der Elbe liegen und schon allein deshalb ein gemeinsames Interesse an der Vermarktung des Elbradweges haben. 

"Zeithain würde gut dazu passen", sagt Sindy Vogel, die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes. "Dort gibt es viel Potenzial, das man nutzen kann." Sie verteidigt die Kooperation mit der Dresden Marketing GmbH. "Gerade dadurch haben wir eine ganz andere Schlagkraft." Alle Kommunen würden vom Markennamen "Dresden" profitieren.

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