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Viele Bewerber für ungewöhnliche Stelle

Nach einem Jobangebot der Stadt Riesa unter dem Titel "Archiv/Haushandwerker" gab es Kritik. Doch begehrt ist der Posten offenbar.

Die Stadtverwaltung Riesa hatte kürzlich eine Arbeitsstelle ("Archiv/Hauswandwerker") ausgeschrieben. Vor allem Archivare fühlten ihren Berufsstand dadurch herabgewürdigt.
Die Stadtverwaltung Riesa hatte kürzlich eine Arbeitsstelle ("Archiv/Hauswandwerker") ausgeschrieben. Vor allem Archivare fühlten ihren Berufsstand dadurch herabgewürdigt. © Foto: Eric Weser/Quelle: Stadt Riesa, Montage: SZ

Riesa. Für eine Stelle bei der Stadt Riesa als Archivar und Haushandwerker haben zum Ende der Bewerbungsfrist am 31. Dezember 2020 insgesamt 17 Bewerbungen vorgelegen. Das hat die Stadtverwaltung auf SZ-Nachfrage mitgeteilt. Ein Auswahlverfahren soll es in den nächsten Wochen geben, so Stadtsprecher Uwe Päsler. Wann die Einstellung genau erfolgen soll, hänge vom jeweiligen Bewerber ab und wann dieser einsteigen könne. Es solle aber in der ersten Jahreshälfte passieren.

Für Wirbel hatte das auf zwei Jahre befristete Stellenangebot Ende vorigen Jahres gesorgt: Im sozialen Netzwerk Twitter war Empörung über das kombinierte Jobangebot laut geworden, insbesondere von Archivaren. Die Welle der Kritik ins Rollen gebracht hatte ein Kommentar von Thekla Kluttig, Vize-Chefin des sächsischen Landesverbands der Archivare und Archivarinnen (VdA). Der Verband hatte sich in der Folge mit einem Protestschreiben an die Stadt gewandt und kritisiert, dass in Riesa für Archivarsaufgaben fachfremdes Personal eingesetzt werden soll.

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Eine Antwort darauf gab es noch im alten Jahr, sagte die VdA-Landesvorsitzende Grit Richter-Laugwitz jetzt auf Nachfrage. Die Stadt Riesa habe darin auf die besondere Situation der Vakanz zweier Stellen – im Archiv- und im Hausmeisterbereich – aufmerksam gemacht und die Ausschreibung damit begründet. Gleichzeitig habe die Verwaltung versichert, dass es sich um eine kurzfristige Lösung für beide Bereiche handle. Fast gleichlautend hatte sich die Stadt bereits vor Weihnachten auf eine SZ-Anfrage dazu geäußert.

Beim VdA nimmt man die Aussagen der Stadt "zur Kenntnis, ohne unseren Protest inhaltlich zu revidieren", so Grit Richter-Laugwitz. "Wir halten es weiter für erforderlich, dass eine fachlich qualifizierte Tätigkeit in einem Kommunalarchiv von Fachpersonal erledigt werden muss." Man werde der Stadt die eigene Expertise und ein Gespräch anbieten.

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Aus Sicht des Archivarverbands sind Sachsens Kommunalarchive sehr unterschiedlich ausgestattet – und in manchen Fällen „völlig unzureichend“. Wer als Kommune jetzt nicht für handlungsfähige Archive sorge, werde schon bald „riesige Lücken“ in seiner historischen Überlieferung haben, so die Warnung der Landesverbandsvorsitzenden. Leider machten sich manche Entscheidungsträger nicht bewusst, dass kommunale Unterlagen nicht ihnen gehören, sondern sie eine Verantwortung für deren Erhalt tragen. (SZ/ewe)

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