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Trockentraining im Freibad

Chlorwasser und Corona-Virus vertragen sich nicht. Dennoch üben die Schwimmer vom SC Riesa derzeit außerhalb des Wassers.

Seilspringen statt Rückenschwimmen: Die jungen Schwimmer um Trainer Peter Günzel (M.) müssen derzeit an Land Sport treiben. Immerhin ist das Wasser im Freibad Weida in der Nähe.
Seilspringen statt Rückenschwimmen: Die jungen Schwimmer um Trainer Peter Günzel (M.) müssen derzeit an Land Sport treiben. Immerhin ist das Wasser im Freibad Weida in der Nähe. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Nachwuchsschwimmer vom SC Riesa trainieren wieder im Freibad Weida. Was normal klingt, ist in Zeiten der Corona-Beschränkungen außergewöhnlich. Zumal im großen 25-Meter-Becken des Bades noch das Wasser vom Vorjahr plätschert und die Badeplatte abgesperrt ist.

Die Schwimmer machen daneben in kleinen Gruppen und mit Abstand: Trockentraining. Angesichts des monatelangen Sport-Stillstandes immerhin ein kleiner Hoffnungsfunke und die Gelegenheit, sich endlich wieder mit Gleichgesinnten treffen zu können.

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"So, los geht’s", sagt Peter Günzel, hauptamtlicher Schwimmtrainer beim SC, zu den insgesamt acht Kindern vor ihm, die an diesem Tag die ersten zwei Trainingsgruppen bilden. Nach einigen Aufwärmübungen – unter anderem mit Springseilen – geht es an die Dehnung. "Ein Schwimmer braucht Kraft, Athletik und Ausdauer", erklärt Günzel. "Aber die Dehnung ist auch ganz wichtig."

Seit dem 20. April können die SC-Sportler an der frischen Luft in Kleingruppen trainieren. Zunächst im Kanuheim nahe dem Bootshaus und im Stadion in der Pausitzer Delle. Und seit dem 26. April auch auf den großen Grünflächen im Freibad Weida. Dafür hatte der Badbetreiber, die Magnet Riesa, grünes Licht gegeben.

Peter Günzel ist hauptamtlicher Schwimmtrainer beim Sportclub Riesa. Ins Wasser des Weidaer Freibads dürfen seine Schützlinge aber derzeit nicht. "Während der Corona-Pandemie ist ein ganzer Schwimm-Jahrgang weggefallen. Unmöglich, das wieder aufzuholen",
Peter Günzel ist hauptamtlicher Schwimmtrainer beim Sportclub Riesa. Ins Wasser des Weidaer Freibads dürfen seine Schützlinge aber derzeit nicht. "Während der Corona-Pandemie ist ein ganzer Schwimm-Jahrgang weggefallen. Unmöglich, das wieder aufzuholen", © Sebastian Schultz

"Über die Woche sind alle mal dran", sagt Peter Günzel, während seine Schützlinge über kleine Hürden hopsen und durch rote Kegel sausen. "Die ersten 14 Tage im Lockdown haben sich bestimmt einige gefreut, dass mal kein Training ist. Aber danach nicht mehr", weiß der Trainer, dessen Sportler unter normalen Umständen zwei bis fünf Mal pro Woche ihre Bahnen im Hallen- oder Freibad ziehen.

Im Winter gab es alternativ Trainingsprogramme per Video für zuhause. "Trotzdem ist uns während der Corona-Pandemie ein ganzer Schwimm-Jahrgang weggefallen. Unmöglich, das wieder aufzuholen", so Peter Günzel.

Ähnlich sieht das auch Schwimm-Abteilungsleiterin Katharina Schade. "Wir konnten beim SC rund 300 Kinder nicht im Schwimmen ausbilden. Außerdem ist auch das Schulschwimmen weggefallen", bedauert die 41-Jährige den immensen Ausfall.

Mehr als ein halbes Jahr Zwangspause

Dabei hatte der SC Riesa im Herbst 2020 ein Hygienekonzept erstellt und war im September wieder ins Training in der Riesaer Schwimmhalle eingestiegen. Das funktionierte aber nur kurze Zeit. "Bis Ende Oktober, danach ging nichts mehr", sagt Abteilungsleiterin Schade.

Während die Kleinsten das Schwimmen nicht erlernen und dieses Defizit wegen der eingeschränkten Kapazitäten kaum aufholbar ist, zeigen sich die gesundheitlichen Probleme bei Älteren und vor allem bei den Schwimmern im Seniorenalter bereits. Gelenke schmerzen, Laborwerte verschlechtern sich – fehlende Bewegung macht sich über so eine lange Zeit im Körper bemerkbar. Spazierengehen und Radfahren sind für Schwimmer keine wirkliche Alternative.

Dabei wäre ein Schwimmtraining mit korrektem Abstand auf den 14 Bahnen in den beiden Becken der Riesaer Halle problemlos möglich gewesen – zumal auch die Technik ständig in Betrieb war. Außerdem verträgt sich das Virus mit dem Chlor im Wasser nicht: "Alle vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Viren durch das Chlor sicher abgetötet werden", heißt es von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, einem Fachverband öffentlicher Bäder.

Die Treppe ins Schwimmbecken des Weidaer Bades ist gesperrt. Wann sie wieder geöffnet wird, muss sich zeigen.
Die Treppe ins Schwimmbecken des Weidaer Bades ist gesperrt. Wann sie wieder geöffnet wird, muss sich zeigen. © Sebastian Schultz

Der Blick zurück macht die SC-Sportler aber nicht glücklich. Sie schauen lieber voraus. "Wir hoffen auf einen baldigen Trainingsstart für alle im Wasser und darauf, in diesem Jahr unter anderem die Sächsischen Kurzbahnmeisterschaften in Riesa ausrichten zu können", sagt Katharina Schade, in deren Abteilung rund 400 Schwimmer Mitglied sind. "Und die halten bei uns auch in dieser schwierigen Zeit alle zur Stange", freut sich die Abteilungsleiterin und bedankt sich für die Treue der Sportler zum Verein.

Ende August oder Anfang September sollen im Freibad Weida – in Abstimmung mit dem Kreissportbund Meißen - auch die Kreis-Kinder- und Jugendspiele der Schwimmer ausgetragen werden.

Kochen statt Kraulen

Stellt sich abschließend die Frage, womit der Schwimmnachwuchs des SC die viele trainingsfreie Zeit verbracht hat. Ein Beispiel: Die 15 Jahre alte Lilly Alsdorf, die seit ihrem sechsten Lebensjahr beim SC schwimmt. "Es war schon eine große Umstellung. Wir hatten ja fast jeden Tag in der Woche Training", sagt die Jugendliche, die seit über einem Jahr nicht mehr im Wasser war. Erst verhindert durch eine Krankheit, dann durch die Corona-Vorschriften. "Mir tun vor allem auch die Kleinen leid. Deswegen helfe ich jetzt auch Herrn Günzel in Weida."

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Und was hat das junge Mädchen denn nun gemacht in ihrer neu gewonnenen Freizeit. Computerspiele? "Nein", lächelt Lilly, die das Städtische Gymnasium in Riesa besucht – wenn es denn mal auf hat. "Ich habe in letzter Zeit das Kochen und Backen für mich entdeckt." Und da horcht Trainer Peter Günzel sofort auf – und sieht vor seinem geistigen Auge schon am nächsten Trainingstag einen Kuchen vor sich, den dann alle als Belohnung fürs fleißige Training aufnaschen können.

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