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Morgendlicher Alkohol-Crash

Ein Wülknitzer baut mit 1,8 Promille auf der B 169 einen Unfall. Das bringt ihn auf die Anklagebank.

Weil er mit Alkohol am Steuer seines Audi einen Unfall verursachte, stand ein 55-Jähriger jetzt in Riesa vor Gericht.
Weil er mit Alkohol am Steuer seines Audi einen Unfall verursachte, stand ein 55-Jähriger jetzt in Riesa vor Gericht. © Bildstelle

Wülknitz. Die junge Frau ahnte nichts Böses, als sie am 14. September auf dem Weg zur Arbeit mit ihrem Ford Fiesta auf der Bundesstraße nach Lichtensee hineinfuhr. Wie aus heiterem Himmel krachte es. "Als würde ich mich überschlagen", erzählt sie vor Gericht. Eigentlich habe sie gar nicht mitbekommen, was wirklich passierte. Aus einer von rechts einmündenden Nebenstraße war ein Audi herausgeprescht und ihr voll ich die Beifahrerseite gefahren. Die 25-Jährige erlitt dabei ein Schädel-Hirn-Trauma und stand schwer unter Schock. Die beteiligten Autos waren beide hinüber.

Die Einmündung der Lichtenseer Bahnhofstraße in die B 169 ist recht unübersichtlich, weshalb gegenüber ein Verkehrsspiegel steht. Der aber sei in der Morgenkühle beschlagen gewesen, erklärt der Unfallverursacher vorm Riesaer Amtsgericht. Der 55-Jährige sitzt wegen Gefährdung des Straßenverkehrs auf der Anklagebank. Und das hat keineswegs nur mit schlechter Sicht zu tun. Knapp 1,8 Promille brachte der Alkoholtest zutage, und das um 5.40 Uhr am Morgen! Das sei alles vom Vortag gewesen, erklärt der Wülknitzer. Da habe er etwas Bier und später mit seiner Lebensgefährtin eine Flasche Wein getrunken.

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Unfallverursacher war auf dem Weg zur Arbeit

Richterin Ingeborg Schäfer rechnet ihm vor, dass das nicht stimmen kann. Hätte er, wie bei der Vernehmung angegeben, bereits am Vorabend um 21 Uhr mit dem Trinken aufgehört, müsste er zu diesem Zeitpunkt schwer alkoholisiert gewesen sein. Legt man die durchschnittliche Abbaugeschwindigkeit im Körper zugrunde, hätte Tino R. da 2,8 Promille auf der Lampe gehabt haben müssen. Ob es vielleicht doch ein Alkoholproblem gebe?, fragt die Richterin. Das weist der Unfallfahrer aber weit von sich. Vielleicht rühre die Unaufmerksamkeit ja vom Zusammenwirken des Alkohols mit den Medikamenten her, von denen er gleich fünf verschiedene einnehme.

Ingeborg Schäfer hat die Beipackzettel aufmerksam studiert und findet gleich drei, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Aber abgesehen davon, dass das Fahren unter Medikamenteneinfluss nicht erlaubt ist – das Ergebnis des Alkoholtests lässt sich nicht wegdiskutieren. Noch dazu befand sich der Zusteller auf dem Weg zur Arbeit, wo er wieder in ein Auto gestiegen wäre.

Seinen Führerschein ist Tino R. also auf jeden Fall los. Ansonsten hat er Glück, dass die Geschädigte nur geringe Verletzungen davontrug und es auch kaum Folgeschäden gibt. Um Entschuldigung hatte der Alkoholsünder die junge Frau bereits am Unfallort gebeten. Vor Gericht tut er das noch einmal und zeigt sich auch sonst reuig und geständig. Obwohl fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässige Körperverletzung zu Buche stehen, bleibt es deshalb bei einer Geldstrafe von 2.000 Euro.

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Richterin Ingeborg Schäfer traut den Angaben des Angeklagten allerdings immer noch nicht recht. Schließlich ist ihm vor zehn Jahren schon einmal wegen eines Alkoholdelikts der Führerschein entzogen worden. Ob er nicht doch einmal die Suchtberatung aufsuchen wolle? Verfügen könne sie das angesichts der Sachlage zwar nicht, ihm ans Herz legen aber doch. Laut Urteil muss Tino R. die nächsten zwölf Monate ohnehin zu Fuß gehen. Und sich angesichts der nachgewiesenen Promillehöhe danach der Medizinisch Psychologischen Untersuchung (MPU), im Volksmund auch "Idiotentest" genannt, unterziehen.

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