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Schulbus-Ärger an Riesas neuer Oberschule

Weil Pausenzeiten geändert wurden, passt der Fahrplan nicht mehr. Das bringt selbst den Schulleiter auf die Palme.

Nachgestellte Szene: Die Abfahrtszeiten der Busse vor der Schule Am Merzdorfer Park passen nicht mehr zum Stundenplan. Für Schüler, die ins Umland müssen, bedeutet das oft lange Wartezeiten.
Nachgestellte Szene: Die Abfahrtszeiten der Busse vor der Schule Am Merzdorfer Park passen nicht mehr zum Stundenplan. Für Schüler, die ins Umland müssen, bedeutet das oft lange Wartezeiten. © Sebastian Schultz

Riesa. Es ist noch keine zwei Wochen her, dass die Oberschule Am Merzdorfer Park mit großem Bahnhof eröffnet wurde. Sachsens modernste Schule sei an der Merzdorfer Straße entstanden, hieß es, fast 20 Millionen Euro wurden hier investiert. Jürgen Gläsel kam schon vor der Eröffnung aus dem Grinsen nicht mehr heraus, dem Schulleiter stand die Freude über die neuen Schulhäuser stets ins Gesicht geschrieben.

In diese Freude mischt sich nun, kurz nach Schuljahresbeginn aber auch eine Portion Ärger. Die ersten Eltern beklagen sich, und auch der Schulleiter ist unzufrieden. Nicht direkt wegen des Schulhauses. Sondern, weil mit dem größeren Gebäude auch die Pausenzeiten verändert wurden. Und das wiederum hatte Folgen für die Schüler, die aus dem Riesaer Umland mit dem Bus anreisen.

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In den Morgenstunden ist noch alles in Ordnung, sagt Jürgen Gläsel. "Da fangen drei Schulen in Riesa gleichzeitig an, da passt das ganze. Probleme gibt es aber am Nachmittag, beginnend mit der 5. Schulstunde. "Die endet 12.15 Uhr", erklärt Jürgen Gläsel. Abfahrtszeit des Busses: 12.14 Uhr. Nach der 6. und 7. Stunde wiederum müssten die Kinder eine halbe beziehungsweise Dreiviertelstunde warten. "Das heißt: Schüler, die in der Peripherie wohnen, sind teils nicht vor 16 Uhr zu Hause."

Gleichzeitig brächten die Wartezeiten noch ein weiteres Problem mit sich. An der Straße herrscht Verkehr, zumindest die jüngeren Klassen müssten noch beaufsichtigt werden, schon der Sicherheit wegen. Und während ältere Schüler vielleicht noch zur Haltestelle an der Alleestraße vorlaufen, sei das zumindest bei Fünftklässlern nahezu ausgeschlossen. "Da spielt auch eine gewisse Unsicherheit mit rein", erklärt Jürgen Gläsel.

"Ich kann nicht ein ganzes Jahr lang Stunden kürzen"

Wie aber kommt es überhaupt zu diesem Problem? Hat die Schule den neuen Stundenplan zu kurzfristig angemeldet? Dem widerspricht Jürgen Gläsel deutlich. Er sei gerade deshalb so entsetzt, weil die Absprachen mit dem Landratsamt und der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) bereits seit einem Dreivierteljahr liefen. Bereits im März hatte Gläsel im Gespräch mit der SZ erklärt, wegen der längeren Pausenzeiten seien Abstimmungen nötig. Die habe es auch gegeben, bestätigt er. Die ersten hätten sogar schon im Herbst 2020 stattgefunden. Und die Signale aus dem Landratsamt seien auch durchaus positiv gewesen, den Fahrplan entsprechend zu justieren.

Am Ende aber senkte offenbar das für den Busverkehr zuständige Amt für Forst und Kreisentwicklung den Daumen - und der Schulbus fuhr wieder, wie vor den Sanierungsarbeiten an der Schule. "Wir haben im Vorfeld nicht mal eine Information gekriegt", ärgert sich Jürgen Gläsel. Besonders bitter findet er das, weil er sich von den längeren Pausen auch einen positiven Effekt für die Schüler erhofft hatte: einen günstigen Tagesrhythmus, mehr Zeit fürs Mittagessen, weniger Gehetze in den Gängen. Das sei bei den Fünf-Minuten-Pausen, die es bisher gab, nicht zu realisieren.

Seinem Ärger machte der Schulleiter auch im Riesaer Stadtrat Luft. Gläsel, der selbst als Teil der CDU-Fraktion im Gremium sitzt, erklärte das Problem - und bat diejenigen Stadträte, die auch Mitglieder im Kreistag sind, das Thema dort auf die Agenda zu setzen.

Das Landratsamt Meißen hielt sich mit Ausführungen zum Riesaer Schulbusproblem Ende der Woche noch zurück. Die Thematik sei dort bereits bekannt, hieß es am Freitag auf Nachfrage. "In der kommenden Woche sind dazu Abstimmungen zwischen der VGM und dem Amt für Forst und Kreisentwicklung des Landkreises Meißen geplant." Erst danach könne man sagen, welche Anpassungen tatsächlich möglich sind. Die Frage, warum das Amt im Vorfeld keine Chance auf so eine Anpassung gesehen hatte, blieb zunächst unbeantwortet.

Schulleiter Jürgen Gläsel erklärt indes, seines Wissens solle eine Erhebung jetzt die Auslastung der Busse und die Schülerströme klären. Das aber könnte dauern, fürchtet er. "Ein Gutachten bringt meinen Schülern nichts." Einfach die Schüler eher gehen zu lassen, sei auch ein Problem. "Ich kann nicht ein ganzes Jahr lang Stunden kürzen." Der Stoff fehle dann.

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