merken
PLUS Riesa

Amt verteidigt Baumschnitt für Funkmast

Weil das Kreisumweltamt der Baufirma eine Genehmigung erteilte, konnte der Mast in Zeithain errichtet werden. Das ärgert die Anwohner immer noch.

Der Kreinitzer Gemeinderat Axel Huth hielt mit seiner Kamera den Moment fest, als Äste der Rosskastanie vor der Toreinfahrt zum Telekom-Gelände abgesägt wurden.
Der Kreinitzer Gemeinderat Axel Huth hielt mit seiner Kamera den Moment fest, als Äste der Rosskastanie vor der Toreinfahrt zum Telekom-Gelände abgesägt wurden. © Axel Huth

Zeithain. Seit dem 13. April steht der Masten der Deutschen Funkturm GmbH an der Langenberger Straße in Zeithain. Schon von Weitem ist er sichtbar. Er ragt aus der kleinen Siedlung zwischen den beiden Bahnstrecken heraus. Der 40 Meter hohe Stahlbetonmast steht nahe der Häuser. Deren Bewohner haben bereits angekündigt, sich nicht damit abfinden zu wollen. Es mindere den Wert ihrer Grundstücke.

Der Ärger ist groß. Erst recht, weil er in der vergangenen Wochen hätte nie und nimmer errichtet werden dürfen, sagen die Hausbesitzer. Der Grund: Die Zufahrt für den Autodrehkran, der am Tag zuvor in Zeithain ankam, war durch die Äste einer Rosskastanie versperrt. Das große Fahrzeug wäre nicht auf das Telekom-Gelände an der Langenberger Straße gekommen, ohne den Baum zu beschädigen.

Technische Universität Dresden
TU Dresden News
TU Dresden News

Was passiert an der Exzellenzuniversität TU Dresden? Aktuelle News und Informationen finden Sie in unserer Unternehmenswelt.

Also mussten sie abgesägt werden. Doch Bäume dürfen in Deutschland nur von Oktober bis Februar beschnitten werden. Die Bauleute beantragten noch am gleichen Tag eine Genehmigung beim Kreisumweltamt in Meißen - und erhielten sie. Das können die Anwohner nicht verstehen.

Im Bauantrag für den Funkmasten auf der Langenberger Straße in Zeithain findet sich auch die Stellungnahme des Kreisumweltamtes Meißen. Ein Anwohner hatte sie kopiert und die bewusste Stelle orange markiert.
Im Bauantrag für den Funkmasten auf der Langenberger Straße in Zeithain findet sich auch die Stellungnahme des Kreisumweltamtes Meißen. Ein Anwohner hatte sie kopiert und die bewusste Stelle orange markiert. © Jörg Richter

Ein Anwohner hat sich den Bauantrag und die dazugehörigen Antwortschreiben der Träger öffentlicher Belange, die im Vorfeld eines solchen Bauvorhabens befragt werden, kopiert. Auch das Kreisumweltamt hatte seine Einwendungen schriftlich formuliert. Der Mann hat das Fazit der Behörde orange markiert. Es lautet wörtlich: "Nach § 39 des BNatSchG dürfen die Ausästung der Rosskastanie und der Robinie sowie das Entfernen des Mittelmeer-Feuerdorns aus artenschutzrechtlichen Gründen nur innerhalb des Zeitraumes vom 01.10. - 28.02. stattfinden."

Auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung teilt das Kreisumweltamt jetzt mit: "Die untere Naturschutzbehörde hat dem Unternehmer am 12. April 2021 bescheinigt, dass das partielle Einkürzen des die Kranzufahrt tangierenden Baumes zulässig und nicht von den Verboten des § 39 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz umfasst ist. Ebenso wurde vereinbart bzw. festgelegt, dass ein betroffener Nistkasten ortsnah umgehängt wird. Beide Arbeiten erfolgten sachgerecht im Zuge der Baumaßnahme und wurden entsprechend dokumentiert."

Die Anwohner der Langenberger Straße in Zeithain sind empört. Sie finden, dass das Landratsamt seine eigenen Forderungen aufgegeben hat, nur damit dieser Funkmast-Bau noch im Frühjahr realisiert werden kann und sich nicht ein weiteres halbes Jahr hinzieht. Denn das Errichten dauerte dem Betreiber, der Deutschen Funkturm GmbH, schon viel zu lange. Bereits Ende September sollte der Masten stehen.

"Doch auch das wäre nicht rechtens gewesen", sagt der Anwohner. Denn das Kreisumweltamt hatte als frühesten Termin für die notwendige Ausästung den 1. Oktober benannt.

Die Bauarbeiter schnitten einen etwa zehn Meter langen Ast von der Rosskastanie ab.
Die Bauarbeiter schnitten einen etwa zehn Meter langen Ast von der Rosskastanie ab. © Axel Huth

Noch einmal beim Landratsamt nachgefragt, wie es denn zu der Genehmigung kam, antwortet das Kreisumweltamt: "Form- und Erhaltungsschnitte sind immer möglich, beispielsweise, wenn sie der Verkehrssicherheit dienen. Diese Schnitte müssen entsprechend maßvoll ausgeführt werden."

Ob das Absägen eines etwa zehn Meter langen Astes als maßvoll angesehen werden kann, darüber lässt sich streiten. Dass die Äste die Zufahrt und damit die Verkehrssicherheit beeinträchtigt haben, wohl nicht.

"Da ist einiges schiefgelaufen", sagt Gemeinderat Axel Huth, der die Baumschnitt-Aktion fotografierte. Das habe schon damit begonnen, dass die betroffenen Anwohner nicht sofort nach der ersten Bauanfrage darüber informiert worden sind, was die Deutsche Funkturm GmbH da vor hat. "Man sollte da keine Geheimniskrämerei daraus machen und alle Informationen transparent an die Bürger weitergeben", so Huth. "Das ist die Lehre, die wir aus dieser Sache ziehen sollten."

Am Ende konnte der Autodrehkran auf das Telekom-Gelände fahren und am nächsten Tag den Funkmasten aufbauen.
Am Ende konnte der Autodrehkran auf das Telekom-Gelände fahren und am nächsten Tag den Funkmasten aufbauen. © Jörg Richter

Mehr zum Thema Riesa