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Verliert Diesbar-Seußlitz seinen Titel?

Nach zehn Jahren soll das Prädikat "staatlich anerkannter Erholungsort" verteidigt werden. Aber wird es überhaupt genutzt?

Die amtierende Ortsweinkönigin Lisa-Marie Queißer (Lisa-Marie I.) und Jens Weser als Bacchus werben bei jeder Gelegenheit für den Erholungsort Diesbar-Seußlitz.
Die amtierende Ortsweinkönigin Lisa-Marie Queißer (Lisa-Marie I.) und Jens Weser als Bacchus werben bei jeder Gelegenheit für den Erholungsort Diesbar-Seußlitz. © Klaus-Dieter Brühl

Diesbar-Seußlitz. Es ist ziemlich genau zehn Jahre her, da verkündetet Sachsens damaliger Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), dass Diesbar-Seußlitz seinen Titel "staatlich erkannter Erholungsort" verteidigt hat. Dabei ist "verteidigen" der falsche Begriff. Tatsächlich wurde dem Nünchritzer Ortsteil dieses Prädikat zum ersten Mal vom Freistaat Sachsen verliehen.

Die alte Bezeichnung "Erholungsort" stammte noch aus Vorwende-Zeiten. Für die vom Hochwasser 2002 betroffenen Orte, wie Diesbar-Seußlitz, war der Bestandsschutz für Prädikatisierung nach DDR-Recht im Mai 2010 ausgelaufen, für alle anderen Orte bereits 2005.

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In der Pressemitteilung vom 16. Juni 2011 bezeichnete Morlok Diesbar-Seußlitz als "Perle der sächsischen Elbweindörfer". „Der Gemeinde ist es gelungen, einen sanften Tourismus rund um die Themen Natur, Weinbau, Kultur und Geschichte auszubauen und dabei ihre Ursprünglichkeit und ihren Charme zu bewahren“, begründete der Minister damals die Entscheidung.

Verlängerung soll beantragt werden

Mit den gemütlichen Weinstuben und Besenwirtschaften habe der einzige Erholungsort in Sachsen mit dem Alleinstellungsmerkmal „Weindorf“ vieles rund ums Thema „Wein“ zu bieten. Vor der Corona-Pandemie zog Diesbar-Seußlitz jährlich rund 140.000 Besucher, vor allem Kurzurlauber, Fernradler und Erholungssuchende benachbarter Städte, in seinen Bann.

Das historische Ambiente mit Barockschloss, Park, George-Bähr-Kirche und den beiden Gartenpavillons Heinrichsburg und Luisenburg sind ein Pfund, mit dem der Ort wuchern kann. Davon ist der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) nach wie vor überzeugt. "Deshalb wollen wir eine Verlängerung des Titels beantragen", sagt er. Das sei allerdings erst für nächstes Jahr vorgesehen.

Verliert Diesbar-Seußlitz bis dahin den Status als "staatlich anerkannter Erholungsort"? Aus dem Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus kommt Entwarnung. "Die staatliche Anerkennung ist grundsätzlich unbefristet", teilt Manja Kelch, die stellvertretende Pressesprecherin des Ministeriums auf Anfrage der SZ mit. Die Überprüfung der Anerkennung erfolge gemäß sächsischem Kurortgesetz turnusmäßig alle zehn Jahre. "Das Prädikat bleibt aber solang erhalten, bis es aktiv entzogen würde", sagt Manja Kelch.

Übersicht über staatlich anerkannte Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen (Stand: Juni 2021). Diesbar-Seußlitz wird in dieser Zeichnung unter dem Gemeindenamen Nünchritz geführt.
Übersicht über staatlich anerkannte Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen (Stand: Juni 2021). Diesbar-Seußlitz wird in dieser Zeichnung unter dem Gemeindenamen Nünchritz geführt. © Sächsisches Staatsministerium f

Soweit soll es aber nicht kommen, so Barthold. Er ist bereits in Verbindung mit dem SMWKT. Laut Ministerium müssen u. a. ein Gutachten des Gesundheitsamtes Meißen über die allgemein- und umwelthygienischen Verhältnisse, eine Beurteilung des Klimas und der Luftqualität, ein Lärmgutachen und eine Fortschreibung der bisherigen Entwicklungskonzeption eingereicht werden.

Die Titelverteidigung ist also schon mit einigem Aufwand verbunden. Nicht umsonst sind von den ursprünglich 32 staatlich anerkannten Erholungsorten aktuell noch 28 übriggeblieben. Wie vor zehn Jahren will die Gemeinde Nünchritz deshalb ein Büro damit beauftragen, die Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen. Allerdings muss der Gemeinderat Nünchritz dem noch zustimmen.

Denn es gibt auch Kritik. "Die Wirte und Pensionsvermieter in Diesbar-Seußlitz haben diesen Titel zu wenig genutzt", sagt Barthold. "Ich habe das Gefühl, dass er in der Sächsischen Schweiz mehr vermarktet wird."

Übersichtliche Kriterien müssen her

Katharina Lai von der hiesigen Weinwirtschaft "Weinreich" sieht das nicht ganz so. "Ich werbe immer mit diesem Titel, wenn ich mit meinem Bus unterwegs bin", erzählt sie. Allerdings müsse es auch Kriterien geben, die den Touristen sagen, was sie in einem "staatlich anerkannten Erholungsort" erwarten können. Ähnlich der Sternebewertung für Hotels. Dazu gehörten z. B. Informationen über Wanderwege, Natur, Übernachtungsmöglichkeiten und Parkplätze.

"Kur- und Erholungsorte sind ein wichtiger Bestandteil der Tourismus- und Gesundheitswirtschaft in Sachsen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region", sagt Manja Kelch. Ein wichtiges Handlungsfeld der Tourismusstrategie Sachsen 2025 sei die langfristige Stärkung des Gesundheits-, Wellness- und Kurtourismus, vornehmlich in prädikatisierten Orten. - Diesbar-Seußlitz passt da gut hinein.

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