merken
PLUS Riesa

Riesa: Wolf flüchtet ins Stahlwerks-Gelände

Ein Video dokumentiert, wie das Tier hinter dem Bahnhof eine Straße entlang rennt. Nun soll es eingefangen werden - wenn es nicht von allein wieder raus findet.

In Riesa wurde ein mutmaßlicher Wolf gesichtet. Ein Autofahrer hat das Tier in Gröba gefilmt. Der Zaun gehört zum einstigen Arbonia-Werkgelände.
In Riesa wurde ein mutmaßlicher Wolf gesichtet. Ein Autofahrer hat das Tier in Gröba gefilmt. Der Zaun gehört zum einstigen Arbonia-Werkgelände. © Screenshot:SZ

Riesa. "Leute, unfassbar: Hier rennt'n Wolf in der Stadt rum!" Mit diesen Worten beginnt ein 40 Sekunden langes Video, das ein Autofahrer mitten in Riesa gedreht hat. Es zeigt ein flüchtendes Tier, bei dem es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Wolf handelt. In den sozialen Netzwerken verbreitet sich die Aufnahme am Montag in rasender Eile.

Deutlich ist zu sehen, wie das Tier erst auf der Heinrich-Schönberg-Straße in Gröba entlang läuft, bevor es am Güterbahnhof abbiegt und in Richtung des ehemaligen Arbonia-Geländes rennt. Das Auto fährt hinterher. "Ein übelstes Viech, eh", kommentiert der Fahrer. "Alter, ist das geil!" An einem geschlossenen Firmentor rennt das Tier erst entlang, bevor es sich mit großer Mühe zwischen zwei Gitterstäben hindurch zwängt und auf das Areal des Stahlwerks flüchtet.

Teppich Schmidt
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft

Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Die Karte zeigt den Entstehungsort des Videos (Pfeil) und die Richtung, aus der das Tier vermutlich kam - um schließlich im Stahlwerksgelände zu verschwinden.
Die Karte zeigt den Entstehungsort des Videos (Pfeil) und die Richtung, aus der das Tier vermutlich kam - um schließlich im Stahlwerksgelände zu verschwinden. © SZ

Handelt es sich bei dem Tier wirklich um einen Wolf? "Es ist davon auszugehen", sagt der zuständige Jagdpächter Gerhard Herrmann zu sächsische.de. Auch wenn die Qualität der Aufnahme noch Zweifel zulasse.

Sollte es sich um einen Wolf handeln, wäre es die erste Sichtung im Riesaer Stadtgebiet seit 150 Jahren, sagt Herrmann. Insofern sei die Videoaufzeichnung hilfreich - der frühere Tierparkchef rät aber dringend davon ab, so eine Aufnahme zu wiederholen. Wer das Tier sehe, solle es nicht in die Enge treiben, rät der Jäger. Dann gerate ein Wolf in Panik - und das könne gefährlich werden. Wer das Tier sichtet, solle die Polizei verständigen, die ebenfalls in die Sache eingeschaltet sei.

Über die Herkunft des Tieres kann Gerhard Herrmann nur spekulieren. Er geht jedoch davon aus, dass es von der nahen Elbe her gekommen ist. "Über den Südhafen, dann über die Kastanienstraße ins Stadtgebiet hinein." Vermutlich habe das Tier den Weg gewählt, weil es an der Hafeneinfahrt schlicht nicht weitergekommen sei. Möglicherweise sei es zuvor durch den Fluss geschwommen - für einen Wolf kein Problem. Und nur wenige Kilometer weiter findet sich in der Gohrischheide das nächste amtlich anerkannte Wolfsrudel.

Oder das Tier kam vom Stadtpark her an der Elbe entlang gelaufen, um dann Richtung Stahlwerk abzubiegen. "Aber dann müsste es eigentlich noch mehr Wolfs-Sichtungen geben", sagt Herrmann.

Auf der Schönbergstraße sei das Tier nach Aussage des Videofilmers jedenfalls beinahe mit einem Lkw kollidiert: Der Lkw habe stark eine Notbremsung machen müssen. Nur dadurch sei der junge Mann mit dem Handy aufmerksam geworden - und habe die Flucht des Tiers auf das Gelände von Feralpi Stahl dokumentiert.

Mit Feralpi sei vereinbart, dass die Mitarbeiter informiert werden, dass sich ein Wolf im Werkgelände aufhalten könnte. "Unserer Belegschaft wurde per E-Mail informiert, wachsam zu sein - aber das Tier nicht aktiv zu suchen", sagt Feralpi-Sprecherin Carolin Weihmann. Man möge dem mutmaßlichen Wolf aus dem Weg gehen und ihm auf jeden Fall einen Fluchtweg freilassen.

Jäger Gerhard Herrmann besichtigte gemeinsam mit dem Feralpi-Sicherheitschef am Mittag das Areal, ohne das Tier selbst noch einmal zu sehen. Er informiert auch die Fachstelle Wolf des Freistaats in Deutschenbora. Notfalls könne man das Tier betäuben und einfangen. Gut möglich sei aber auch, dass der mutmaßliche Wolf die einsetzende Dunkelheit nutzt, um selbst durch ein Schlupfloch das umzäunte Werksareal zu verlassen.

Ob der Plan aufgeht, war am Nachmittag noch offen. Der Jäger konnte jedenfalls an der Schönbergstraße eine Haarprobe des Tiers nehmen. Ob sie für den genetischen Wolfs-Nachweis ausreicht, hängt davon ab, ob auch Haarwurzeln dran sind.

Ein Blick über das Riesaer Bahnhofsgelände auf das Feralpi-Stahlwerk. Das Wolfsvideo endet am weißen Gebäude, Bildmitte rechts.
Ein Blick über das Riesaer Bahnhofsgelände auf das Feralpi-Stahlwerk. Das Wolfsvideo endet am weißen Gebäude, Bildmitte rechts. © Foto: Lutz Weidler

Die Fachstelle Wolf bestätigte im Verlauf des Montags, dass ihr mittags durch die Polizei gemeldet worden sei, dass sich ein Wolf in Riesa verirrt hat. "Ein Handyvideo zeigt, wie ein Pkw-Fahrer den Wolf mit seinem Auto gezielt verfolgt. Das verängstigt wirkende Tier flüchtete in eine Sackgasse und ist durch einen Zaun auf das Betriebsgelände einer Firma gelangt", so die Behörde.

Die Fachstelle Wolf stehe mit dem Unternehmen in Kontakt. Es wurden Maßnahmen besprochen, unter anderem, dass die Mitarbeiter informiert werden und dem Tier nicht nachgestellt werden soll. Zudem wurden für den Fall einer Begegnung Verhaltensregeln abgestimmt. Das Betriebsgelände ist großräumig eingezäunt und weist Flächen auf, die Rückzugsmöglichkeiten bieten.

Generell kommen Wölfe bei ihren Streifzügen auch immer wieder an Ortschaften vorbei oder durchqueren diese. Selten kommt es vor, dass sich ein Wolf in einen Ort verläuft. "Wölfe sind sehr vorsichtige Tiere. Sie nehmen Menschen mit ihren gut ausgebildeten Sinnen meist frühzeitig wahr und weichen meist bereits aus, bevor sie überhaupt bemerkt werden", so die Experten. Wer dennoch einem Wolf begegnet, sollte sich ruhig verhalten und das Tier nicht in die Enge treiben. In der Regel dreht sich der Wolf um und zieht von dannen.

Weiterführende Artikel

Wieder Wölfe in Dresden gesichtet

Wieder Wölfe in Dresden gesichtet

Im vergangenen Jahr hatten die Tiere mehrere Schafe und auch ein Alpaka in Dresden gerissen. Wo der Wolf unterwegs ist.

Riesa: Insgesamt fünf Wolfs-Sichtungen

Riesa: Insgesamt fünf Wolfs-Sichtungen

Seit es ins Stahlwerks-Gelände geflüchtet war, beschäftigt das Tier die Öffentlichkeit. Experten gehen davon aus, dass es trotz Verletzung zurechtkommt.

Ist der Riesa-Wolf wirklich wieder weg?

Ist der Riesa-Wolf wirklich wieder weg?

Vor laufender Kamera flüchtet ein Tier ins Stahlwerk. Nun gibt es Sichtungen an verschiedenen Stellen.

Riesa: Wolf vermutlich weitergezogen

Riesa: Wolf vermutlich weitergezogen

Auf dem Gelände des Stahlwerks ist das Tier nicht geblieben, vermuten Experten. Es gibt auch Indizien für einen neuen Aufenthaltsort.

Der Riesaer Vorfall wird indes wohl eine Anzeige nach sich ziehen: Es sei davon auszugehen, dass die Polizei Anzeige erstatten wird wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Das Video erweckt den Eindruck, als sei das Tier vom Auto gehetzt worden. Jäger Gerhard Herrmann geht davon aus, dass es sich um einen 2019 geborenen Wolf handelt: Die langsam erwachsen werdenden Tiere werden in dieser Jahreszeit von ihrem Rudel verbissen, damit sie sich ein neues Revier suchen. Dabei komme es immer wieder vor, dass sie auch durch Dörfer und Städte laufen. Nun also erstmals auch in Riesa.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa