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So viele Kinder in Notbetreuung wie selten

In der Gemeinde Wülknitz dürfen derzeit ungewöhnlich viele Kinder in die Kita. Sind die hiesigen Eltern systemrelevanter als anderswo?

Jacken von Kindern hängen an der Garderobe einer Kindertagesstätte. Eltern, die an ihrer Arbeitsstelle unabkömmlich sind, können ihre Kinder notbetreuen lassen. In Wülknitz häufiger als in anderen Gemeinden.
Jacken von Kindern hängen an der Garderobe einer Kindertagesstätte. Eltern, die an ihrer Arbeitsstelle unabkömmlich sind, können ihre Kinder notbetreuen lassen. In Wülknitz häufiger als in anderen Gemeinden. © Philipp von Ditfurth/dpa (Symbolbild)

Wülknitz. Die Gemeinde Wülknitz ist klein und unscheinbar. Mit rund 1.700 Einwohnern zählt sie zu den bevölkerungsärmsten Kommunen des Landkreises Meißen. Und doch ist sie im Raum Riesa-Großenhain bei einer Sache momentan die unangefochtene Nummer eins: Nirgendwo anders kommen verhältnismäßig viele Eltern in den Genuss, ihre Kinder in die Notbetreuung abgeben zu dürfen.

Die einzige Wülknitzer Kita steht in Streumen. Hier kümmern sich Leiterin Ines Buhler und ihre 13 Kolleginnen liebevoll um 77 Mädchen und Jungen aus allen sechs Ortsteilen. So viele Kinder sind es regulär - ohne Corona-Einschränkungen. Momentan sind aber wie überall in Sachsen weniger Knirpse da. Nur die Schützlinge von Eltern, deren Berufe vom Freistaat als systemrelevant eingestuft worden sind, dürfen hier spielen und den Tag gemeinsam mit ihren Freunden verbringen.

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Allerdings können sich die hiesigen Erzieherinnen über wenig Arbeit nicht beklagen. Auf dem Spielplatz-Gelände hinterm ehemaligen Herrenhaus sind deutlich mehr Kinder als in anderen vergleichbaren Kindertagesstätten zu sehen. Von einer Eins-zu-eins-Betreuung wie in manch anderen Kitas sind die Streumener Erzieherinnen weit entfernt.

In die Streumener Kita "Spielburg" gehen normalerweise 77 Kinder.
In die Streumener Kita "Spielburg" gehen normalerweise 77 Kinder. © Klaus-Dieter Brühl

Von den 77 Kindern sind 32 in die Corona-Notbetreuung abgegeben worden. Das entspricht einer Quote von 41,55 Prozent. Das ist so hoch wie in keiner anderen Kommune in der Region Riesa-Großenhain. Lediglich die Kitas in der Gemeinde Priestewitz (29,04 Prozent) und in Großenhain (28,25 Prozent) können da noch mithalten.

Das belegen die neuesten Zahlen des Landratsamtes Meißen vom 27. Januar. Die Notbetreuungsquote für den gesamten Landkreis beträgt demnach 26,27 Prozent. In vielen Kommunen gilt, dass etwa ein Viertel der Kita-Kinder anwesend ist. Ausreißer nach unten ist Strehla mit einer Quote von rund 14 Prozent.

Doch ganz oben in diesem Ranking steht Wülknitz mit seiner Kita "Spielburg" in Streumen. Ein plausible Erklärung, warum das so ist, hat Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos) nicht. Er führt es darauf zurück, dass die Liste der Berufe, für die eine Notbetreuung der Kinder infrage kommt, länger ist als noch im ersten Lockdown.

Möglicherweise können in seiner Gemeinde mehr Eltern auf einen systemrelevanten Beruf verweisen. Der Bürgermeister geht allerdings nicht so weit zu behaupten, dass in Wülknitz nur wichtige Leute wohnen.

Problem der "Freischeine" bekannt

Er verweist auf die Verwaltungsgemeinschaft Röderaue, wo die fachliche Leitung der Kitas angesiedelt sei. Aber auch dort rätselt man, warum der Anteil der Kinder, die in die Notbetreuung dürfen, in der Gemeinde Wülknitz so hoch ist.

Normalerweise wechseln sich viele Eltern zu Hause bei der Betreuung ihrer Kinder ab, auch wenn das für die allermeisten Mütter und Väter nicht einfach ist. Sie brauchen dafür auch das Verständnis ihrer Chefs und Kollegen.

In der Verwaltungsgemeinschaft Röderaue sei das Problem der sogenannten Freischeine bekannt. Wer die Notbetreuung für seine Kinder beantragen möchte, muss sich von seinem Arbeitgeber bestätigen lassen, dass sein Beruf (zum Beispiel im medizinischen Bereich) systemrelevant ist. "Arbeitgeber machen sich aber strafbar, wenn sie den Freischein einfach so unterschreiben", heißt es aus dem Rathaus Frauenhain.

Doch die Zeit der Notbetreuung könnte ab kommendem Montag vorerst beendet sein. Wie der Freistaat Sachsen am Dienstag bekannt gab, sollen Kitas und Grundschulen ab 15. Februar wieder für alle Kinder geöffnet sein. Dann atmen die berufstätigen Eltern wieder auf.

Anteil der Notbetreuung in den Gemeinden der Region Riesa-Großenhain:

  • Ebersbach 24,13 %
  • Glaubitz 25,71 %
  • Großenhain 28,25 %
  • Gröditz 24,35 %
  • Hirschstein 22,10 %
  • Lampertswalde 26,99 %
  • Nünchritz 20,34 %
  • Priestewitz 29,04 %
  • Riesa 20,97 %
  • Röderaue 24,73 %
  • Schönfeld 23,58 %
  • Stauchitz 24,04 %
  • Strehla 13,54 %
  • Thiendorf 19,04 %
  • Wülknitz 41,55 %
  • Zeithain 19,92 %
  • Landkreis Meißen 26,27%

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