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B-169-Betroffene melden sich zu Wort

Ein Landwirt möchte nicht, dass seine Felder von einer neuen Trasse zerschnitten werden. Anwohner an der bisherigen Route sind empört.

Ist das Lebensqualität? Die Stauchitzer Frank Kirbach, Willfried Quosdorf und Günther Grimmer (v.l.) leiden unter dem Durchgangsverkehr auf der B 169 durch Plotitz. Sie wünschen sich lieber heute als morgen eine neue Trasse.
Ist das Lebensqualität? Die Stauchitzer Frank Kirbach, Willfried Quosdorf und Günther Grimmer (v.l.) leiden unter dem Durchgangsverkehr auf der B 169 durch Plotitz. Sie wünschen sich lieber heute als morgen eine neue Trasse. © Sebastian Schultz

Stauchitz. Wer hier wohnt, braucht gute Nerven. Direkt an der scharfen Kurve im Stauchitzer Ortsteil Plotitz empfangen drei Anwohner den SZ-Fotografen. Rund viereinhalbtausend Fahrzeuge kommen dort auf der B 169 durch. Tag für Tag. Und jedes fünfte Fahrzeug davon ist - so die letzte Straßenverkehrszählung - ein Lkw.

Wie auch die Anwohner in Glaubitz, Wildenhain, Quersa, Schönfeld an der B 98 und die Strehlaer an der B 182 haben die Stauchitzer den Krach und die vibrierenden Häuser satt. Während man dort auf den Bau von Ortsumfahrungen hofft, geht es hier um den geplanten dritten Bauabschnitt der B 169 - hinter den Dörfern über die Felder.

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Doch auch dieses Projekt hat Gegner - darunter der Landwirt Hartwig Kübler, der vor einer guten Woche in der SZ erklärte, warum er die geplante Neubautrasse ablehnt. Seitdem hätten sich viele aufgebrachte Bürger aus den Stauchitzer Ortsteilen persönlich oder per Telefon an die Bürgerinitiative "B 169 Jetzt!" gewandt, sagt Professor Günther Grimmer. Die Initiative setzt sich seit Jahren für den Neubau der B 169 ein.

Aus Sicht der Bürgerinitiative seien die Argumente des Landwirts alle schon einmal vorgebracht worden, sie seien überholt und sachkundig widerlegt. Die Vorschläge zu einer anderen Trassenführung würden lediglich nur dem Zweck dienen, den Weiterbau der B 169 bis Salbitz zu verzögern und letztlich zu verhindern.

Die Argumente, so heißt es von der Bürgerinitiative, seien vor allem von ganz persönlichen Interessen des Landwirts Kübler bestimmt. So hatte Kübler argumentiert, die neue Trasse bringe keine wirkliche Verkehrsentlastung, sondern verlagere sie nur. Die Bürgerinitiative um Günther Grimmer sieht das anders. "Die Entlastung der Ortsteile Seerhausen, Plotitz, Stösitz und Stauchitz ist durch den Wegfall der Ortsdurchfahrten unbestritten. Und auch für die Ortsteile Ragewitz, Grubnitz und Bloßwitz fallen die Ortsdurchfahrten weg und führen zur Verkehrsberuhigung", sagt der pensionierte Umwelttechnik-Professor.

Die betroffenen Bürger würden es als "empörend" empfinden, dass es Kübler vor allem um sein Land geht - er aber nicht "an die Gesundheit und Sicherheit der durch den Schwerlastverkehr geschädigten Bürger" denke. Schließlich heiße es im Grundgesetz, Artikel 14, dass "Eigentum verpflichtet" und auch dem Gemeinwohl dienen soll. Deshalb sei es vertretbar, dass Eigentümer für so ein Bauvorhaben auch Land zur Verfügung stellen müssen.

Ist der Staat noch handlungsfähig?

"Sein weiteres Argument, wonach die vorgesehene Trassenführung zu viel Land verbrauche, wird durch die längere Strecke seines Vorschlages ad absurdum geführt", kritisiert Günther Grimmer die Äußerungen des Landwirts. Denn auch dafür werde Land benötigt. "Aber ganz offensichtlich geht es dann um Land anderer Flächeneigentümer und nicht um seins."

Manche Menschen hätten nach mehr als 20 Jahren Kampf um die B 169 den Glauben an die Handlungsfähigkeit des Staates schon fast verloren, sagt Grimmer. Und nun würden manche Bürger es so deuten, dass der Landwirt Kübler für seine persönlichen Interessen auch seine Funktion als Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister nutze. "Anstatt als Gemeinderat mit konstruktiven Vorschlägen das Vorhaben im Gemeininteresse zu befördern, geht es ihm um Einwendungen seiner Gemeinde und von ihm persönlich auf der Grundlage der schon lange verworfenen Trassenvorschläge."

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Als Bürgerinitiative sei man aber offen für konstruktive Gespräche - auch mit Hartwig Kübler. "Wenn sie dazu dienen, den Weiterbau der B 169 bis Salbitz auf der Grundlage der zuletzt vorgelegten Planungen zu beschleunigen", heißt es in einem Schreiben an die SZ. Den Bürgern sei eine weitere, von persönlichen Interessen bestimmte Verzögerung nicht mehr zu vermitteln und zuzumuten.

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