merken
PLUS Riesa

Schwarzdecke für Riesas Schotterpisten?

Nicht nur für ältere Anwohner ist der Zustand der Turra-Straße ärgerlich - und das seit Jahren. Ein Stadtrat hofft jetzt auf eine simple Lösung.

Elfriede Winkler auf der Friedrich-Turra-Straße. Der Zustand des Wegs ist und bleibt ein Ärgernis für die Anlieger.
Elfriede Winkler auf der Friedrich-Turra-Straße. Der Zustand des Wegs ist und bleibt ein Ärgernis für die Anlieger. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Weg zur eigenen Tochter ist für Elfriede Winkler nicht ganz leicht - und das, obwohl die nur einige Hundert Meter weiter wohnt. Aber wenn die Seniorin an der Grenze zwischen Oswald-Bleier- und Friedrich-Turra-Straße ankommt, dann endet auch ganz abrupt die Asphaltdecke. Vorsichtig muss sich Elfriede Winkler dann mit ihrem Rollator über die Kante tasten. Und ebenso vorsichtig über die Schotterpiste zum Haus ihrer Tochter, vorbei an den Schlaglöchern.

Die hatte die Riesaer Stadtverwaltung erst Ende April verfüllen lassen. Anwohner und CDU-Stadtrat Christian Thielemann hatte in einer Ausschusssitzung die Situation vor Ort zur Sprache gebracht - nicht zum ersten Mal. Es habe vor Pfingsten ein Gespräch mit Vertretern des Bauamts gegeben, erklärt Thielemann. Aber der große Wurf kam offenbar nicht heraus. Zwei Wochen nach der notdürftigen Reparatur klaffen schon wieder hässliche Löcher im Weg, um die Elfriede Winkler einen Bogen machen muss.

Anzeige
Jetzt Studienplatz sichern!
Jetzt Studienplatz sichern!

Die beste Zeit für Studieninteressierte sich einen Studienplatz an der Hochschule Zittau/Görlitz zu sichern ist jetzt!

Die Turra-Straße ist eine von mehreren in Riesa, die noch nicht grundhaft ausgebaut ist. Zuletzt sei das besonders problematisch, sagt Christian Thielemann. "Es gibt einige Familien, die hergezogen sind und bauen. Wir freuen uns drüber." Aber weil die Turra-Straße in dem Gebiet die breiteste Straße ist, fahren Bau- und Handwerksfirmen dort auch öfter lang - mit entsprechenden Folgen für den Straßenbelag.

Vom Staub, der dabei aufgewirbelt wird, möchte Thielemann gar nicht anfangen. "Hier wohnen eine ganze Reihe von ehemaligen Handwerkern, die über die Jahre viel Gewerbesteuer gezahlt haben." Da könne er es nicht verstehen, dass bei der Straße seit Jahren nur Flickschusterei betrieben wird. Zumal die über die Jahre gesehen wohl teurer sei als einmal eine Schwarzdecke, so Thielemann.

Bei Regen sammelt sich in den Schlaglöchern das Regenwasser, bei Trockenheit fliegt der Staub in die Gärten der Häuser.
Bei Regen sammelt sich in den Schlaglöchern das Regenwasser, bei Trockenheit fliegt der Staub in die Gärten der Häuser. © Sebastian Schultz
Die Schlaglöcher hatte die Stadt erst Ende April verfüllen lassen. Zwei Wochen später sei das Material bereits ausgespült gewesen, sagen Anwohner.
Die Schlaglöcher hatte die Stadt erst Ende April verfüllen lassen. Zwei Wochen später sei das Material bereits ausgespült gewesen, sagen Anwohner. © Eric Weser
Blick in die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße in Poppitz: Hier könnte es bald eine einfache Schwarzdecken-Lösung geben - weil einige Voraussetzungen erfüllt sind.
Blick in die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße in Poppitz: Hier könnte es bald eine einfache Schwarzdecken-Lösung geben - weil einige Voraussetzungen erfüllt sind. © Eric Weser

Im Bauausschuss hatte der CDU-Stadtrat deshalb eine einfache Lösung vorgeschlagen: Die Stadt könne doch auf vier Meter Breite die obere Schicht abfräsen und dann eine Schwarzdecke aufbringen lassen. Bei 200 Meter Straße mache das wohl rund 32.000 Euro. Diese Lösung samt Kostenschätzung habe ihm eine Baufirma vorgeschlagen.

Bauamtsleiterin Ina Nicolai zweifelte damals an der Umsetzbarkeit so eines Vorhabens. Ohne einen grundhaften Ausbau sei auch die Entwässerung nicht geklärt, sie halte den Vorschlag für bautechnisch fragwürdig. Dennoch hieß es von der Stadtverwaltung, man wolle noch einmal das Gespräch mit Opti-Bau zu suchen.

Simple Lösung für die Friedrichs-Straße

Das ist mittlerweile geschehen. Tatsächlich könnte die Schwarzdecken-Variante nun umgesetzt werden - allerdings nicht an der Turra-Straße, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler: "Das Gespräch mit Opti-Bau hat an der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße in Poppitz stattgefunden, deren Anwohner ja derzeit durch den Umleitungsverkehr erheblich betroffen sind. Dort wurde der Vorschlag diskutiert, für den derzeit unbefestigten Abschnitt eine vereinfachte Lösung mittels Abfräsen der oberen Deckschicht und Aufbringen einer neuen Asphaltdecke zu finden." Das sei in dem etwa 350 Meter langen Bereich möglich, weil die Straße über ein Entwässerungssystem verfügt. Außerdem darf dafür keine Stahlwerksschlacke im Untergrund verbaut sein. Das werde momentan geprüft. "Wenn das Ergebnis positiv ist, wird das Bauamt eine Ausschreibung vorbereiten und der Bauausschuss kann im September die Arbeiten noch für diesen Herbst vergeben."

Weiterführende Artikel

Weniger Geld für den Straßenbau in Sachsen

Weniger Geld für den Straßenbau in Sachsen

Der Freistaat kürzt den Kommunen die Fördergelder um gut ein Viertel. Das hat drastische Folgen - auch für die Bauunternehmen.

Ein Jahrhundert Holperpiste

Ein Jahrhundert Holperpiste

Anwohner der Ganziger Straße in Riesa protestieren schon lange für den Ausbau der Fahrbahn. Jetzt war ein Politiker da.

Ärger über die Schotterpisten

Ärger über die Schotterpisten

Eine ganze Reihe von Riesaern hofft auf den Ausbau ihrer Straße – manche schon seit Jahrzehnten.

Über die Turra-Straße wurde dagegen mit Opti-Bau nicht gesprochen, und im Rathaus überwiegt die Skepsis, ob die Schwarzdecken-Lösung dort umsetzbar ist. Denn dort fehlen die Möglichkeiten zur Entwässerung. Regenwasser darf aber auch die Stadt nicht aufs benachbarte Feld abfließen lassen, betont der Stadtsprecher. "Insbesondere bei Starkregen wäre das zudem gar nicht beherrschbar, man kann ja nicht einfach das Feld fluten und gegebenenfalls sind dann weitere Grundstücke, Keller oder Ähnliches ebenfalls betroffen. Kein seriöses Unternehmen würde so was bauen." Bleibt also weiter nur die Hoffnung auf grundhaften Ausbau. Wann dafür das Geld da sein wird, ist offen. Eine schnelle Lösung an der Turra-Straße scheint derzeit nicht in Sicht zu sein.

Mehr zum Thema Riesa