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B 169 nördlich Gröditz bleibt noch 13 Monate gesperrt

Autofahrer, die von Gröditz aus Richtung Brandenburg wollen, müssen sich gedulden: Freie Fahrt heißt es erst Anfang November 2022.

Die B-169-Baustelle in Prösen ist mitten im Dorf angekommen. Jetzt wird der nächste Abschnitt asphaltiert.
Die B-169-Baustelle in Prösen ist mitten im Dorf angekommen. Jetzt wird der nächste Abschnitt asphaltiert. © Manfred Feller

Von Manfred Feller (Lausitzer Rundschau)

Prösen (Elbe-Elster). Jene Prösener, die an den fertigen Abschnitten der B 169-Ortsdurchfahrt wohnen, genießen die relative Ruhe fast ohne Fahrzeugverkehr. Damit wird es voraussichtlich erst in 13 Monaten vorbei sein. Das offizielle Bauende auf der zweieinhalb Kilometer langen Bundesstraße, der kürzesten Verbindung zwischen Elsterwerda und Gröditz, ist der 4. November 2022. Dann liegen zwei Jahre und drei Monate Bauzeit hinter allen Beteiligten.

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„Diesen Termin halten wir auf alle Fälle“, sagt Bauleiter Martin Benade vom Hauptauftragnehmer TS Bau Riesa relativ entspannt. Im Rückblick auf die bisherigen Arbeiten, die oft genug kompliziert waren, weiß er, dass seine Männer das schaffen werden. Deswegen ist Anke Schlosser, Sachgebietsleiterin für Bauvorbereitungen und Bauüberwachungen beim Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen Süd in Cottbus, ebenfalls zuversichtlich: „Das ist eine Baustelle, die sehr gut läuft. So, wie es sich jetzt abzeichnet, wird der Termin mit Sicherheit gehalten. Wir werden eventuell sogar eher fertig.“ Viel weiter möchte sich keiner aus dem Fenster lehnen.

Vor den Bewohnern und jenen, die sie mit Fahrzeugen aufsuchen müssen, liegen noch harte Monate. Denn demnächst wird das lang gestreckte Dorf durch die wandernde B 169-Baustelle noch konsequenter zweigeteilt. Der aktuelle Abschnitt endet am Rathaus, wo der neue bald beginnt. Dann wird zwar die enge Hauptstraße, die von der B 101 und dem Bahnhaltepunkt kommt, geöffnet, aber die Nebenstraße auf der anderen Seite der Verwaltung geschlossen. Vielleicht finden Ortskundige Schleichwege.

Für Anke Schlosser steht jedoch fest: Wer in Prösen vom Norden in den Süden und umgekehrt wechseln wolle, der müsse dann die leidige lange Umleitung über Wainsdorf nehmen. Nach wie vor wird rege und widerrechtlich von der B 101 am Bahnhaltepunkt beidseitig nach Prösen eingebogen. Deswegen hat es dort bereits gefährliche Verkehrssituationen gegeben und auch gekracht. Vielen wird das Abbiegen demnächst nichts mehr nützen, wenn sie in den Süden von Prösen wollen, heißt es.

Mit der Riesaer Baufirma TS Bau sind die Verantwortlichen sehr zufrieden.
Mit der Riesaer Baufirma TS Bau sind die Verantwortlichen sehr zufrieden. © Manfred Feller

Wie ist der Stand auf der langen Ortsdurchfahrt? Der nördliche Teil bis zur Tankstelle war nach Auskunft von Mike Fritzsch, Bauüberwacher beim Landesbetrieb Straßenwesen, nach dem Baustart Ende Juli 2020 im Mai dieses Jahres fertig. Dort wurde grundhaft ausgebaut. Es folgte auf der anderen Seite des Dorfes die 1.300 Meter lange Riesaer Straße etwa von der Sachsengrenze bis zur Schule. Bis Juli wurde die Decke saniert.

Zusätzlich mussten dort aufgrund der Fahrzeugbelastungen und der verschlissenen Fahrbahn alle Schachtdeckel, Straßenabläufe und Schieberkappen der Trinkwasserversorgung erneuert werden. Die Fahrzeuge hatten es sogar geschafft, die unterirdischen Schiebergestänge zu beschädigen. Mehr als 70 Schieber mussten ausgetauscht werden. Dies sei nicht geplant gewesen.

© SZ Grafik

Damit dies künftig nicht mehr passiert - da Absenkungen auch stets mit Zusatzlärm für die Anwohner verbunden sind - seien einwalzbare Schieberkappen für das Trinkwasser und ebensolche Schachtabdeckungen eingebaut worden. Das heißt, so Mike Fritzsch, dass diese Bauteile fest in den Asphalt eingebaut worden sind. Senkt sich die Straße, gehen die Abdeckungen in gleichem Maße mit. Die Fahrbahnoberfläche bleibt eben. Unterirdisch ist das entsprechende Spiel zum Absenken gegeben. Selbstnivellierend nenne sich das, so Anke Schlosser. Diese Technologie koste mehr Geld. Doch der zuständige Wasserverband habe sich für diese sinnvolle Zusatzinvestition entschieden.

Der 3. große Bauabschnitt von der Tankstelle zum Rathaus Prösen begann im Juli und endet demnächst. Die Vorbereitungen mit Unterbau, mit gesetzten Borden (felgenschonend zwar leicht zum Gehweg geneigt, aber immer noch scharfkantig), Gerinne und Schächten sind getroffen. Ab Montag solle asphaltiert werden. „Bei gutem Wetter haben wir es in einer Woche geschafft“, sagt Bauleiter Martin Benade. Die vier Lagen mit zwei Tragschichten, Binderschicht und Decke summieren sich zu einem stattlichen Paket von 36 Zentimetern Stärke. Das soll Jahrzehnte halten. Für die Anwohner ist mit dem Asphalt die Zeit der angeschütteten Auffahrten vorbei.

Die Baustelle zieht dann vom Rathaus bis zum Schmiedeweg weiter. Erneut warten die Archäologen darauf, baubegleitend mit Spaten und Spachtel Zeitzeugnisse der Ur-Prösener freizulegen. Bislang sollen sie nach Aussage von Mike Fritzsch - von ein paar Scherben abgesehen - ziemlich leer ausgegangen sein. Ein Grund: Die Erdschichten im Zentrum des Dorfes sind durch zurückliegende Tiefbauarbeiten schon vielfach gestört worden.

Ende April 2022 folgt der letzte Bauabschnitt vom Schmiedeweg bis zur Schule. Auch dort sind eine neue Trinkwasserhauptleitung zu verlegen, Hausanschlüsse umzubinden, die Straßenentwässerung zu schaffen und Gehwege zu bauen. Spätestens Anfang November des kommenden Jahres ist es geschafft. Wenn es die Witterung erlaube, solle im kommenden Winter möglichst durchgearbeitet werden.

Zu den wichtigsten Männern auf der Baustelle gehört Roman Kretschmer. Der Polier der Firma TS Bau ist die Kontaktperson für die Anlieger. Er sorgt dafür, dass alle trotz der Unannehmlichkeiten bei Laune gehalten werden. Wenn jemand ein Problem hat, er hilft oder gibt Rat. „Die Leute haben ein Superverständnis für das, was wir hier machen“, dankt der Polier für das gute Miteinander. An jedem Bauabschnitt kenne man sich im Prinzip persönlich.

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