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Nach schwerem Sturm in Gröditz: Landrat kündigt Besuch an

Ein heftiges Unwetter zog am Dienstagabend über Sachsen. Der Landkreis Meißen hat wohl das Ärgste abbekommen. Hinweise auf einen Tornado in Gröditz werden aber nicht bestätigt.

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Das Dach der Oberschule Gröditz wurde durch den Sturm teilweise abgedeckt.
Das Dach der Oberschule Gröditz wurde durch den Sturm teilweise abgedeckt. © FFW Glaubitz

Einen umfänglichen Text zu den Aufräumarbeiten in Gröditz finden Sie hier.

Gröditz, 15.13 Uhr: Landrat kommt am Donnerstag

Landrat Ralf Hänsel wird am Donnerstag das vom Sturm verwüstete Gröditz besuchen. Seit Dienstagaband steht der Landrat im engen Kontakt mit Kreisbrandmeister Thomas Fischer, der in Gröditz vor Ort ist und bei der Koordinierung der Einsätze unterstützt. Am morgigen Donnerstag wird sich der Landrat selbst ein Bild von der Lage machen.

Das Unwetter zog aus Nordwest kommenden über Gröditz, so das Landratsamt in einem Statement. Betroffen sei die Ortsverbindung von Spansberg nach Nauwalde. Dort seien unter anderem auch die Strommasten der 380 KV-Leitung umgeknickt. In der Stadt habe es die Stadtmitte getroffen. Bei Wohnblöcken Am Kanal, in der Lessingstraße, in der Mozartallee, am Schwarzer Weg und Wainsdorfer Straße wurden unter anderem Dächer abgedeckt.

Betroffen sei auch die Oberschule. Die PV-Anlagen vom „Langen Block“ wurden beschädigt und etliche Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. Es sind Bäume umgeknickt oder entwurzelt und Bahnlinie Elsterwerda-Chemnitz ist im Bereich Gröditz gesperrt, da Oberleitungen und Lichtsignalanlagen beschädigt wurden. So lautet die erste Schadenbilanz aus dem Landratsamt Meißen. Aktuell stemme die Stadt Gröditz die Situation allein, das es sich nicht um ein Großschadensereignis handle.

Dachschaden an der Oberschule Gröditz.
Dachschaden an der Oberschule Gröditz. © Sebastian Schultz

Seit Mittwoch 7 Uhr ist ein Bürgertelefon geschaltet. Betroffene melden seitdem die Schäden, welche weiterhin priorisiert und durch die Wehren Gröditz, Spansberg, Nieska und Nauwalde, den Bauhof, der kommunalen Verwaltung und Privatfirmen abgearbeitet werden. Priorität habe dabei die Sicherheit und Wiederherstellung der öffentlichen Infrastruktur.

Gröditz, 13.23 Uhr: Sommerfest abgesagt

Aufgrund der starken Unwetterschäden am Dreiseithof Gröditz muss auch das Sommerfest der Gemeinde ausfallen, das für den 22. und 23. Juni geplant war. Das gab die Stadt Gröditz über Facebook bekannt. Über einen möglichen Nachholtermin würde man über die sozialen Netzwerke informieren.

Gröditz, 12.31 Uhr: Deutscher Wetterdienst kann Tornado nicht bestätigen

Verantwortlich für die massiven Schäden im Landkreis Meißen war am Dienstagabend eine sogenannte Superzelle. Das bestätigt Marcus Beyer von der Tornado-Expertengruppe des Deutschen Wetterdienstes. Es handelt sich dabei um rotierende Gewitter, die nicht nur großen Hagel, sondern auch Orkanböen und Tornados hervorbringen können. Gestern seien die Bedingungen sehr gut für Superzellen und die erwähnten Begleiterscheinungen gewesen. „Wir haben den Fall erfasst und auch schon reichlich Schadensbilder gesehen. Einen Tornado können wir nach aktueller Sachlage nicht bestätigen“, so Marcus Beyer.

Grundlage diese Aussage sind laut Beyer unter anderem die gesichteten Radarbilder. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass die Ursache für die massiven Schäden geradlinige Winde, sogenannte Fallböen, gewesen seien. Aufgrund der gesichtete Bilder sei davon auszugehen, dass die Windgeschwindigkeiten höher als 140 km/h gewesen sein müssen. Derzeit wird der Fall mit einer Stärke von IF1.5 geführt, was Windgeschwindigkeiten um 180 km/h (+-30 km/h) entspricht.

Endgültige Klarheit könne nur eine Untersuchung der Schäden und des Schadensmusters vor Ort bringen. Man müsse schauen, wie die Fallmuster von Bäumen und die Verfrachtung von Gegenständen stattgefunden hat. Gibt es eine klare Fallrichtung, sei das ein Hinweis auf Fallböen, während sich bei einem Tornado wechselnde Windrichtungen eingestellt hätten, so der Tornadoexperte. Bewertet wird die Stärke des Ereignisses nach der internationalen Fujita Skala.

Nach dem Sturm: Das große Aufräumen

Gröditz, 11.41 Uhr. Besonders schlimm soll es wohl die Oberschule in Gröditz getroffen haben. Das Dach des Schulgebäudes wurde abgedeckt, die Dämmung liegt nun verstreut im ganzen Musikerviertel verteilt, wie die Stadt auf Facebook mitteilt.

Die Zeugnisausgabe wurde deshalb in die Elbe-Röder-Halle am anderen Ende der Stadt verlegt. Wer vor Ort ist und sich an den Aufräumarbeiten beteiligen möchte, der könne das leichte Material neben der Feuerwehrzufahrt vor der Schule ablegen, informiert die Stadt weiter über Facebook. Gegen Mittag werde zur Entsorgung des Styropors ein Container eintreffen.

Nicht nur Bäume sind angesichts des schweren Sturms umgeknickt. Die Lausitzer Rundschau vermeldet mehrere Mastumbrüche.

Bei Gröditz seien insgesamt 17 Strommasten, der in diesem Bereich parallel verlaufenden 380 kV-Leitungen Ragow-Streumen und Preilack–Streumen, umgeknickt oder stark beschädigt worden. Menschen kamen dabei jedoch nicht zu Schaden. Auch im Norden Brandenburgs gab es heftige Zerstörung.

Ein umgeknickter Strommast zwischen Nauwalde und Spansberg.
Ein umgeknickter Strommast zwischen Nauwalde und Spansberg. © Jörg Richter

Äste und Baumstämme pflastern die Straßen in Gröditz. Bis das Gröbste beseitigt ist, wird wohl noch einiges an Arbeit vonnöten sein. Unkritische Einsätze können in Gröditz beim Bürgertelefon unter 035263 176544 gemeldet werden. Man wolle sammeln, sichten und nach Priorität abarbeiten, so die Stadtverwaltung auf Facebook.

Die Stadt Gröditz hat außerdem für Baumwurf und Baumbruch folgende Sammelstellen eingerichtet:

  • Fläche Zellstoffwerk
  • Marktplatz Gröditz
  • Fläche neben dem Freizeitpark Gröditz ("Wäldchen" an der Franz-Liszt-Straße)
Etliche Bäume entlang einer Straße in Gröditz wurden entwurzelt.
Etliche Bäume entlang einer Straße in Gröditz wurden entwurzelt. © privat
Einige Bäume fielen auf Häuser und Autos.
Einige Bäume fielen auf Häuser und Autos. © privat
Mehrere Straßen waren durch die Sturmschäden blockiert.
Mehrere Straßen waren durch die Sturmschäden blockiert. © privat

Als Tornadomeldungen aus Gröditz eintrudelten

Landkreis, 10.09 Uhr. Hat am Dienstagabend ein Tornado durch Gröditz getobt? Die Feuerwehr habe mithilfe von Drohnenaufnahmen eine Schneise erkannt, die auf einen Tornado hinweisen könnte, teilte die Sprecherin der Stadtverwaltung Gröditz am Mittwochmorgen mit.

Ob tatsächlich ein Tornado entstanden ist, war bislang aber nicht sicher geklärt. Eine Expertengruppe wertete noch die Daten aus, sagte Meteorologe Florian Engelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Mittwochmorgen. "Nur weil es große Windgeschwindigkeiten und Schäden gab, muss es nicht zwangsläufig ein Tornado gewesen sein", so Engelmann. Allerdings seien die Bedingungen, unter denen ein Tornado entstehen könnte, gegeben gewesen.

Dazu zähle etwa eine zu Gewittern neigende Luftmasse, eine niedrige Wolkenuntergrenze in einer Höhe von 800 bis 1.000 Metern über dem Boden sowie große Unterschiede in den Windrichtungen auf engem Raum. Erst diese würden die Rotationsbewegung eines Tornados ermöglichen, so Engelmann. Auch wegen dieser Faktoren sei es schwierig, Tornados vorhersagen zu können. Allerdings sei das Wetterereignis in Deutschland selten.

Es wäre aber nicht das erste Mal, dass ein Tornado im Landkreis Meißen aufgetreten wäre. Im Jahr 2010 wütete am Pfingstmontag ein Wirbelsturm durch Großenhain und Umgebung. Ein kleines Mädchen verlor dabei unter einem umgestürzten Baum sein Leben. Das vollständige Maß der Zerstörung nach dem neuerlichen Unwetter wird sich wohl erst im Laufe des Tages offenbaren.

Am Vorabend waren über 100 Einsatzkräfte vor Ort, unterstützt von einigen Landwirten. Die Feuerwehr des Landkreises Meißen hat in der Stadt eine ortsfeste Befehlsstelle eingerichtet. Nach Angaben der Stadtverwaltung ging der erste Alarm 18.51 Uhr in der Leitstelle ein - direkt mit 30 Meldungen. Bis 21.30 Uhr seien 69 Einsätze absolviert worden. Auch die Dächer der Gröditzer Oberschule und des städtischen Bauhofs sind vom Sturm abgedeckt worden, etliche Bäume wurden entwurzelt.

Auch in Zabeltitz hat es Schäden gegeben: Heftiger Hagel ging, wie auch anderswo in Sachsen, über dem Ort nieder, mindestens ein Baum wurde entwurzelt. Blumenkästen, Kübel und Beete wurden verwüstet, die Straßen in und um den Ort waren voller Laub. Auch die Landwirtschaft soll wohl erhebliche Schäden genommen haben. (SZ/dpa)

In Zabeltitz wurde ein Baum entwurzelt.
In Zabeltitz wurde ein Baum entwurzelt. © privat
Starker Hagel ging über dem Ort nieder.
Starker Hagel ging über dem Ort nieder. © privat

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